Death-Metal-Zermalmung mit Monstrosity!
Tampa, Florida ist das Synonym für Death Metal – dort haben Death, Morbid Angel, Obituary und Cannibal Corpse (die allerdings erst etwas später aus Buffalo nach Florida umzogen) das Genre aus der Taufe gehoben. Leider sind im Schatten der größeren und kommerziell erfolgreicheren Death-Metal-Bands zahlreiche qualitativ hochwertige Gruppen wie Nocturnus, Brutality und Monstrosity zurückgeblieben. Letztere hatte so mancher bereits völlig abgeschrieben – denn ihr letztes Album, Spiritual Apocalypse, erschien schon 2007, danach versanken sie mehr oder weniger in der Versenkung. Doch das Death-Metal-Herz des einzigen noch verbliebenen Originalmitglieds, Schlagzeuger Lee Harrison, schlägt nach wie vor kräftig – und Monstrosity meldeten sich letzten Herbst mit dem überragenden Comeback-Album The Passage of Existence aus den Toten zurück. Das hat sie zur großen Freude der Death-Metal-Puristen auch nach Ljubljana geführt!
Als Erste betraten die Varaždiner Cold Snap die Bühne – mit dem akademischen Viertel Verspätung –, die den slowenischen Bühnen keine Unbekannten sind; letztes Jahr standen sie etwa auf der Lemmy-Stage des Metaldays. Diesmal präsentierte sich das Quintett auf einer deutlich kleineren Bühne, dafür aber vor einem ähnlich dünn gesäten Publikum. Die Gründe dafür lagen wohl in der frühen Stunde und im schönen Wetter, wegen dem noch etliche Leute auf dem Hof des Orto verweilten – hinzu kommt, dass Cold Snap eine ausgesprochen veraltete Form des Metals spielen, die bei Fans von Bands wie Monstrosity noch schwerer einen Platz findet. Musikalisch sind Cold Snap irgendwo Ende der Neunziger, Anfang der Nullerjahre stecken geblieben, als Bands wie Sepultura mit Roots und dann Soulfly tiefe Stimmungen und Groove in den Metal brachten. Cold Snap absolvierten ihren Auftritt zwar souverän und energisch, doch niemand beschwerte sich darüber, dass ihre Spielzeit gegenüber dem ursprünglich geplanten Umfang deutlich gekürzt worden war.
Noch größer war die genremäßige Abweichung vom Headliner des Abends bei den britischen The Devil, die auf unseren Bühnen ebenfalls keine Unbekannten sind (auch sie haben bereits auf dem Metaldays gespielt). Das Instrumental-Quartett, das atmosphärischen Metal spielt, trat auch diesmal hinter Masken versteckt auf, die an den Venezianischen Karneval erinnern, und hüllte das Orto damit erfolgreich in den visuell eindrucksvollsten Teil des Abends. Das Lichtspiel auf der Bühne wurde nicht nur durch das visuelle Erscheinungsbild der Band bereichert, sondern vor allem durch die im Hintergrund projizierten Aufnahmen menschlicher Irrtümer und Verblendungen (Kriegsschauplätze, atomare Vernichtung, politische Propaganda), untermalt von Tonaufnahmen verschiedenster Zitate und Reden. Was ein oder zwei Songs lang noch interessant wirkte, wurde jedoch schnell langweilig und eintönig – und es spricht auch nicht gerade für The Devil, dass ihr einziges Studioalbum bis heute schon aus dem fernen Jahr 2012 stammt. Den Auftritt von The Devil bereicherte am Ende noch das Auftauchen eines in eine Kutte gehüllten Mönches mit Lasern an den Fingern, der wie der Anführer irgendeines apokalyptischen Kults wirkte – doch das ist gleichzeitig das Einprägsamste, was vom Auftritt der Band in Erinnerung blieb.
Nach zwei genremäßig völlig unpassenden Bands war es endlich so weit für das lang ersehnte Comeback der legendären Florida-Death-Metaller Monstrosity. Diese wurden leider für den Großteil ihrer Karriere als „diese Ex-Band von George ‚Corpsegrinder‘ Fisher“ abgestempelt und haben diesen Status zu Unrecht nie ganz abgeschüttelt. Vielleicht hat sie das noch mehr angespornt – denn in ihrer Karriere gibt es schlichtweg kein schwaches Studioalbum, und dass sie nach wie vor ganz genau wissen, was echter Death Metal ist, haben sie mit The Passage of Existence, einem der besten Death-Metal-Alben des Jahres 2018, bewiesen. Monstrosity begrüßten das Ljubljanaer Publikum mit einem Dreier von eben diesem Album, und die Jungs demonstrierten mit Cosmic Pandemia–Kingdom of Fire–Radiated sofort, dass sie verdammt gut klingen. Der rechte Gitarrist, dessen Namen ich leider nicht herausbekommen konnte, würde mit seinem Look – Hemd, Brille, Locken – optisch eher zu The Black Dahlia Murder als zu Monstrosity passen, doch er machte seinen Job sehr gut: Mit seiner Hilfe, und vor allem dank dem überragenden Harrison, zerfleischten Monstrosity das Publikum mit einer erlesenen Auswahl an Death-Metal-Brechern. Die Amerikaner bescherten dem knapp hundertköpfigen Publikum auch noch die Rückkehr zu Spiritual Apocalypse – noch mehr aber die Rückkehr in die Vergangenheit zu den Kultplatten Imperial Doom, In Dark Purity und Millenium. Monstrosity leisteten erstklassige Arbeit und stillten bei ausgezeichnetem Sound den großen Hunger nach einer druckvollen Dosis Death Metal. Einen leicht bitteren Nachgeschmack hinterließ einzig die Interaktion mit dem Publikum, die so gut wie nicht existierte – Mike Hrubovcak bekam lediglich die Ansage eines einzigen Songs über die Lippen, und entgegen den Ankündigungen fiel das Set (zu) kurz aus. Monstrosity verabschiedeten sich nämlich nach gerade mal einer Stunde, und in diese Stunde quetschte Harrison noch ein ziemlich fehl am Platz wirkendes und sinnloses Schlagzeugsolo. Das Konzert von Monstrosity wird also in guter Erinnerung bleiben – einen Überraschungsmoment hat es leider trotzdem nicht geboten.

Cold Snap ![]()

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The Devil ![]()

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Monstrosity ![]()

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