Deklica iz stekla

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Korošec, Grega
Label: Celinka
Erschienen: 2014
Laufzeit: 41:12
Bewertung: 4.5/5

Grega Korošec ist noch einer jener verborgenen slowenischen Musikzauberer, die mit stiller Schaffigkeit, gewissenhaft und engagiert  in ihrem versteckten Winkel kreieren. In der Einsamkeit.  Grega ist eigentlich ein ausgebuffter D.I.Y.-Magier, Komponist, Arrangeur, Multi-Instrumentalist und Produzent! Dazu ist er auch Vokalinterpret und Poet – kann man ihn also ohne Weiteres in den Kreis der slowenischen Singer-Songwriter einreihen! Alles in einem also!  Gregas Vorteil gegenüber vielen liegt darin, dass dieser unglaublich talentierte und ideell scharfsinnige Künstler ein feines Gespür für die wirkungsvolle Verschmelzung zweier grundlegender musikalischer Welten besitzt. Jener, die auf dem Schichten natürlicher Klangnuancen aufbaut – wozu wir auch Rock in seiner primordialsten Form zählen –, mit der Welt der elektronischen Musik, wo sich Grega eine breite optionale Palette an Experimentiermöglichkeiten durch das Prisma vielfältiger Ansätze der Klangmanipulation öffnet!  

Das Autoren-Debüt von Grega Korošec ist ein so aufrichtiger Abdruck wie möglich seiner inneren Wahrnehmung der universellen musikalischen Magie. Grega ist auch als Poet außerordentlich überzeugend und stark – einer, der vor den Augen des Hörers die Welt seiner Poesie und ihrer Kernbotschaften auf eindringlichste Weise zum Leben erwecken kann.  Als 2012 die fünfte Kompilations- CD des Val »Val012 – Imamo dobro glasbo« erschien, schrieb der Autor der Rezension anlässlich der Kompilations- Vorstellung des Tracks von Grega Korošec mit dem Titel Tisoč žerjavov folgendes:
»Grega Korošec bringt auf der Kompilation einen Moment angenehmer Melodiosität und eine Genre-Abweichung im Track Tisoč žerjavov. Besonders schön ist die Kombination des feinfühligen Gesangs und des Plasmas der Arrangement-Lösungen der Gitarre (achtet auf den Zusatz atmosphärischer »Loops«), was das kreative Talent dieses Musikers widerspiegelt. Die Vokal-Harmonisierung bringt ins Stück ein Element der Wiedererkennbarkeit. Es sind nicht Peter Greens Albatrosse, aber es sind Grega Korošecs Kraniche! Leichtigkeit, Entspanntheit, Abschalten. Hoffen wir auf ein abendfüllendes Studio-Debüt von Grega.«

Das war also eine frühe  Prophezeiung, die sich erfüllte und sich bald darauf im Studio-Debüt verkörperte. Der feinfühlige Künstler hat auf dem Debüt in einem farbenreichen musikalischen Konglomerat  insgesamt 11 Tracks mit geschliffener Autoren-Charisma und Eigenständigkeit aneinandergereiht, die den echten Abdruck seiner Emotionen und Leidenschaft zeichnen. Mit der Stimme kann er »laut« sein, wie im eröffnenden Bazar, oder fein weich und sehnsüchtig, was besonders in den melodiösen Momenten des Albums an die Oberfläche kommt, wie etwa im Refrain und Abschlusspart von M Latin, oder dem danach folgenden hervorragenden kabarettistisch-swingend-jazzigen  Molotov – ganz besonders aber im außerordentlich bewegenden Titeltrack des Albums. Korošec befruchtet jedoch ungeachtet der Genre-Verschmelzungen die Ideen mit dem Einsatz moderner Erkenntnisse und modern klingender Produktion, wo sich im Arrangement über das gesamte Album hinweg die organische Klangwärme stets wirkungsvoll mit Ansätzen des Programm-Samplings verständigt (das erwähnte M Latin, der Titeltrack des Albums, Monet). Der Eröffnungstrack Bazar besitzt eine Gitarrenphrase, die flüchtig – aber wirklich ganz flüchtig – an die beschleunigte Hauptgitarrenphrase des Elvis Jackson-Tracks mit dem Titel This Time erinnert. Natürlich ist sie in ein völlig anderes musikalisches Arrangement-Milieu verpackt.

