Death-Metal-Gerechtigkeit mit Baest

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Nach der letztjährigen Serie abgesagter Konzerte ist die Szene endlich wieder vollständig aufgewacht und bekommt auch internationales Flair. Letzten Sonntag haben auf Einladung von Earsplitter/Dirty Skunks im Orto bar die dänischen Death-Metaller Baest Station gemacht, für Support sorgten die heimischen Smrt und Sovrag.

Als Erste betraten die Ljubljana Death/Thrash-Metaller Sovrag die Bühne, die sich aus drei Fünfteln der bereits bekannten Kočevaer Septic Order zusammensetzen. Da sich die beiden Bands drei Mitglieder teilen, wäre es durchaus berechtigt gewesen zu erwarten, dass sie sich auch klanglich ziemlich ähneln – dem ist aber (zum Glück) nicht so. Während Septic Order mit ihrem Groove/Thrash-Metal gar nicht weit weg von Pantera oder Machine Head klingen, klingt Sovrag deutlich oldschooliger. Das Quintett spielt nämlich eine ziemlich klassische Mischung aus Death/Thrash-Metal, die sie stellenweise mit Black-Metal-Elementen und ordentlichen melodischen Einschüben anreichern, die vor allem in den abwechslungsreichen, lebhaften und durchdacht ausgearbeiteten Soli aus den Fingern des Gitarrenduos Krulič/Ivančič zu hören sind. Fürs Nackenwippen haben Sovrag auch mit einer dynamischen Rhythmusfraktion gesorgt, bei der Dobrets Drumming heraussticht – vollgepackt mit abwechslungsreichen Übergängen, schneller Bassdrum und sogar gelegentlichen Blast Beats. Mit einer soliden Gesangsleistung überzeugte auch Luka Orel, wobei die clean gesungenen Passagen im Live-Kontext beim Song Tribute to Death nicht ganz so überzeugend wirkten wie auf der EP. Sovrag spielten in gut einer halben Stunde ihren vor einem Jahr veröffentlichten Kurz-Erstling Tribute to Death vollständig durch und legten noch eine ordentliche Portion neues, unveröffentlichtes Material obendrauf, das Potenzial hat.

Danach kamen die Prekmurjer Smrt, während denen sich das obere Stockwerk des Orto gut füllte und dafür eine ordentliche Dosis Progressive Death Metal bekam – bzw. Spiritual Death Metal, wie die Band sich selbst nennt. Die Bezeichnung passt durchaus, denn Smrt bieten inmitten des Death-Metal-Lärms viele ruhigere, atmosphärische und melancholische Parts, die eher in anderen Genres zu finden wären als im Death Metal. Laut Sänger Lan Pahor handelt es sich bei ihnen um viele Klagelieder, was man so unterschreiben kann – und trotzdem habe ich mir dabei noch bei keinem Klagelied so den Nacken geprügelt. Smrt spielen im Kern also immer noch Death Metal und wissen auch genau, wie man diesem Genre dient. Im Orto schütteten sie eine ordentliche Portion durchdachter Riffs und erderschütternden Schlagzeugs sowie brutalen Gesangs aus, der aber eher nach Black Metal als nach Death Metal klingt. Smrt ist eine fleißige Band im Studio: sie hat bereits zwei EPs und den Studioerstling Oppression From All Suffering veröffentlicht, aus dem der Großteil der gespielten Songs stammte, und arbeitet bereits an seinem Nachfolger, von dem sie ebenfalls etwas Material vorstellten. Die Jungs überzeugten das Publikum mit guter Energie und einer ausgezeichneten Performance, und überzeugten erneut mit ihrem wohl größten Hit Sweet Nostalgia (der einen unweigerlich immer an Dekadent erinnert), verabschiedeten sich mit einem Song von der Debüt-EP The Will to Power und bereiteten uns auf den Knaller vor, den ehrlich gesagt wohl niemand wirklich erwartet hatte. Mit offenen Armen warten wir auf das neue Album!

