Die guten alten Accept in Topform! (2011)

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Autor: Urban Bolta
Fotos: Urban Bolta

Ort: Arena / Wien / Österreich
Konzertdatum: 31.01.2011
Besucherzahl: 800
Kartenpreis: 32€

Wenn eine so legendäre Band wie Accept ihre erste richtige Europa-Tournee seit anderthalb Jahrzehnten antritt, ist das ohne jeden Zweifel ein großes Ereignis. Accept sind die traditionsreichste aller Bands der deutschen Heavy-Metal-Schule, die Mitte der Achtziger einen gewaltigen Aufschwung erlebte und zahlreichen neuen Bands das Leben einhauchte, die bis heute die europäische Heavy- und Power-Metal-Szene mitprägen. Doch während die Karrieren von Bands wie Helloween, Rage oder Running Wild noch in den Kinderschuhen steckten, verkauften Accept bereits millionenfach — im Heimatland wie auch jenseits des Atlantiks. Durch ihre Wegbereiterrolle für den deutschen und europäischen Heavy Metal und ihren innovativen Sound haben sich Accept über die Jahre den Ruf lebender Legenden erarbeitet.

Accept sind auf der aktuellen Tournee unterwegs zur Unterstützung des letztes Jahr erschienenen Albums „Blood of the Nations“ (Rezension hier), das bewiesen hat, dass auch alte Haudegen die Konkurrenz noch immer stilvoll vom Platz fegen können. Am Ruder steht TT-Quick-Frontmann Mark Tornillo, da Bandikone und charismatischer Onkel Udo Dirkschneider kein Teil der Reunion-Besetzung sein wollte. Die genauen Gründe für Dirkschneiders Schritt bleiben im Dunkeln; die offizielle Erklärung lautet, dass die einstige Bandikone nach einer zwanzigjährigen Karriere mit U.D.O. seine eigene Band nicht auf das Abstellgleis schieben wollte — ich persönlich vermute jedoch, dass der Grund in Udos taktischem Kalkül liegt, da er sich mit einem möglichen gescheiterten Comeback seiner Stammband nicht die Finger verbrennen wollte.

Für slowenische Bandfans bietet die aktuelle Accept-Tournee gleich mehrere Termine: Unter anderem haben sie in Mailand, Budapest, München und Zlín gespielt (oder werden es noch tun). Ich selbst entschied mich für einen Sprung in die Wiener Arena, wohin ich gemeinsam mit drei kroatischen Hardrocking-Veteranen aufbrach.

Bevor Accept die Bühne betraten, ernteten Steelwing ihre fünf Minuten Ruhm — wieder eine in der langen Reihe schwedischer Heavy-Metal-Revivalisten, die in diesem skandinavischen Land wie Pilze aus dem Boden schießen. Offenbar stehen sie bei ihrem Hauptlabel gut da, denn nach nur einem erschienenen Longplayer treten die Schweden in kurzer Zeit (nach Blind Guardian) bereits zum zweiten Mal als Vorband auf einer Tour einer der großen Metal-Bands auf. Steelwing pflegen einen melodischen Heavy-Metal-Stil, wobei der galoppierende Rhythmus und die Riff-Anlage allzu sehr an die Maiden-„Piece of Mind“-Ära erinnern. Vokal überzeugte Frontmann Riley hervorragend: Anders als Dickinson erreicht er sogar die höchsten „Halford-Linien“, wenn auch bei weitem nicht mit derselben Intensität und Charisma. Sollten die Jungs ihren musikalischen Stil künftig weiter verfeinern und mehr eigene Identität in ihren Sound einbringen, werden wir von Steelwing sicher noch hören.

Accept verwöhnten die gut, aber nicht ausverkaufte Arena mit dem neuesten Material: Teutonic Terror und Bucket Full of Hate dienten als Eröffnungsgruß, bevor Mark Tornillo Udos Stiefel anzog und mit Starlight einen Abend voller klassischer Accept-Hymnen einläutete. Tornillo muss sich seit der Bekanntgabe seiner vollwertigen Bandmitgliedschaft mit den skeptischen Blicken eingefleischter Udo-Fans herumschlagen — doch sein bestes Mittel ist der Angriff! Tornillo bewies sich als außerordentlich charismatischer Frontmann mit einem angeborenen Gespür für den Konzertfluss. Der Mann ist mit Mitte fünfzig noch immer eine wahre Fabrik dreckiger Schreie, die auch nach intensiven zwei Stunden Bühnenzeit nicht nachlässt. Warum auch, die Kehle macht ihm keine großen Probleme — und Accept haben sich nie durch vokale Höchstleistungen ausgezeichnet; sie suchten einen Sänger mit einer rohen Linie, die bei Tornillo nicht versagt. Er stürzte sich mit kompromissloser Entschlossenheit auf volksnahe Klassiker wie Neon Nights oder Metal Heart und interpretierte sie vokal mit einem Hauch eigener Note, ohne zwanghaft auf das Erbe seines Vorgängers zu schielen. Seine charismatische Bühnenpräsenz tat ihr Übriges — sie wickelt den Zuschauer um den Finger, überzeugt ihn von ihrer Berechtigung und lässt ihn am Ende noch lange im Rausch der Begeisterung zurück. Ja, Mark Tornillo ist genau der Mann, den Accept gesucht haben!

