Eclectric

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Autor: Rok Klemše

Interpret: Game Over
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2008

Die Band Game Over aus Jesenice, die in der heimischen Metal-Szene heute schon als legendär gilt, genauso wie ihr Kult-Demotape Tilt, das 1990 erschien, hat sich in den frühen Neunzigern wegen Unstimmigkeiten in der Gruppe viel zu früh aufgelöst. Jetzt, wo das Comeback längst zerbrochener Bands (Interceptor, Železobeton, von den ausländischen ganz zu schweigen) in der Szene wieder heiß und angesagt ist, kehren nach fast zwanzig Jahren seit Tilt auch Game Over zurück. Ihr Comeback kündigt das ambitionierte Werk Eclectric an, und die Wartezeit darauf hat seit Jahresbeginn die Single-Version Eclectric – The Version versüßt. (RockLine-Review HIER).

Wenn Game Over in ihren Anfangstagen bärenstarken, druckvollen Thrash Metal gespielt haben, der stellenweise schon technisch und experimentell klang, hat Eclectric mit Tilt nicht allzu viel gemeinsam. Ob das nun musikalische Reife ist oder der Überdruss an den Grenzen des Metal, ist egal – wichtig ist, dass Eclectric eine gut einstündige Reise durch die Sphären von Fusion, Experiment und der Verschmelzung verschiedener Genres bietet, dazu gelegentlich echte Headbanging-Momente, die an die Metal-Jahre der Band erinnern. Eclectric ist garantiert kein leichter Brocken für die Ohren, denn die inneren Strukturen der Songs sind abwechslungsreich und komplex, und die Atmosphäre, die jeder einzelne Track mühelos heraufbeschwört, reicht von abgedrehtem „Spacy“-Feeling, futuristischen Sci-Fi-Elementen und psychedelischen Funk-Parts bis hin zu echten mystischen, ätherischen Trips in die geheimnisvollen Sphären des menschlichen Geistes und des Universums. Das tolle Ambient-Feeling des Albums baut eine ganze Reihe von Instrumenten schön auf, um die sich größtenteils das Game-Over-Trio kümmert. Die Gitarrensynthesizer von Aleksander Miklič tragen das Ambient-Gesicht des Albums, Gregor Rožičs Bass sorgt für schön fließende Funk-Basslinien, die bei No One besonders ansteckend sind, während er mit dem wilden Gebasse in Hardtastic fast an abgedrehte Soundtracks von Actionfilmen aus den Achtzigern erinnert. Die Rhythmusgruppe rundet Blaž Soklič ab, der die ganze Zeit über subtile Drums spielt, die sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängen, aber schön beim Zusammenhalten des Ganzen helfen, dabei aber einfallsreich und abwechslungsreich sind, voll dynamischer Übergänge und Becken. Gelegentlich sind die Drums auch programmiert, dafür sorgen Miklič und Dali. Den stärksten Metal-Einschlag bekommt die Platte durch die Gitarre, für die größtenteils Klemen Gasar zuständig ist. Die glühenden Gitarren, gebaut aus hervorragenden Riffs und spektakulären Soli, kommen besonders in RViPVO, Tilt! und Lost… …in Scapes an die Oberfläche; in letzterem spielen sich Gasar und Dyz (Negligence) im Duett ein paar atemberaubende Soli zu. Die Gitarre ist aber nicht nur Trägerin der Metal-Parts, sie bietet vielleicht noch öfter Jazz/Fusion-Passagen, die an Planet X, Allan Holdsworth oder Tony MacAlpine erinnern. Obwohl das Album fast komplett instrumental ist, schleichen sich gelegentlich Vocals in die Songs, oder besser gesagt geflüsterte, gesprochene Parts, die den Stücken einen ganz besonderen Charme und Stempel verpassen; aus der Schablone scheinbar ernster Musiker holt Game Over der Spaßvogel-Part mit Lachen in The Version heraus (angeblich von Monty Python inspiriert). Solche und ähnlich subtile Stellen gibt es auf Eclectric jede Menge, und um alles zu entdecken und zu erobern, brauchst du mehrere Durchläufe, denn das Album ist beileibe kein leichter Brocken für den Gelegenheitshörer. Aber gerade deshalb ist Eclectric ein echter Leckerbissen für Feinschmecker unter den Musikfans, und ich wage zu behaupten, dass die Platte sogar einer der kühnsten und mutigsten Versuche instrumentaler Jazz/Fusion/Metal-Musik bei uns ist. Auch wenn sich die meisten Stücke schnell im Ohr festsetzen, vor allem wegen der ansteckenden Melodien, bietet die Platte auch einen schönen Anteil an Abstraktem; ein schönes Beispiel ist das fast „tribale“ Plastastic mit atonalen Gitarren, das „schräge“ G oder Eclectric und der unglaubliche „Chill-out“-Track Too Long To Stop Nonsense Delirium Tremens Hell, der dich mit seiner Ruhe, subtilen, beruhigenden Gitarren und „Easy Listening“-Atmosphäre auf ganz andere Level trägt.

Game Over haben mit Eclectric eines der kühnsten Experimente bei uns geschaffen, etwas völlig Neues und Frisches auf slowenischem Boden. Eclectric ist alles andere als ein Album für oberflächliches Hören und bietet gerade deshalb viele Möglichkeiten, mit jedem neuen Durchlauf Neues zu entdecken. Eclectric ist ein Album wie auf den Leib geschneidert für alle, die Musik mögen, die ihnen etwas Neues, noch Unerforschtes bieten kann. Mehr als passend für jeden, der sich nicht auf Musikgenres beschränkt, egal ob ihn Fusion, Jazz, Metal oder sonst was anzieht. Wenn schon nicht mit Verkaufserfolgen, dann wird Eclectric in der slowenischen Musikszene garantiert einen riesigen Stempel hinterlassen, mit seiner Einzigartigkeit, Originalität und seiner kühnen, eigenwilligen und kompromisslosen Haltung.

Besetzung

Aleksander Miklič – Gitarrensynthesizer, Bass
Gregor Rožič – Bass
Klemen Gasar – Gitarre
Blaž Soklič – Drums
Frenk Rožič – Sax
Dyz – Gitarrensolo (Lost… …in Scapes)
Grule – birds&insects
Dali – drum programming
Fatso – V-Drum tom FX
Ghosts – Vocals

Produktion

Dali und Eclectric Ensemble

Tracklist

1. RViPVO
2. No One
3. Hardtastic
4. The Version
5. Lost… …in Scapes
6. Tilt!
7. Y
8. Plastastic
9. qUlthaiC
10. G
11. Too Long To Stop Nonsense Delirium Tremens Hell
12. Virtual

Bonus:
13. Eclectric
14. Too Long To Stop Nonsense Delirium Tremens Hell (stringshesizer mix)
15. Lost… …in Scapes (ambient edit mix)
16. Virtual (ambient mix)

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