DGM: Tragic Separation
Label: Frontiers Music Srl.
Erscheinungsdatum: 9. 10. 2020
Produktion: Simone Mularoni
Albumlänge: 55.50 min
Genre: Progressive Metal
Bewertung: 9.0/10
DGM sind italienische Progressive-Metal-Musiker – heute ein Relikt der lebhaften Progressive-Metal-Bewegung –, die um die Jahrtausendwende aufblühte und bis 2010 allmählich zu verblassen begann. Zu dieser Bewegung zählen wir die erste Generation von Bands, die sich stark von Dream Theater inspirieren ließen. DGM sind nicht von gestern. Mit dem neuen »Tragic Separation« haben sie bereits zehn Studioalben im Gepäck. Sie sind nämlich seit 1994 aktiv. Was bei der DGM-Geschichte besonders amüsiert: In der Band ist kein einziges Gründungsmitglied mehr übrig, und der seltsame Bandname ist eigentlich ein Akronym, das aus den Namen der drei ehemaligen Gründer zusammengesetzt wurde (Diego, Gianfranco, Maurizio).
DGM bekamen besonders durch den Einstieg von Gitarrist Simone Mularoni im Jahr 2006 ordentlich Aufwind – er hat sich nach und nach zum Hauptkomponisten der Band entwickelt. Das Vorgängeralbum »The Passage« (2016) galt bei seinem Erscheinen als das reifste Werk der Karriere und als Spitzenalbum, auf dem DGM eine perfekte Mischung aus Musikalität, Wucht und technischer Komplexität eingefangen haben. In dieser Hinsicht war die längere Pause zwischen »The Passage« und dem neuen Album »Tragic Separation« mehr als willkommen, denn die Band stand vor der ernsthaften und kaum zu überwindenden Herausforderung, die kompositorische Reichweite zu halten oder sogar auszubauen. In diesem Zeitraum sammelten sich zahlreiche neue Ideen an, und die Band hat es trotz der unglücklichen Verkettung von Umständen, die Musikern Anfang dieses Jahres die Pläne verhagelt hat, offensichtlich geschafft, diesen hochkreativen Moment festzuhalten und auf das neue Album zu übertragen. Damit hatten DGM im vergangenen Jahr begonnen.
Der eigentliche Hauptmotor, also Gitarrist Simone Mularoni, hat auch diesmal wieder die perfekte Grundlage geschaffen, auf der das neue Studioalbum der Band gewachsen ist. Das Team kennt sich bestens, hat reichlich Live-Erfahrung im Gepäck, und ist ein Sextett, das mit dem überzeugenden Gesangseinsatz von Marco Basile (abgesehen vom »unglücklichen« Akzent beim Singen auf Englisch) in allen Belangen des Komponierens und der Ideenumsetzung eine brillant geölte Maschine ist – eine, die wieder Fans von Symphony X ansprechen wird und an einzelnen Stellen des Albums auch Pagan’s Mind-Freunde. Dass alle Mitglieder große Fans von Dream Theater sind, muss man eigentlich nicht extra betonen; im Gegensatz zu den eben genannten Größen des Progressive-Metal-Genres halten sie aber brav an der Priorität fest, Musikalität und kompaktes Songwriting über die Fragmentierung von Kompositionen zu stellen. In Letzteres verfällt der Progressive Metal nämlich recht gerne und schnell. Bei der logischen künstlerischen Anbindung ans hervorragende Vorgängerwerk »The Passage« schulden DGM in Sachen musikalischer Einflüsse den größten Dank Symphony X – kein Wunder also, dass es in der Vergangenheit gemeinsame Touren gab oder dass M. Romeo auf einem der Tracks des Albums The Passage zu Gast war.
Das Songwriting ist dabei außerordentlich markant und vereint erneut in perfekter Balance Elemente musikalischer Eingängigkeit (die Ultra-Singbarkeit der Refrains), durchdringender Wucht und dem richtigen Schuss technischer Komplexität. Das Album besitzt einen ausgesprochen harmonischen und stimmigen Dialog dieser drei Kompositions-Bausteine, verkörpert durch: eingängige und handwerklich herausragende Gitarren-Riffs, erstklassige, ultrasonische und atemraubende Gitarrensoli, bei denen Mularoni keinen einzigen Moment an Feuer in den Fingern verliert, brillant platzierte Keyboard-Arrangements, die »orchestral« wirken, einen im Arrangement verankerten neoklassischen Charakter (z.B. das Streicher-Intro im Titeltrack), der das Ganze noch »italienischer« klingen lässt, das schon sprichwörtliche Zerhacken von Rhythmen – und über allem thront der bereits erwähnte explosive Gesangscharakter.
Mit »Tragic Separation« haben DGM einmal mehr vollblütig die gesamte künstlerische Weisheit und Reife ausgeschöpft, die das Vorgängerwerk verkörpert, und die hohe Qualität der musikalischen Substanz von »The Passage« zumindest gehalten. Dazu kommt eine brillante Produktion, die gierig Klangkontraste und -nuancen hervorhebt, für die Prägnanz des ständigen Wechsels dynamischer Stimmungslagen sorgt und bei aller inhaltlichen Beweglichkeit und spielerischen Witzigkeit durchgehend ein hochattraktives Hörerlebnis bietet. Mehr muss man sich als Fan von DGM und des Progressive-Metal-Genres – in seinem klassischen (Ur-)Kern – eigentlich nicht wünschen. Arbeit mit Auszeichnung erledigt und wieder einmal ein mit reifer Detailgenauigkeit ausgearbeitetes Album, das zur Spitze des bisherigen Schaffens der Band gehört.
Autor: Aleš Podbrežnik
Trackliste:
1. Flesh And Blood (7:35)
2. Surrender (5:40)
3. Fate (5:47)
4. Hope (5:26)
5. Tragic Separation (7:38)
6. Stranded (5:36)
7. Land Of Sorrow (5:05)
8. Silence (5:55)
9. Turn Back Time (5:45)
10. Curtain (2:20)
Besetzung:
Marco Basile – Gesang
Simone Mularoni – Gitarre
Emanuele Casali – Keyboards
Andrea Arcangeli – Bassgitarre
Fabio Costantino – Schlagzeug