Begeistert hat das Gitarrenduo Wolf Hoffmann/Herman Frank, das in der ersten Hälfte der Achtziger zwar nur zwei Alben gemeinsam einspielte, dessen Riff-Intelligenz auf diesen Scheiben sich aber mühelos mit dem Duo Downing/Tipton (Judas Priest) messen lässt. Gemeinsam mit Bassist Peter Baltes war das Gitarren-Trio das Zentrum des Bühnengeschehens — in den instrumentalen Passagen rückten sie zusammen, Schulter an Schulter, und legten uns die Riffs in die Ohren. Die zentrale Gitarrenfigur war natürlich Hoffmann, der sich mit energischem und leidenschaftlichem Ansatz sowohl den Brecherblöcken Restless and Wild und Losers and Winners als auch dem etwas langsameren Princess of the Dawn widmete, garniert mit raffinierten Soli über Franks Rhythmusgitarre. Das Publikum schluckte Song für Song mit offenem Mund, altbekannte Nummern wie neue Schätzchen gleichermaßen. Den schönsten Beweis für die gute Aufnahme des „Blood of the Nations“-Albums beim Zielpublikum lieferte Pandemic — ein Sturm-und-Drang-Song, den Accept mutig ins Encore einbauten, zwischen speed-metalligem Fast as a Shark und Balls to the Wall, bei dessen Aufführung die Arena beinahe aus den Nähten platzte.

Das gespielte Repertoire stellten die legendären Deutschen als „Best of“ ihrer Karriere zusammen — die starke Präsenz von Klassikern aus „Restless and Wild“ (1982), „Balls to the Wall“ (1983) und „Metal Heart“ (1985) überrascht deshalb kein bisschen. Angesichts der laaaangen Abwesenheit der Band von der Bühne (abgesehen von der kurzen Festival-Tour 2005) ist die Setlist völlig erwartbar und mehr als willkommen. Ich persönlich freute mich besonders über Midnight Mover, das sie regelmäßig mit Ahead of the Pack/London Leatherboys oder sogar Slaves To Metal rotieren. Bei etwaigen weiteren Tourneen sollten Accept jedoch auch das eine oder andere seltener gespielte, schon angestaubte Juwel einbauen, damit ein Konzertbesuch für treue Fans nicht zur vorhersehbaren Routine erstarrt.

Accept funktionieren im Jahr 2011 wie eine gut geölte und eingespielte Maschine! Das gut zweistündige Set ohne überflüssige Solo-Einlagen oder Ansprachen hat den „Helloween-Kloß“ in meinem Hals aufgelöst, der sich nach den jüngsten Konzerten der Bande in Zagreb und Ljubljana angesammelt hatte. Ihren Teil dazu beigetragen haben auch die Tontechniker, die aus der sprichwörtlich unakustischen Arena das Maximum herausholten und aus dem Sound ein regelrechtes Wunder machten — die Gitarren waren klar voneinander getrennt, das Erlebnis dadurch umso schöner. Accept als neu-alte Konzertatttraktion atmen also wieder mit vollen Lungen! Man sieht sich in ein paar Tagen in München!

Fotos: Zlatko „Lawless“ Vlašić

Setliste

ACCEPT: 1. Teutonic Terror 2. Bucket Full of Hate 3. Starlight 4. Love Child 5. Breaker 6. New World Comin‘ 7. Restless and Wild 8. Son of a Bitch 9. Midnight Mover 10. Metal Heart 11. Neon Nights 12. Bulletproof 13. Losers and Winners 14. Aiming High 15. Princess of the Dawn 16. Up to the Limit 17. No Shelter 18. Burning —————– 19. Fast as a Shark 20. Pandemic 21. Balls to the Wall STEELWING: 1. The Illusion 2. Headhunter 3. The Nightwatcher 4. Stone Of Allusion 5. Sentinel Hill 6. Clash of the Two Tribes 7. Roadkill (…Or Be Killed)

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