Der italienische Gitarrist Matt Filippini ganz groß über sein Baby Moonstone Project und die Arbeit mit Legenden

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Interview-Datum: 07.02.2007

Der ehrgeizige italienische Gitarrist Mateo „Matt“ Filippini, der im vergangenen Jahr sein Solo-Studiodebüt Moonstone Project mit dem Titel „Time To Take a Stand“ veröffentlicht hat (RockLine-Review HIER), ist bekannt für die Zusammenarbeit mit zahlreichen klangvollen Namen der Rockmusik, die in den Siebzigern den „Rock“ mitgeprägt haben und deren Beiträge man auch auf Filippinis erwähntem Album findet.  Im Februar 2007 stand der Kerl gemeinsam mit dem legendären Drummer Ian Paice (Deep Purple) auf der Bühne – den Konzertbericht aus Treviso (Italien) gibt’s HIER. Darauf folgte eine Italien-Tour mit House Of Lords, und dieser Tage bereitet er sich auf eine weitere Tour vor, bei der er bei seinen Konzerten noch einen „Purpleman“ zu Gast haben wird,  den großen Glenn Hughes. 

RockLine: Hi Matt, wie geht’s dir?
Matt: „Bestens, Aleš! Schön, einen Freund in Slowenien zu haben. 2003 war ich in Ljubljana, es hat mir dort richtig gut gefallen.“

RockLine: Du musst gerade zu 100% im Arbeitsmodus sein. Schreibst du ein neues Album, spielst du ständig Konzerte?
Matt: „Stimmt. Im Moment hab ich bis über beide Ohren zu tun, aber ich freue mich auf alles, was kommt. Eigentlich war es keine richtige Tour mit Ian Paice, sondern nur eine Handvoll von fünf Konzerten. Danach kamen Ende Februar 7 Konzerte, bei denen wir für House Of Lords eröffnet haben. Jetzt, Mitte Mai, ist Glenn Hughes bei den Konzerten meiner Band Moonstone Project dabei. Den Rest des Jahres widme ich dem neuen Moonstone-Project-Album, dem zweiten. Ich würde unter anderem sehr gern auch in anderen Ländern auftreten und nicht nur in Italien.“

RockLine: In deiner Musik findet man Wurzeln im klassischen Heavy/Hard Rock, mit spürbaren Blues-Einflüssen auf Schritt und Tritt. Welche sind die größten musikalischen Einflüsse, durch die du deinen eigenen Ausdruck und deinen Zugang zur Musik als Musiker geformt hast?
Matt: „Blues ist alles, was ich mache! Ich bin kein moderner Rockgitarrist, meine Inspiration hole ich mir von Gitarristen wie Paul Kossoff, Jimmy Page, Jimi Hendrix…. Ich bin mit klassischem 60er/70er-Hard-Rock aufgewachsen, mit Bands wie Free und Led Zeppelin. Genauso komponiere ich auch, inspiriert vom britischen bluesigen Hard Rock!“

RockLine: Wo beginnt dein musikalischer Weg?
Matt: „Ich habe in vielen lokalen Bands gespielt, aber mit keiner davon gab es den entscheidenden Durchbruch. Studiogitarrist war ich nie, dafür bin ich nicht gut genug, he, he, he! Ich habe immer nach ernsthaften Leuten für ernsthafte Bands gesucht, aber mit der Zeit merkst du, dass du es in 99% der Fälle mit Idioten zu tun hast…. Also habe ich angefangen, ernsthaft über eine Solokarriere nachzudenken, und so ist Moonstone Project entstanden.“

RockLine: Welches Equipment spielst du?
Matt: „An Gitarren hauptsächlich Fender Stratocaster und als Verstärker Mashall JCM 800. Ich liebe meine „Strats“, die sind wie für mich gemacht. Daneben spiele ich auch handgebaute Gitarren der italienischen Firma Jim Reed, die ich auch offiziell vertrete.“

RockLine: Dein Gitarrist Nr. 1?
Matt: „Ohne Zweifel Hendrix! Er hat alles angefangen!“

