Decadent Light

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Autor: Peter Podbrežnik

Künstler: Evolve IV
Label: Progrock Records
Erschienen: 2008
Laufzeit: 50:31
Wertung: 3/5

Evolve IV entstanden als gemeinsames Projekt des Gitarristen/Keyboarders Peter Matuchniak und des Sängers/Rhythmusgitarristen Michael Eager. Später stießen Paul Sheriff am Schlagzeug und Jim DeBaun am Bass dazu, und so wurde aus dem Projekt eine echte Band. Diese Zusammenarbeit, wie bei immer mehr modernen Rockbands, entstand übers Internet, nachdem sie dort nach musikalisch verwandten Seelen gesucht hatten, mit denen sie Musik schreiben und aufnehmen wollten, die gemeinsame, überwiegend progressiv-rockige Einflüsse widerspiegelt.

Klanglich vertreten Evolve IV einen modernen Zugang zum Progressive Rock, lassen dabei aber auch anderen Genres Raum, mit ihren Elementen in ihre Kompositionen einzufließen, wo immer das passend erscheint. Deshalb lässt sich Evolve IV kaum als weitere Prog-Rock-Revivalisten bezeichnen, denn sie schrecken nicht vor Einflüssen einiger moderner, kommerziell bekannter Pop-Rock-Bands zurück, die im Prog-Rock-Revival sonst keinen Platz haben. Neben dem dominanten Einfluss alter Klassiker wie Genesis, Pink Floyd, Yes, Rush, Marillion und Nektar lässt sich in ihrer Musik auch der Einfluss einiger zeitgenössischer, kommerziell nach wie vor enorm erfolgreicher Bands vernehmen, die mit Prog wenig am Hut haben – etwa Radiohead, Killers, Fountains of Wayne und Coldplay. Diese Einflüsse bleiben in der Minderheit, sodass all jene Prog-Fans keine Angst haben müssen, die mit den oben genannten Lieblingen moderner Radiosender nichts anfangen können. Matuchniak und Eager kommen von verschiedenen Seiten des Atlantiks und vermischen so ihre unterschiedlichen musikalischen Einflüsse. Peter, der aus England stammt, war in den 80ern Teil der britischen Neo-Prog-Rock-Szene als Mitglied der Bands Janysium und Mach One – und das hört man auf manchen Albumpassagen, die allen Liebhabern des Neo-Prog gefallen dürften, deutlich heraus.

„Decadent Light“ ist ihr Erstlingswerk, und so waren damit, wie bei den meisten Debütalben, keine allzu großen Erwartungen verknüpft. Beim ersten Hördurchgang hinterlässt es keinen überragenden Eindruck, doch mit der Zeit fängt es an zu wachsen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Evolve IV mit ihrem Ansatz der Genrevermischung und der Kombination aus moderner und Retro-Produktion zwar nicht zu den originellsten Art-Rock-Bands zählen, aber dennoch interessant genug sind, um all jenen musikalisch breit aufgestellten Köpfen, die sich nicht auf ein einziges Genre festlegen, jede Menge Spaß zu bereiten. „Decadent Light“ ist eine solide Mischung verschiedener Stile – von kommerziellem Pop-Rock über Prog-Rock, Sinfonik und Ambient bis hin zu Jazz, und zwischendrin findet sich sogar die eine oder andere klassische Rock-Power-Ballade. Wer Progressive Rock als Vermischung unterschiedlicher Musikgenres versteht, dürfte beim Hören kaum kalt bleiben – denn die Band beherrscht genau das auf überzeugende Weise.

Michael Eager beweist, dass er mit seiner Stimme, die für ganz unterschiedliche Klanghintergründe überzeugend taugt, ein fähiger Sänger ist. Doch noch überzeugender ist er als Gitarrist. Sein Spielstil mit reichlichem Einsatz von Funk-Passagen und Slide-Einlagen erinnert mich ein wenig an den legendären Roye Albrighton, weshalb es nicht verwundert, dass bei manchen Kompositionen deutliche Ähnlichkeiten zu Nektar herauszuhören sind. Auch Matuchniak glänzt an den Keyboards, während ihm eine solide Rhythmussektion zur Seite steht. Die Band beweist, dass es sich hier um talentierte und technisch hochkarätige Musiker handelt. Damit hat sie das Potenzial, mit der Zeit zu einem ernstzunehmenden Faktor in der modernen Prog-Szene zu werden – sobald es ihnen gelingt, ihren eigenen, unverwechselbaren Sound zu finden.

Jeder Track auf dem Album ist einen Hördurchgang wert – das zeigt, dass es sich hier keineswegs um einen schwachen Auftakt handelt, sondern um ein überzeugendes Debüt, auf dem sie ihren Sound künftig erfolgreich aufbauen können. Die überzeugendsten Stücke, die am meisten über den eklektischen Charakter ihrer Musik verraten, sind das rhythmisch ständig wechselnde „Number 16″, das jazzig gewürzte „Listen Up“, das romantische „Rolling Along“, bei dem die Marillion-Fish-Ära über den Keyboardsound mehr als deutlich durchscheint – wunderbar einfügen sich dabei auch die starken Frauenstimmen der Gastsängerin Tali Azerad –, das space-rockige „Saturday’s Gone“, bei dem sie mit Hawkwind kokettieren, das kurzweilige „Baby Come Back“, das mit Country und klassischem Rock flirtet, sowie „Voyager“, das durch seine Schlagzeugtechnik und die heavy-rockigen Gitarrenpassagen bisweilen klingt wie ein verschollener Rush-Track.

„Decadent Light“ ist ein sehr solider Auftakt für eine vielversprechende Band, von der man sich in Zukunft Fortschritte beim Entwickeln eines eigenen, wiedererkennbaren Sounds erhofft. Das ist ein Album, das in erster Linie jene Progressive-Rock-Fans begeistern sollte, die Prog vor allem als Vermischung ihres Lieblingsgenres mit anderen Musikstilen verstehen. Evolve IV schämen sich nicht, die besten Elemente moderner Pop-Bands zu nutzen, die sich ansonsten nicht durch musikalische Innovativität auszeichnen – auch das ist ihnen anzurechnen, denn es bereichert ihren Sound zusätzlich und hebt sie vom heute dominierenden Prog-Revivalismus ab. Dieses Zusammenspiel zwischen Eagers eher modernen musikalischen Einflüssen und Matuchniaks Neo-Prog-Wurzeln ist auch für ihre weitere Karriere ein gutes Zeichen. Die größte Stärke dieses Albums aber ist, dass es nach anfänglicher Zurückhaltung sehr schnell in den Ohren wächst und die zentralen Arrangements so schnell nicht aus dem Bewusstsein des Hörers verschwinden. Evolve IV sind damit auf dem besten Weg, mit der Zeit zu einer der besseren modernen Art-Rock-Bands zu werden.

Besetzung

Michael Eager – Gesang, Rhythmusgitarre
Peter Matuchniak – Gitarre, Keyboards
Jim DeBaun – Bassgitarre
Paul Sheriff – Schlagzeug

Produktion

Peter Matuchniak

Trackliste

1. Number 16
2. War
3. Listen Up
4. Judgment Day
5. Rolling Along
6. Saturday’s Gone
7. Must Have Been The Future
8. Baby Come Back
9. Voyager
10. Write
11. Goodbye

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