Djazz auf dem Görzer Markt (2016)
Autor: Primož Novak
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Görz (Gorizia) / Ex -Mercato All'ingrosso / Italien
Konzertdatum: 05.08.2016
Besucherzahl: 300
Kartenpreis: 20,00€ (Vorverkauf) / 23,00€ (Tageskasse)
Viele Bands, die im Laufe des Sommers auf europäischen Festivals bestätigt sind, spielen nicht nur dort. Manche entscheiden sich, auch in Clubs aufzutreten und nicht bloß als Festival-Exklusivität zu gelten. Für Clubshows haben sich auch Animals as Leaders entschieden, die sich in der letzten Phase der Promotion ihres aktuellen Albums »The Joy of Motion« von 2014 befinden. Begleitet wurden sie von den kanadischen Intervals und dem australischen Plini. Das Konzert sollte also vor allem ein Publikum ansprechen, das sich für neuere Instrumentalmusik begeistert, bei der neben virtuosem Solospiel auch die Rhythmik im Vordergrund steht. Das Konzert fand auf dem Görzer Markt statt. Schade nur, dass es zur Konzertzeit kein Obst und Gemüse mehr gab – lediglich ein Imbissstand mit Fast Food und horrend teurem Bier war noch vor Ort. Wenn man die unverschämt hohen Preise mal beiseitelässt, war das Konzert an einem interessanten, sympathischen Ort angesiedelt. Die Erwartungen waren jedenfalls hoch.
Als Erster betrat der australische Musiker Plini mit seiner Begleitband die Bühne. Als Rhythmusgitarrist war Aaron Marshall dabei, der eigentlich als Chef von Intervals bekannt ist. Zunächst wirkte es so, als würde Plini nichts allzu Besonderes liefern – das erste Stück erinnerte mit seiner Gelassenheit an eine Nummer von Joe Satriani. Doch schon mit dem nächsten Song drehte Plini auf: Auf seiner »kopflosen« Strandberg-Gitarre zeigte er jede Menge Tricks, und vor allem konnte er mit präzisem Spiel punkten – Beweis genug, dass er kein Musiker ist, dessen Können nur auf Alben überzeugt. Auch die Rhythmussektion stand dem in nichts nach. Der Bassist bereicherte das Klangbild der Band mit seinen Linien und Soli konstant. Und der Schlagzeuger bewies, dass ihm kein Rhythmus fremd ist. Das einzige Problem war tatsächlich Aaron Marshall, der sich vor dem Auftritt beim Brotschneiden tief in den Finger geschnitten hatte. Marshall gab sein Bestes, um Plini zu begleiten, doch die Verletzung kostete ihn auch ein paar Fehler. Zum Glück schaffte er es, den kurzen Auftritt zu Ende zu bringen – und Plini zeigte live deutlich mehr Potenzial, als seine bisher veröffentlichten EPs und Singles vermuten ließen. Die Aussichten für das angekündigte Album sind also zweifellos gut.
Die Band gönnte sich eine kurze Pause, nur der Drummer wurde gewechselt – diesmal stand Gitarrist Aaron Marshall im Mittelpunkt, der die Musik von Intervals vorstellen sollte. Intervals haben in den letzten zwei Jahren einige konkrete Umbrüche in der Besetzung durchgemacht. Die Band startete als Instrumentalband, doch das erste Album A Voice Within (2014) enthielt noch Gesang. Das Album war durchaus erfolgreich, aber Marshall gefiel die Version mit Vocals nicht, also entschloss er sich, die Band aufzulösen und mit Instrumentalmusik neu anzufangen. Er nahm das Album The Shape of Colour auf und versuchte es mit der Konzertbesetzung von Intervals komplett vorzustellen – doch leider ließ der schmerzende Finger keinen vollständigen Auftritt zu, sodass er nach vier Songs die Bühne verlassen musste. Intervals zeigten in ihrem kurzen Set trotzdem, dass sie auch instrumental interessant sind; der Fokus liegt etwas stärker auf Melodie als bei Plini – allerdings reicht der aktuelle Zustand irgendwie nicht ganz an die Wucht heran, die Intervals hatten, als noch Vocals dabei waren.
Zum Schluss blieben nur noch die Hauptakteure Animals As Leaders übrig, bestehend aus den Gitarristen Tosin Abasi und Javier Reyes sowie Drummer Matt Garstka. Anfangs wirkt es vielleicht etwas seltsam, dass die Band keinen Bassisten hat – doch bei AAL ist der Skeptizismus schnell verflogen, sobald man merkt, dass die Basslinien tatsächlich von einem der Gitarristen übernommen werden. Meistens war das Reyes, denn Abasi war mit Solieren ausgelastet. Zum Glück wirkten AAL nicht wie eine reine Abasi-Show, obwohl er heute als einer der interessantesten modernen Gitarristen gilt. Auch Reyes kam voll zur Geltung und übernahm ebenfalls die Rolle des Sologitarristen. Beide Gitarristen harmonierten über das gesamte Konzert hinweg hervorragend mit Drummer Garstka, dessen komplexes Spiel AAL zusätzlich bestätigt: Das hier ist eine einzigartige Band, die modernes Technical Metal mit Jazz Fusion hybridisiert. Einerseits waren heftig verzerrte, harte Parts zu hören, wie sie für rhythmisch komplexe Bands à la Meshuggah typisch sind – andererseits kombinierten sich damit einfallsreiche Jazz-Einschübe, die sich vor allem in Linien mit »Slapping« zeigten. Das Gitarren-Duo Abasi/Reyes demonstrierte dabei echte Kennerschaft im Stil renommierter Jazz-Fusion-Bassisten wie Stanley Clarke, Marcus Miller und Victor Wooten. AAL haben zweifellos bewiesen, dass sie als Einheit funktionieren – auch wenn die Blicke mehrheitlich auf den chirurgisch präzisen Abasi gerichtet waren, der mit jeder weiteren Nummer seine grenzenlose Fantasie unter Beweis stellte. Gleichzeitig zeigte er, dass er nach wie vor einer der wenigen Gitarristen ist, der alle acht Saiten seiner Gitarre wirklich ausnutzt. Da wundert es kaum, dass Abasi im letzten Jahr sogar auf der Tour der renommierten Gitarristen bei G4 dabei war. In ungefähr einer Stunde haben AAL so viel geboten, dass man kein enttäuschtes Gesicht sah. Zwischendurch mischte sich zwar noch Regen ein, doch den Gesamteindruck trübte das nicht. Einzig ein paar Songs vom zweiten Album Weightless fehlten – der Regen hat das Repertoire wohl etwas gekürzt. Auf jeden Fall darf man beim nächsten Mal noch mehr von der Band erwarten; ein neues Album ist bereits in Arbeit.
Animals as Leaders, Intervals und Plini haben trotz unbeständigen Wetters für ein unvergessliches Konzert gesorgt – für alle, die auf innovative Instrumentalmusik stehen, die sich nicht an einen einzigen Stil hält. Auf jeden Fall sind das Bands, die mit ihrem innovativen Spiel zeigen, dass auch in jungen Bands enormes Potenzial steckt.
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