RockLine: Matt, du gehörst bestimmt zu den wenigen Glückspilzen, die die Chance hatten, musikalisch mit den ganz großen Namen des Rock zusammenzuarbeiten, wie Ian Paice, Eric Bloom, Steve Walsh, Glenn Hughes, Graham Bonnet, Kelly Keeling, James Christian, Carmine Appice und Paul Shortino. Sie alle haben auf dem Moonstone-Project-Debüt ihren Teil beigetragen. Hat es dich viel Mühe gekostet, sie alle „zusammenzutrommeln“?
Matt: „Ja! Es war eine Menge Arbeit nötig! Finanzielle und körperliche Anstrengung. Ich bin kein reicher Mann, und Musik ist nicht das Einzige, wovon ich lebe. All die Jungs, die du oben aufgezählt hast, weißt du… denen reicht es nicht, dass ihnen das Material gefällt, das du ihnen anbietest, sie wollen auch Geld für ihre Arbeit. Um all das muss ich mich allein kümmern. Aber ich bereue es auf keinen Fall. Ganz im Gegenteil! Ich bin glücklich und fühle mich geehrt für das, was auf meinem ersten Moonstone-Project-Album „Time To Take A Stand“ zusammengekommen ist, das Label Majestic Records mal ausgenommen, das war der einzige Fehler, den ich gemacht habe, als ich mich für die Zusammenarbeit mit denen entschieden habe. Du bist der Erste, dem ich das überhaupt erzähle. Labels sind Scheiße! Wir Künstler rackern uns bei jedem Album wie die Irren ab, und bei den Labels sitzt ein Häufchen völlig desinteressierter Idioten. Sollen sie zur Hölle fahren!“

RockLine: Erzähl uns mehr über Moonstone Project, was war der Hauptzweck des Projekts?
Matt: „Dieses Werk behandle ich, als wäre es mein Sohn! Ich liebe es. Der Hauptgrund und -zweck, warum ich es angegangen bin, war, dass ich so völlig eigenständig und ohne Druck arbeiten und kreieren konnte. Der zweite, vielleicht künstlerische Zweck dieses Werks ist die Wiedervereinigung von Paice und Hughes nach fast 30 Jahren!“

RockLine: Für dich als Regisseur und Schöpfer, besser gesagt als Leiter dieses Projekts, war es bestimmt nicht leicht, all diese starken Egos im Studio zu bändigen. Hast du vielleicht eine besondere angeborene Gabe als erfolgreicher Anführer?
Matt: „Ich bin jemand mit einem starken Ego, wenn ich das will. Aber ich kann dir versichern, dass die Arbeit mit all diesen Jungs ein außerordentliches Vergnügen war, es war fantastisch. Alle haben sich dem Ziel des Projekts untergeordnet, nicht der Befriedigung ihrer Egos. Und das ist der Punkt! Alle sind absolut professionell an die Sache rangegangen. Die schwierigste Arbeit von allem war die Koordination der Aufnahmen des Materials im Studio selbst.“

RockLine: Du hattest offensichtlich eine ganz klare Vision, was du mit Moonstone Project erreichen willst?
Matt: „Du weißt nie, was du von einem Album erwarten kannst. Manchmal schreibe ich einen Song, nehme in meinem Heimstudio ein Demo auf, aber das Endergebnis ist meistens ein ganz anderes. Bei Moonstone Project ist es zum Beispiel passiert, dass einige Gastmusiker veränderte Texte einzelner Songs zurückgeschickt haben, und auch veränderte Melodien. Das war richtig lästig. Beides ist nämlich das Blut der Musik, und es ist nicht klug, es mit anderem Blut zu mischen!“

RockLine: Woher hattest du die Inspiration für den Albumtitel „Time To Take A Stand“?
Matt: „Starker Titel, oder? Wirklich stark. Mein Co-Produzent Max hat ihn mir vorgeschlagen. Eines Nachts, als wir im Studio gearbeitet haben. Ich fand den Vorschlag sehr gut.“

RockLine: Auf dem Cover von „Time To Take A Stand“ ist ein indianischer Talisman oder eine Art Kristallkugel abgebildet. Haben deine musikalischen Aspekte auch einen spirituellen Hintergrund?
Matt: „Das Cover gefällt mir sehr. Es wirkt geheimnisvoll! Ansonsten bin ich persönlich wirklich mit Spiritualität verbunden… Ich weiß, dass jeder von uns mit einer besonderen, nur für ihn bestimmten Aufgabe hier ist und dass uns Rollen zugeteilt sind. Was meine Persönlichkeit angeht: Ich versuche, ein guter Mensch zu sein, anderen Menschen und der Natur Respekt entgegenzubringen und mein musikalisches Geschenk zu nähren. Einmal hat mir ein Typ gesagt, dass er glücklich war, weil er meine Songs hören konnte… Das ist wunderbar, also trage ich eine Gabe in mir. Und jeden Tag versuche ich, ein noch besserer Mensch zu werden.“

