Eat Me, Drink Me

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Interpret: Marilyn Manson
Label: Polydor Records
Release: 2007

Seit dem Release von Mansons Mega-Erfolgsalbum Antichrist Superstar sind glatte 10 Jahre vergangen, und in der ganzen Zwischenzeit hat uns der Prinz der Dunkelheit Figuren serviert, von der karikaturhaften Fratze, die ein möglichst breites Publikum und die verdorbene amerikanische Jugend schocken sollte, bis hin zum Sozialberater und Kommentator, der mit den Produzenten/Regisseuren Michael Moore und Bill O’Reilly zusammengearbeitet hat. Das Tüpfelchen auf dem i war seine mehrjährige Ehe mit der Burlesque-Göttin Dita Von Teese. Parallel und passend zu seinem melancholischen Lebensstil hat sich diesmal auch seine Musik entsprechend entwickelt.

Liebe ist schwerer als Hass, könnte man als Slogan für das 2003er-Album mit dem Titel „The Golden Age of Grotesque“ sagen. Der diesjährige Neuling „Eat Me, Drink Me“ ist sein absoluter Gegenpol. Andererseits ist es Mansons durch und durch persönlichstes Album, und sowohl textlich als auch musikalisch begibt er sich mit seinem Kompagnon, Bassist Tim Skold, in neue, für ihn bisher unerforschte musikalische Gewässer. Keine Panik, es ist keine komplette Kehrtwende, sagen wir einfach, dass Mr. Manson angesichts der eigenen Psychoanalyse und eines leicht subtilen musikalischen Ansatzes für einen Moment sein so typisches, heavy-gewalttätiges musikalisches Vokabular hinter sich lässt. Dass Manson es diesmal ernst meint, hat er auch damit bewiesen, dass er die Zusammenarbeit mit all den bisher verdienten Produzenten, Beratern… schlicht abgelehnt hat und sich diesmal nur seinen bereits erwähnten Helfer Skold unter die Fittiche geholt hat.

Dessen Beitrag auf dem Album kann man als außergewöhnlich bezeichnen. Auch wenn die meisten Songs im langsameren Tempo gehalten sind, enthalten sie trotzdem noch immer diesen ansteckenden Pop-Metal-Anteil, dem Manson bisher etwas zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Einer der offensichtlichsten Songs in dieser Richtung ist „Heart-Shaped Glasses“. Der Track ist angehaucht von poppigen Gitarren, programmierten Drums und einem fast schon Dance-Rock-Rhythmus. Wenn man die düsteren Keyboard-Parts und die Vocals (bis zur maximalen Finsternis verzerrt) mal ausblendet, würde man darin problemlos eine der trendigen „New Wave“-Parallelen finden. „New Wave“-Elemente stecken größtenteils auch in den Hardrock-Nummern wie „Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery“ oder „You And Me And The Devil Makes 3“. Letzterer ist einer von sieben Songs auf dem Album, die sich ganz im Stil von Jesu Abschiedsrede an seine Jünger mit seinem gescheiterten Liebesleben befassen. Dass Manson die subtile Seite zur Hauptnote des Albums gemacht hat, ist in seiner kurzen, aber fruchtbaren Musikkarriere übrigens auch eine Premiere. „The Red Carpet Grave“ sticht auf dem neuen Album durch seine Persönlichkeit und Bekenntnishaftigkeit heraus. An anderen Stellen wiederum nennt Manson als möglichen Ausweg aus der Persönlichkeitskrise Kannibalismus, einen möglichen Autounfall (im Stil des befreienden Films CRASH), kurz gesagt, er beweint sein früheres Leben und seine Taten im Stil von: „I kill myself in small amounts/In each relationship it’s not about love/Just another funeral and just another girl left in tears.“

Die Perle unter den autobiografischen Songs dieser Platte ist ohne Zweifel „Putting Holes in Happiness“. Mit ihren melancholischen Gitarrenriffs erzeugt die Nummer auf jeden Fall wehmütige Stimmungsarrangements. Hardcore-Fans werden bei diesem Album und dem Mangel an Songs, die den Namen Gottes und die weltlichen Regierungs- und Gesellschaftsordnungen schänden, wohl eher kühl und ruhig bleiben. Vermutlich hat das Album Mansons geistige Reife berührt, denn der Mann ist mit seinen 38 Jahren nicht gerade ein Paradebeispiel für unermüdlichen jugendlichen Wahnsinn. Der Shock-Rocker serviert uns diesmal, mangels Latex und Nihilismus, eine ordentliche Portion Seelenstriptease einer leicht angeschlagenen, aber immer noch „menschlichen“ Persona. Manson will einfach nur geliebt werden, und vielleicht wurde er es einmal sogar oder wird es noch!? Wer weiß? Liebe besiegt ja meistens alles.

Gesamtwertung: 8/10

Besetzung

Marilyn Manson – Gesang, Percussion, Texte, Produzent, Fotografie, Design
Tim Skold – Gitarre, Bass, Keyboards, Programmierung, Produzent
Sean Beavan – finaler Schnitt

Produktion

Marlyn Manson & Tim Skold

Tracklist

1. If I Was Your Vampire (5:56)
2. Putting Holes in Happiness (4:31)
3. The Red Carpet Grave (4:05)
4. They Said That Hell’s Not Hot (4:17)
5. Just a Car Crash Away (4:55)
6. Heart-Shaped Glasses (When the Heart Guides the Hand) (5:05)
7. Evidence (5:19)
8. Are You the Rabbit? (4:14)
9. Mutilation is the Most Sincere Form of Flattery (3:52)
10. You and Me and the Devil Makes 3 (4:24)
11. Eat Me, Drink Me (5:40)

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