Der Musiker hat jeden Track detailliert und punktuell kontrastiert. In die Grundmotivform hat er punktuell sorgfältig Programm-Loops eingebaut, mitunter sogar für Vokal-Harmonisierungen gesorgt, und auch nicht vergessen, die Atmosphäre der Tracks durch die Integration von Saxophon-Einlagen zu bereichern (Molotov). Grega  trägt in sich ein feines Gespür und großes Talent für die mehrschichtige Verschmelzung von Klangelementen zu einer prägnanten und bildhaft ausgestatteten Klanglandschaft. Gitarrenphrasen untermauert er mit Flächen synthetischer Vorhänge im Hintergrund, was die Eindringlichkeit der stimmungshaften Zustände vertieft. Den Grundrhythmen weiß er auch meisterhaft programmierte Nebenrhythmen in Form von Schlagzeugeffekten »unterzulegen« (Izvir). All das beweist, dass der Mann sich längere Zeit mit jedem Detail dieser CD beschäftigt hat! Deshalb steht alles genau an seinem Platz. Das Spielen und der Einsatz der Gitarre, der sich sorgfältig an organisch saubere Klangpastellfarben hält, spiegelt über das Album »Deklica iz stekla« hinweg auch die Zuneigung des Musikers zu freischwebenden Jazz-Formen wider. Das Album beschließt das feierliche Instrumental Birth, das über ein sanftes Aufquellen synthetischer Vorhänge und Programm-Sampling in ein weckendes Fest übergeht, untermauert von einem Loop aus Tribal-Drums. Obwohl das Kokettieren mit modischer Indie-Elektronik über das gesamte Album hinweg entschlossen präsent ist, ist gerade der Abschlusstrack jener Moment des Albums, wo dieses Prinzip den klassisch-organischen Klangansatz vollständig dominiert.

Grega Korošec hat mit dem Album »Deklica iz stekla« definitiv ein besonderes musikalisches Werk auf der Szene abgeliefert. Wie erwähnt, handelt es sich um einen echten Abdruck der großen mehrschichtigen Reife des Künstlers, seiner  flexiblen Wahrnehmung der musikalischen Magie des Universums sowie der ideellen Transformation, die in der absoluten Ausdruckssprache der Autoren-Eigenständigkeit funkelt. Es ist ein Album, das durchgehend von der typisch  ererbten slowenischen Melodik der Sehnsucht und Melancholie durchdrungen ist! Jedoch erfüllt von  Optimismus und Hoffnung. Ein Album, das nach dem Ideal des Gleichklangs des menschlichen Individuums mit der makellosen Ursprünglichkeit der Mutter Natur strebt und blickt – was in jedem Moment die inneren Dämonen schwarzer Gedanken der Hoffnungslosigkeit und Destruktion überwiegt. Grega Korošec ist so in musikalischer Hinsicht wie auch in Hinblick auf die erschöpfende und tiefe poetische Aussage bereits mit seinem Studio-Debüt in  die Reihe der scharfsinnigsten slowenischen Singer-Songwriter der dritten Generation eingetreten. In ihm spiegelt sich ein außerordentliches kreatives Potenzial wider, das in der Autoren-Vision ein Element höchst anziehender musikalischer Überraschung weckt. 

Besetzung

Grega Korošec – Vocals, Backing Vocals, Gitarre, Bassgitarre, Klavier, Synth, Effekte, Drum- und Perkussionsprogrammierung

MITWIRKENDE MUSIKER:
Andrej Križanič – Schlagzeug auf Tracks Nr. 1 und 10.
Blaž Švagan – Saxophon auf Tracks Nr. 2., 4., 7. und 8.
Leon Lukman – Bassgitarre auf Track Nr. 7. 

Produktion

Grega Korošec & Janez Križaj

Trackliste

1. Bazar
2. Monet
3. Deklica iz stekla
4. Cirkus
5. Stolp (Kako velik naj postanem?)
6. M Latin
7. Molotov
8. Napake
9. Izvir
10. Tisoč žerjavov
11. Birth 

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