Dve

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Hamo & Tribute 2 Love
Label: Celinka
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 59:23
Bewertung: 4/5

Matevž Šalehar, alias »Hamo«, ist ein weiterer slowenischer Musiker, der seine Nische im slowenischen Vergnügungspark des Rock ’n‘ Roll gefunden hat. Von den Zeiten von Babewatch über Mojo Hand, die zu seinen Tribute 2 Love heranwuchsen, bis hin zu den neuesten Abenteuern mit der Combo Escape Quartet. Hamo ist auch ein guter Kumpel von Gal Gjurin – ihr gemeinsamer Song Črni konji čez nebo hallt dir seit 2010 wahrscheinlich immer noch kräftig in den Ohren, war er doch der meistgespielte slowenische Song jenes Jahres.

Hamo & Tribute 2 Love legen also ihr Debüt vor. Endlich. Es hat seit 2006 vor sich hingeköchelt. Deshalb versammelt es satte 16 Tracks. Dabei fehlt nicht das bis heute bei Kennern und Fans der Band tief verankerte »Do You Believe In Love«, eine hymnisch-predigende, rundum positive Ode an die Freude und die Liebe. Auch der erste Single „Vija vaja ven“ aus dem Jahr 2011 ist dabei, ebenso wie das vorjährige »Gremo se igrat boga«.

Das Element, das einem beim Thema Hamo und seiner musikalischen Visitenkarte als Vokalinterpret zuerst „ins Ohr sticht“, ist natürlich die Stimmcharakteristik, deren natürlichen Lebensraum man mühelos als irgendein Stahlwerk, eine Eisenhütte oder ein Bergwerk bezeichnen könnte. Eine Stimme, die in Farbe und Interpretation gelegentlich ziemlich treffend an den britischen Soul-Blues-Rocker, den allseits verehrten und weltweit bekannten König des Soul-Pop Joe Cocker erinnert. Genau diese Besonderheit, vor allem aber das außergewöhnliche Gespür für das vollblütige Einfühlen in verschiedene emotional bedingte Stimmungslagen, die von den Botschaften der Verse diktiert werden,  ist ein wichtiges Element, das eine enorme Lebendigkeit schafft – nennen wir es ruhig Farbigkeit (Einfärbung) – der an sich streng abgesteckten Form des Blues, die der grundlegende Inspirationsimpuls der Musik von Tribute 2 Love ist.

 Matevž Hamo Šalehar ist ein talentierter Musiker – darauf deutet auch die prestigeträchtige Auszeichnung hin: der erste Platz beim Wettbewerb Slovenska popevka 2012 mit dem Song Ti prihajaš. Großes Charisma, ein leidenschaftlicher Feuergeist in der Stimme, der mit seiner rauen Schroffe und unverhohlenem Macho-Mojo das Beste aus der knallharten Rock-Blues-Rhetorik herausholt. Genau Hamo ist das Zünglein an der Waage, das mit seiner im slowenischen Raum einzigartigen Stimmerscheinung die Geschichte von Tribute 2 Love so sehr belebt, dass die Band eine außergewöhnliche Bereicherung der slowenischen Musikszene darstellt.

Manchmal könnte man den Kern von Hamo & Tribute 2 Love kurz und knapp so auf den Punkt bringen: ein Klangerlebnis, das nicht weit von der Situation entfernt ist, Cocker in eine vereinfachte Version  des musikalischen Rahmens der Allman Brothers Band zu setzen. Wenn du das substanziell griffige Erbe der zeitlosen Musik der legendären Allman Brothers Band authentisch durch deine eigene kreative Linse der musikalischen Talente laufen lässt, kann eigentlich nichts schiefgehen. Und Hamo geht mit seinen Tribute 2 Love genau so vor.  Hamo hat eine Schar außergewöhnlicher Musiker um sich versammelt.. Man spürt, dass die Jungs sich schon lange kennen, dass die Bande zu einer außerordentlich wahrnehmbaren Einheit des musikalischen Körpers Tribute 2 Love zusammengewachsen sind und dass alle Bausteine derselben Geschichte auf derselben Wellenlänge feuern – sich konzeptuell und in der Ausführung gegenseitig verstärken. Das ist das wichtigste Element, damit das Album »Dve« überhaupt funktionieren kann. Und es funktioniert auf ganzer Linie. Von Kopf bis Fuß. Die Blues-Rock-Rhetorik, angetrieben von der funkelnden Soul-Frisur des kantigen Charmes von Hamos Stimme, überzeugt und packt einen sofort beim Opener Scotch, und diese verführerische Haltung hält bis zum ersten Song in slowenischer Sprache an. Das ist der erste Single  Vija Vaja Ven, bei dem man feststellt, dass Hamos Stimme auf Slowenisch anders funktioniert. Der treffendste Botschafter, der die »weichere« Verträumtheit mit der sensiblen Seite der Vokalinterpretation näherbringt, ist das sinnliche Wiegenlied brillanter Melodieeinfälle  Gremo se igrat boga, das auch der aktuelle Single ist und dabei absolut aus dem restlichen Material heraussticht – sowohl in der Anlage der Arrangements als auch in der Vokalinterpretation, da es kaum noch Berührungspunkte mit der Blues-Rhetorik hat, der die Band sonst in ihrem Ausdruckscharakter allgemein zugetan ist.