RockLine: Wer ist Ian Paice für dich? Habt ihr zwei schon früher mal zusammengespielt?
Matt: „Ich hab Ian lieb. Er ist wie mein zweiter Vater! Er ist eine Rocklegende, aber eine so, so bescheidene Persönlichkeit. Wir sind absolut ehrlich zueinander. Wir sagen uns immer alles, auch die schlechten Dinge. Ehrlichkeit ist der Schlüssel. Auch wenn das Musikbusiness ein Haufen Mist ist, trifft man ab und zu auf einen „Paicey“. In den letzten Jahren haben wir bei einigen Konzerten zusammengespielt. Jeder Auftritt mit ihm ist eine völlig neue Geschichte. Manchmal juckt es uns richtig, eine „Jam“ zu spielen, und dann spüre ich die Magie zwischen uns. Wir sind keine perfekte Band! Wir proben nicht, wir stehen einfach auf der Bühne, und die Leute spüren uns und haben Spaß. Stimmt, ab und zu spielen wir auch mal ein schlechtes Konzert, aber das Ganze hat immer mit jeder Menge Spaß zu tun!“

RockLine: In die Matt Filippini Band, die im Februar dieses Jahres mit Ian Paice auf Tour war, hast du zwei hervorragende italienische Sänger geholt. Der erste ist Roberto Tiranti von der Prog-Metal-Band Labyrinth, der zweite, der auch Keyboard spielt, ist Alessandro Del Vecchio von Edge Of Forever. Warum hast du dich für zwei Leadsänger in der Besetzung entschieden?
Matt: „Roberto & Alessandro sind zwei gute Freunde von mir, ich hab sie wirklich gern! Keine Ahnung, es hat sich einfach so ergeben, dass ich beide in der Band habe. Ich finde, ihre Stimmen ergänzen sich wunderbar. Robertos Stimme ist höher und klarer, Alessandros ist eher „bluesy“. Es ist ein Vergnügen, mit den beiden zu arbeiten!“

RockLine: Bei den Konzerten mit Ian Paice habt ihr keine Moonstone-Project-Songs gespielt. Warum?
Matt: „Normalerweise spielen wir mit Paicey keine Moonstone-Songs. Er kann sie sich schwerer merken, manchmal fällt ihm nicht mal ein Deep-Purple-Song ein. Moonstone-Songs spielen wir mit Glenn Hughes aber definitiv.“

RockLine: Und dein Bassist?
Matt: „Nik Mazzuconi, einer der besten Bassisten Italiens. Ian Paice mag ihn wahnsinnig gern, die beiden schmettern oft ein Wechselsolo zwischen Drums und Bass raus, wenn sie zusammen auf der Bühne stehen!“

RockLine: Und wer hat die Drums gespielt, als ihr Ende Februar dieses Jahres in Italien als Moontone Project vor House Of Lords eröffnet habt?
Matt: „Die Besetzung ist praktisch gleich geblieben, nur dass Alex Mori Ian Paice ersetzt hat. Das ist ein junger, talentierter Drummer, der auf dem Album „Time To Take A Stand“ bei 5 Songs getrommelt hat. Auf der Tour mit House Of Lords haben wir sieben Songs von diesem Album gespielt, die Setlist haben wir für jeden Abend angepasst. Die Songs haben wir oft mit ausgedehnten Soli aufgepeppt, das hat irre Spaß gemacht!“

RockLine: Wie seid ihr zwei, du und Glenn Hughes, eigentlich zusammengekommen, dass er bei der Mai-Tour dieses Jahres dabei ist?
Matt: „Wow, ich freue mich echt riesig auf die kommenden Auftritte mit ihm. Glenn hat auf dem Moonstone-Project-Debüt bei zwei Songs den Leadgesang beigesteuert. Dann haben wir bei irgendeiner Gelegenheit darüber gesprochen, vielleicht mal ein Konzert zusammen zu spielen, wenn Hughes eben etwas Zeit hat. Und genau das passiert jetzt.“

RockLine: Wird Glenn Hughes den ganzen Moonstone-Project-Auftritt singen oder nur als Special Guest im Laufe des Konzerts für einzelne Songs auftauchen?
Matt: „Glenn wird etwa eine Stunde lang mit uns auftreten.“

