Eden
Interpret: Forgotten Eden
Label: Selbstveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2008
Wertung: 1.5/5
Das hier ist eine der härtesten Rezensionen, die ich je schreiben musste. Also kommen die fröhlichen Jungs aus Veliko Ubeljsko (unterhalb des Nanos) – Forgotten Eden, neuerdings nur noch Eden – mit ihrem ersten richtigen Album in zehn Jahren Karriere. Die Kerle sind mächtig unternehmungslustig, denn sie pflegen einen Musikstil, der heute klinisch tot ist. Besonders in Slowenien. Stilistisch wie auch in der Klangproduktion selbst. Also: melodischer Hard Rock. Der ist keineswegs „out of date&shape“, wenn es dir gelingt, Ideen im richtigen Produktionsgewand zu platzieren – dazu braucht es auch weitere Faktoren: ausgefeilte, vielschichtige vokale Harmonien und das passende Zusammenspiel lebendiger Farben im Dialog zwischen Gitarrenriff und Keyboards. Alle drei Faktoren sind bei Eden noch längst nicht vollständig ausgefeilt. Melodischer Hard Rock und AOR verlangen Bombast – eine bombastische Produktion, die auf dem Album „Eden“ deutlich zu kurz kommt.
Der Gesang ist stark und überzeugend in den hohen bis höchsten Lagen. Die Betonung der englischen Verse ist etwas unbeholfen, und an diesen Stellen geht der Musik die Melodiosität verloren. Wünschenswert wäre, dass die Band dem Englischen künftig mehr Aufmerksamkeit widmet – die Verse so anpassen und setzen, dass sie singbarer werden. Besonders spürbar ist diese Unbeholfenheit in den mittleren bis tieferen Tonlagen. Gut, dass wir es nicht mit Slowenisch zu tun haben, was der Track Krompirjeva noč (die slowenische Version von Tonight Is The Night) nur bestätigt. In den tieferen Lagen wird der Gesang sogar dünn, was zeigt, dass die gewählte Stimmung der Instrumente ihm nicht wirklich zuträglich ist – deshalb wäre es gut, diese Tonlagen künftig so weit wie möglich zu meiden, höhere Lagen zu wählen oder den Gesang mit Harmonien entsprechend aufzuwerten.
Das Gitarrenriff wie auch die Keyboards sind in der Produktion zu weit im Hintergrund, zu leise, ohne echte gegenseitige Verbindung und kohärentes Ineinandergreifen – dadurch entsteht kein ausreichender Klangraum, in den sich der Gesang einbetten könnte. Tonight Is The Night ist der Song, der diesen Mangel am deutlichsten zeigt, und knapp dahinter folgen Girl In Love sowie It’s My Love, die sich bereits auf dem Album „Forgotten Eden“ findet. Wegen dieser „leisen“ Riff-Produktion (Achtung! Eden haben zwei Gitarren!!!) beschleicht einen an bestimmten musikalischen Punkten des Albums das Gefühl, man hätte altes, noch unveröffentlichtes Pop Design-Material in den CD-Player eingelegt – neu auf Englisch eingesungen –, oder eine neue Reinkarnation irgendeiner Rendez Vous. Da die klangliche Fülle im Verhältnis Riff–Keyboards im Hintergrund fehlt, wirkt der Gesang zeitweise – besonders wenn er sich ans kehlige Schreien wagt – zu rau und zu aufdringlich herausstechend. Dadurch kann er sogar nervig wirken, was schade ist angesichts der hohen Qualitätsmerkmale, die er erreicht.
Die Refrains von Straight, I Can’t Wait, Nightfalls, The End und Electric Night tragen ein schönes Potenzial in sich, das die Hand einer echten Produktion sicher weit eindrucksvoller und ausdrucksstärker hätte formen können. Auch die Grundanlage dieser Songs ist beeindruckend, und die Jungs verbergen ihre musikalischen Stärken und ihr Talent keineswegs. Trotz manch scharfer Kritik glänzt das Gitarrensolospiel durch das gesamte Album – es ist nicht prätentiös, sondern sorgt für Fluss und Melodiosität der Songs. Dem Album fehlt aber wegen der seichten Produktion die nötige Dynamik und Lebendigkeit. Der Sound klingt eindimensional, und das Album wirkt als Ganzes sehr „aus der Zeit gefallen“. Stell dir vor, was passiert wäre, wenn Deep Purple jemals versucht hätten, Journey das Wasser zu reichen – oder erinnere dich einfach daran, wie blass und verloren Blackmores Rainbow wirkten, als sie sich in den Achtzigern mit AOR-Tricks abgaben.
Das Ding ist gegenüber „Forgotten Eden“ insgesamt durchaus qualitativ aufgewertet – wobei ich mich bei letzterem einfach nicht festlegen kann, ob es sich um eine EP oder ein richtiges Studioalbum handelt (check mal die Spielzeit!). Trotz der frischen neuen Ideen, die die Jungs mitbringen, klafft im Album „Eden“ noch so manche Lücke, die die Band künftig mit einiger Eigenarbeit stopfen muss. In erster Linie müssen die Gitarrenriffs deutlich weiter nach vorne gerückt werden, mit einem modernen Keyboard-Sound versehen, der Gesang mit einer passenden Palette mehrstimmiger Harmonien angereichert, der archaische Synthesizer-Einsatz abgelegt und das Englisch beim Singen verbessert werden.
Ungeachtet dieser Zeilen: Eden sind slowenische Musikwirklichkeit, sind eine musikalische Einheit, sind Vertreter des Hard Rock. Den Jungs fehlt es also nicht an Mut – sie packen ein Genre an, in dem alles schon gesungen, alles schon gesagt, alles schon entdeckt wurde und in dem Slowenien nie wirklich eine Tradition oder Kontinuität hervorgebracht hat. Sagen wir es so: Eden gestalten diese Szene heute gemeinsam mit Bands wie Mary Rose, Seventh Angel, Rock Shock, Stone Orange, Black Diamond, usw… gerade erst mit. Eine wichtige Figur in Slowenien in dieser Hinsicht. Es steht außer Zweifel, dass die Kerle das Album „Eden“ künftig mit seinen Nachfolgern überbieten werden. Metal befindet sich in Slowenien gerade in einer gewaltigen Expansionsphase, und Hard Rock folgt ihm mit Verzögerung – aber beharrlich.
Besetzung
Jure Počkaj – Gesang, Gitarre
Edo Sabljaković – Gitarre
Iztok Kocen (Jimmy) – Keyboards
Nejc Počkaj – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Miha Nedoh – Schlagzeug
Produktion
Jadran Ogrin & Eden
Trackliste
1. 1998
2. Straight
3. i Can’t Wait
4. Nightfalls
5. Tonight Is The Night
6. Electric Night
7. It’s My Love
8. Girl And Love
9. Final
10. The End
11. Krompirjeva noč*
*…Bonustrack