Die Begleitung folgt einem absolut organischen Prinzip. Der kraftvolle Retro-Sound des Blues-Rock-Ansatzes der Band wird auch durch Keyboards mit Hammond-Sound aufgewertet. Die Produktion ist dynamisch, atmet lebendig und bietet eine ansprechende Kombination warmer Klangfarben sowie eine wunderschöne Verteilung der Bausteine des Klangbildes, die Hamos charismatischen Gesang in einer zentralen Position halten.

Es sind sechzehn Songs. Ne glede na to , da ist Hamo ein geschickter Steuermann, der den elementaren Begleitrahmen mit seiner stimmlichen Flexibilität erfolgreich belebt, stört dennoch ein kleines bisschen die Erkenntnis, dass die Anzahl der ausgewählten Songs  für ein Album zu hoch ist. Das Genre-Korsett, in dem sich die Band bewegt, lässt nur eine bestimmte Anzahl an Figuren zu. Bei Song Nummer 16, auch wenn es das »knackige«, verspielte Rožice ist, wird der Hörer leicht müde. Es gibt aber Stellen, wo noch etwas Luft nach oben ist. Zum Beispiel schon das zweite Stück Wish You Well, bei dem das mehrfache Wiederholen der Refrainzeile »Wish you well« stört.

Im Großen und Ganzen ist das aber hervorragend gemachte Arbeit. Hamo und seine Begleitband drehen sich nachweislich in der musikalischen Spur, die sie im Schlaf beherrschen. Hier sind sie am stärksten, und so präsentieren sie sich auch mit dem Album »Dve«. Solange der Magnet sündhaft berauschender  Verführung regiert, den die energetische Vibration von »Heart To Play On« liefert (am Gesang: Uroš Primužič mit einem „zarteren“ Farbton!), oder Country (Still In Love), ist klar, dass Hamo & Tribute 2 Love noch lange nicht ihr letztes Wort gesprochen haben. Und Lost My Faith mit etwas The Rolling Stones-Kontur oder der funkigen Sprungfeder in Lady G? Keine Frage. „Dve“ hält großzügig über 16 Tracks hinweg reichlich Unterhaltung bereit.

Besetzung

Matevž „Hamo“ Šalehar – Gesang, Hintergrundgesang, Mundharmonika, Gitarre, Keyboards, Percussion
Jani Baš – Keyboards, Hintergrundgesang
Uroš Primužič „Spretan“ – Gitarre, Gesang (5), Hintergrundgesang, Percussion
Uroš Škerl Kramberger – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Martin Janežič „Buco“ – Schlagzeug, Percussion, Hintergrundgesang

GASTMUSIKER:
Barabara Dodić – Hintergrundgesang
Vesna Potokar – Hintergrundgesang
Denis Horvat – Keyboards, Bassgitarre, Hintergrundgesang
Zoran Ćalić – Gitarre
Matej Mršnik – Gitarre
Miha Šalehar – Gitarre
Jože Bogolin – Marimba
Gesangschor „Sirene“ – Vokalchor

Produktion

Matevž Hamo Šalehar, Uroš Primužič, Matej Gobec, Denis Horvat, Tim Urbanja & Gal Gjurin

Trackliste

1. Scotch
2. Wish You Well
3. Days Like This
4. Falling
5. Heart To Play On
6. LJ Woman
7. Country (Still In Love)
8. Lost My Faith
9. Do You Belive In Love
10. Vija Vaja Ven
11. Lazy Blueser
12. Superstar
13. Gun In Love
14. Lady G
15. Gremo Se Igrat Boga
16. Rožice
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