Der Abschied des Herrn Jocot (2010)

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Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 15.12.2010
Besucherzahl: 50
Eintritt: 4,00€

Auf zum Thrashfest im Mediapark! Ah, keine Chance. Zu teuer. Gehen wir lieber ins Orto bar auf etwas modernere Musik. Warum? Na, um der slowenischen Szene unsere Unterstützung zu zeigen und ein letztes Mal mit Jocot zu feiern – dem nunmehr ehemaligen Gitarristen der Metalcore-Gruppe The Language Of Thought Hypothesis und den Jungs aus dem Prekmurje, Before The Murder.

Da das Konzert ziemlich früh anfing und draußen die gemeine Kälte wütete, waren wir gezwungen, das überflüssige Gepäck (den edlen Alkohol) draußen zu lassen und reinzugehen. Kurz nach unserer Ankunft in der Halle war schon das Intro zu hören, und die Jungs aus Lendava stiegen gemächlich auf die Bühne. Der Anfang der Show war alles andere als innovativ. Das Rumgehüpfe und das Laufen auf der Stelle war ziemlich offensichtlich von den kanadischen Despised Icon und so manchem anderen Band abgeschaut. Aber das kann man ihnen nicht vorwerfen. Sie sind jung und legen großen Wert auf den Auftritt und den Trend. Man muss auch sagen, dass ihre Performance einfach faszinierend anzuschauen ist. Wer in Slowenien hätte denn sonst noch die Eier, sowas zu machen? Niemand! Alle kritisieren nur, aber keiner macht was. Kurzum… den Jungs gebührt hier unser Respekt. Was aber noch interessanter ist als das Rumgehüpfe und der Sprint auf der Bühne, ist die Stimme ihres Sängers, der gerade mal 15 Jahre alt ist. Der kleine Gregor, der eigentlich gar nicht mehr so klein ist, gab alles. Den Scream, der einem tief in die Ohren geht und die Trommelfelle durchdringt, hörte man noch unten am Fuß der Treppe im Orto bar. Der Growl war zwar nicht ganz so überzeugend, wurde aber trotzdem gut aufgenommen. Man könnte sagen, dass sein musikalisches Idol Scott Lewis ist, der Sänger der amerikanischen Deathcore-Kombo Carnifex. Aber vielleicht liegen wir auch falsch. Der Punkt ist: Er hat sich super geschlagen und sich von seiner besten Seite gezeigt. Auch die anderen Bandmitglieder darf man nicht außer Acht lassen – sie haben ebenfalls alles gegeben, was sie konnten. Sven und Andi haben an den Gitarren schöne Sounds erzeugt, die sich vielleicht nicht ganz optimal angehört haben. Aber das ist das Akustik-Problem im Orto. Nichts ist perfekt. Jure ist eine Bestie am Bass – genauso wie am Mikro bei Vulvathrone. Respekt! Benjamin ist nicht gerade der beste Drummer, aber auch nicht der schlechteste. Da er aber noch jung ist, hat er noch viel Zeit vor sich – und auch noch viele Proben. Kurzum… die Jungs haben ihr gesamtes bzw. den Großteil ihres Materials gespielt und wie es schon zur Gewohnheit geworden ist, beendeten sie das Konzert mit einer Cover-Version von The Bad Touch der amerikanischen Alternative-Rocker Bloodhound Gang. Jungs! Keep It Brutal!

In der Pause gönnten wir uns ein Bier oder zwei, um die Batterien aufzuladen für die nächste Band – die gleichzeitig auch die letzte war. Das waren natürlich LOTH.

So schnell wie die Zeit verging, so schnell kamen auch die LOTH-Jungs auf die Bühne. Eine Verzögerung von einem Song ist keine allzu große Sünde. Beim Betreten des musikalischen Epizentrums des Abends waren die melodischen Gitarrenriffs von Jocot und Corey zu hören. Wie bereits erwähnt, war das Jocots letztes Konzert mit den LOTHs, und es bedurfte jeder Menge zusätzlichem Einsatz, damit der Abend nach Plan läuft. Der allseits bekannte Dejan bzw. Nixon, wie ihn manche kennen, war der auffälligste Punkt des Konzerts. Ist ja auch schwer, ihn zu übersehen. Der Typ ist fast 2 Meter groß – oder auch ohne das „fast“. Was ist daran falsch? Nichts. Wichtig ist, dass er alles gegeben hat und dass das Publikum Spaß hatte. Die Witze zwischen den Songs/Pausen haben vielleicht nicht jeden zum Lachen gebracht, aber Absicht und Auftritt zählen. Damit Dejan aber nicht den ganzen Ruhm abbekommt, war da noch der immer hyperaktive Corey, der neben dem Ruhm auch den Großteil der weiblichen Blicke erntete. Schließlich sieht er aus wie ein moderner bzw. metalcore-mäßiger Mick Mars, der Gitarrist der legendären Glam-Rocker Mötley Crüe. Aber egal wie sehr Corey der Charmeur sein mag – dieser Abend gehörte nicht ihm, sondern Jocot. Wie es sich gehört, hat er irgendwo in der Mitte des Konzerts auch ein Geschenk bekommen, das ihn an all die schönen Erinnerungen erinnern wird. But show must go on!, würden die Leute sagen. Und so war es auch. Die Jungs haben den Rest des Konzerts mit Qualität und Nachdruck durchgezogen. Lobenswert. Wie BTM ihre Gewohnheiten haben, haben das auch LOTH. Das Konzert, wie jedes bisher, beendeten sie mit dem Song G-Unit Crew For Life.

Und so fanden beide Konzerte ihr Ende. Es war einen Besuch wert. Da die slowenische Core-Szene nicht gerade in der besten Entwicklungsphase steckt, kann man sagen, dass sich die einzelnen Bands wirklich reinhängen – und es würde sich gehören, ihnen jede Unterstützung zu geben, die wir aufbringen können. Let’s keep it metal, let’s keep it core!

 

Fotos: Naja Zorko

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