Zum Einstieg borge ich mir schamlos die Worte unseres Primož: „Was Warbringer für das Thrash-Revival waren, sind Baest für den klassischen, modernen Death Metal1.“ Dass das absolut stimmt, hat das dänische Quintett bereits in den ersten Sekunden ihres stürmischen, gut einstündigen Sets bewiesen, das als eines der besten Death-Metal-Konzerte im Orto – und darüber hinaus – in Erinnerung bleiben wird. Aber der Reihe nach. Erstens: Baest haben bei uns schon gespielt, nämlich im September 2018 im Kino Šiška mit Abbath, worauf Sänger Simon Olsen hinwies – damals blieben sie aber ungerechterweise unter dem Radar. Zweitens: Hand aufs Herz, Baest bieten nichts, was man noch nicht gehört oder gekannt hätte, aber sie tun es auf so gute, energiegeladene, herzliche und eigenständige Weise, dass sie auf Anhieb überzeugen. Drittens: Wenn euch Namen wie Bloodbath, Carcass, Bolt Thrower, Entombed und Dismember irgendetwas sagen, wird euer schwarzes, verrottendes Herz bei Baest wieder aufgehen. Baest begrüßten Ljubljana diesmal – wie passend – mit Genesis und führten durch eine stündige Death-Metal-Genesis mit schön gesteigertem Intro-Riffing des Duos Lasse Revsbech/Svend Karlsson, das ein ultrolanger Schrei von Simon zerreißt, und der wahre Sturm hochoktanigen Death Metals ließ danach bis zum Schluss nicht nach. Baest gewannen das Orto nicht nur mit ansteckender Energie und einer Top-Performance für sich, sondern auch mit Simons Ansagen in schönem, flüssigem Slowenisch und seiner Beschreibung Ljubljanas als „city of dragons“. Die Töchter und Söhne der Drachenstadt ließen das den Dänen nicht schuldig bleiben, und das Orto bar hat seit langem (auch in der Vorkorona-Zeit) nicht mehr so viele Mosh Pits und Wall of Deaths gesehen. So wie das Publikum genoss, genoss sichtlich und ungespielt auch die Band, die eine hochkarätige Vorstellung durchdachter Riffs, die nicht auf den ersten Blick durchschaubar sind, einer vernichtenden Rhythmusfraktion, brutalem aber verständlichem Gesang und allgemeinem Death-Metal-Schmackes ablieferte, der heutzutage live nicht mehr so leicht einzufangen ist. Baest konzentrierten sich diesmal fast vollständig auf das letztes Jahr erschienene Album Necro Sapiens, während sie vom Erstling Danse Macabre nur Crosswhore und von dessen Nachfolger Venenum nur Gula (lat. Völlerei, einer der sieben Todsünden) spielten. Dafür präsentierten sie von der EP Justitia (lat. Gerechtigkeit), die erst in einem Monat erscheint, gleich zwei Brocken, nämlich Ecclesia und Gargoyles (bei dem übrigens Trevor Strnad von The Black Dahlia Murder zu Gast ist). Baest rollten mit ihrer (unerwartet) herausragenden Darbietung und Top-Performance wie Bolt-Thrower-Panzerketten über alles drüber, fegten mit klassisch nach Carcass klingenden, melodischen Doppelgitarrenattacken, unterstützt von Blast Beats, hinweg, ölierten die HM-2-Entombed/Dismember-Kreissäge gut nach und rissen am Ende die Köpfe noch mit dem vernichtenden Titeltrack des letzten Albums Necro Sapiens ab. An jenem Sonntag wurde also nicht nur auf den Straßen getanzt, sondern auch im Obergeschoss des Orto. „Fiat justitia, ruat caelum.“

1 Ich würde hier mindestens noch Lik und Carnation hinzufügen

Baest Setlist:

  1. Genesis
  2. Purification Through Mutilation
  3. Abattoir
  4. Towers of Suffocation
  5. Gula
  6. Czar
  7. Goregasm
  8. Gargoyles
  9. Meathook Massacre
  10. Ecclesia
  11. Crosswhore
  12. Necro Sapiens

Fotos: Nina Grad

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