RockLine: Können wir bei dieser Gelegenheit Coverversionen von Trapeze, Black Sabbath und Deep Purple Mk. III erwarten?
Matt: „Ja. Viel Deep Purple und etwas Trapeze, und natürlich etwas von Moonstone. Wir suchen auch noch nach einer Möglichkeit, ein komplett akustisches Konzert zu spielen. Diese Konzerte werden besonders, entspannend….“

RockLine: Währenddessen schreitet auch die Arbeit an deinem neuen Moonstone-Project-Studioalbum voran. Erzähl uns mehr darüber. Zeichnen sich im Vergleich zum Debüt neue musikalische Richtungen ab?
Matt: „Wir haben schon 6 komplett neue Songs… und alle treten Arsch!!! Richtig leidenschaftliche Songs, genau in der gleichen bluesigen Manier wie das Debüt, aber mit einem klarer spürbaren Gefühl, dass diesmal eine Band als Einheit auf der Platte spielt. Natürlich wird es wieder ein paar Gäste auf dem Album geben, aber um dieses Gefühl der „Band als Einheit“ zu erreichen – also einen kohäsiveren Albumsound anzustreben – werde ich die Rolle des Leadsängers nur einem einzigen Sänger geben. Alessandro Del Vecchio wird das Album produzieren. Du kannst ein Album mit großem Rocksound erwarten!“

RockLine: Kannst du vielleicht jetzt schon ein paar Namen der Special Guests auf der neuen Platte verraten?
Matt: „Klar… bei den Drummern sind wieder Paicey dabei, dazu Clive Bunker (Jethro Tull) und Carmine Appice (Vanilla Fudge). Sehr wahrscheinlich kommt auch Ken Hensley dazu (Keyboards, ex-Uriah Heep). Frag mich aber bloß nicht nach dem Sänger. Das wird nämlich eine Überraschung.“

RockLine: Italien hat in der Vergangenheit einige hervorragende Rockmusiker hervorgebracht. Was hältst du von der aktuellen Entwicklung des Hard Rock in Italien? Wie ist der Stand heute, wie siehst du die ganze Situation?
Matt: „Besser als vor ein paar Jahren. Aber, und das ist sehr traurig, die Musiker arbeiten nicht miteinander! Es gibt viel Eifersucht unter den Einzelnen, und alle arbeiten darauf hin, den Erfolg der anderen zu verhindern. Wie schade. Na ja, ist mir egal. Ich habe Freunde im Musikgeschäft, und alle von ihnen sind besondere Menschen. Keiner von ihnen ist ein „Arsch“!“

RockLine: Hast du schon mal mit Namen wie den Gitarristen Dario Mollo oder Aldo Giuntini zusammengearbeitet?
Matt: „Mit den beiden habe ich nie zusammengearbeitet. Beide sind hervorragende Musiker, aber ich kenne sie persönlich nicht.“

RockLine: Gibt es in deiner Musikkarriere noch ein Ziel, das du gern erreichen würdest?
Matt: „Natürlich. Es gibt viele Dinge, die ich noch ausprobieren und erleben will. Mindestens noch drei oder vier Studioalben und eine Live-DVD sind geplant. Ich wünsche mir viele Konzerte. Mein Traum? Irgendwann gleichzeitig mit Glenn Hughes und Ian Paicey auf der Bühne zu stehen. Sag niemals nie.“

RockLine: Du hattest auch eventuelle Konzerte in Slowenien geplant. Warum ist es dazu nicht gekommen?
Matt: „Ich sterbe vor Sehnsucht danach, in eurem wunderschönen Land spielen zu können. Das Problem war, dass ich Ian Paice (für die Februar-Tour) und Glenn Hughes (für die Mai-Tour) in die Band geholt habe, die teuer sind, und in solchen Fällen sagen die Promoter eben manchmal „nein“. Aber eines Tages werde ich auch in Slowenien auftreten. Da kannst du dir sicher sein.“

RockLine: Matt, zum Schluss möchte ich mich aufrichtig bei dir bedanken, für deine wertvolle Zeit und die ausführlichen Antworten. Es war mir eine Ehre. Ich wünsche dir auch viel Glück und vor allem viel Energie, mit der du all deine Ziele erreichst. Möchtest du zum Abschluss des Interviews vielleicht noch etwas hinzufügen?
Matt: „Danke für das schöne Interview. Tolle Fragen, Junge! Du hast recht. Ich brauche noch mehr Energie, denn es wartet noch jede Menge aufregende Arbeit auf mich. Keep on rocking Slovenia!“

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