Dear Science
Künstler: TV On The Radio
Label: Touch and Go Records
Erscheinungsjahr: 2008
Laufzeit: 00:50:03
Wertung: 3/5
Was magst du lieber? Fernsehen oder Radio? Oder vielleicht TV on the Radio? Die Band, die 2001 in New York gegründet wurde, veröffentlichte im September ihr viertes Studioalbum „Dear Science“. Experimenteller Rock für alle und jeden. Das beweist auch die amerikanische Billboard-Liste der zweihundert meistverkauften Alben. Die besagte Platte kletterte gut drei Monate nach der Veröffentlichung auf beachtliche Platz zwölf, was kaum überrascht, da fünf ausgezeichnete Multi-Instrumentalisten und vielseitige Künstler an einem Strang zogen. „Dear Science“ ist eine Platte mit elf Songs, deren Hauptautoren der Produzent und Sänger Tunde Adebimpe sowie der Gitarrist, Bassist und Sänger Kyp Malone sind.
TV on the Radio, die als eine der innovativsten New Yorker Bands gelten, eröffnen das Album mit dem „papapapa – papapa pa“-Song „Halfway Home“. Beim ersten Hören ist der Song nichts Besonderes. Im Gegenteil, es zieht dich sogar dazu, die CD gleich aus dem Player zu nehmen. Warum? Weil dieser mitunter leicht depressive Track, bei dem Flötist Martin Perna zu TVOTR stößt, nichts anderes ist als fünfminütiges Gejammere über die Suche nach sich selbst. Eine ähnliche Stimmung setzt sich auch in „Crying“ fort. Nur dass der Rhythmus gegen Ende lebhafter wird, besonders wenn Saxofon (Stuart Bogie), Trompete (Eric Biondo), Posaune (Aaron Johnson) und „Shaker“ (Yoshi Takamasa) dazukommen. „Dancing Shooes“ ist im Vergleich zu den ersten beiden Tracks das genaue Gegenteil. Es beginnt viel spritziger und schon bald zucken auch die Finger. Ihren Teil tragen auch die beiden Saxofonisten bei, der bereits erwähnte Stuart Bogie sowie Colin Stetson. Es folgt das melancholische „Stork & Owl“, das genau richtig ist, um alle Sinne zu entspannen. Die sanften Klänge von Geigen (Janis Shen und Claudia Chopek), Cello (Eleanor Norton) und Viola (Lara Hicks) sowie Tundes Gesang schaffen eine beruhigende Atmosphäre. Empfehlenswert fürs Hören nach einem anstrengenden Arbeitstag. Einen Ausschlag in die andere Richtung spürt man auch beim instrumental reichen „Golden Age“, denn an diesem Track wirkt fast ein ganzes Orchester mit: der bereits erwähnte Saxofonist Bogie, Trompeter Biondo, Posaunist Johnsson, alle vier Streicherinnen aus dem vorherigen Song und Yoshi Takamasa, der diesmal Congas und Glocken übernahm. Der Track, der zu Beginn einige Reggae-Rhythmen aufgreift, ist wieder einer jener, den man in die Kategorie „Beruhigend“ einordnen würde. Genau in der Mitte des Albums befindet sich „Family Tree“, wo TV on the Radio erstmals ein Klavier einbinden. Obwohl sich der ruhigere Rhythmus auch im weiteren Verlauf des Albums fortsetzt, ist „Red Dress“ ein echtes Juwel, denn es klingt viel… Hmm, „disco“? Auf jeden Fall lebhafter. Auf gewohnte, aber keineswegs gleiche Gleise führt uns dann „Love Dog“, das allerdings keine gute Wahl für romantische Stimmung ist. Wenn schon nicht der Text, wird das Froschquaken am Ende des Songs schon „seltsam“ wirken. Eines der Highlights ist auch „Shout Me Out“. Im Hintergrund das leise Zupfen der Gitarren in Reggae-Rhythmen, dazu kommen Tundes klarer und unverfälschter Gesang und ein leicht religiöser Text. „Lord it`s you`ve got loss, Come on, shout me out“. Für einen lauteren Abschluss sorgen „DLZ“ und „Lover`s Day“. Letzterer ist auch der längste Track auf der Platte.
Adebimpe und seine Crew sowie die übrigen beteiligten Musiker haben ein Album geschaffen, auf dem keine zwei Songs gleich sind. Der Rhythmus variiert von leicht depressiv („Halfway Home“) bis hin zu übertrieben spritzigen Tönen („Red Dress“). Trotz allem passt das Hören dieser Platte nach einem anstrengenden Tag gut.
Besetzung
Tunde Adebimpe – Gesang
Kyp Malone – Gesang, Gitarre, Bassgitarre, Keyboards
David Andrew Sitek – Programmierung, Gitarre, Bassgitarre, Keyboards
Gerard A. Smith – Bassgitarre, Orgel, Keyboards
Jallel Bunton – Schlagzeug, Gitarre, Keyboards, Bassgitarre, Programmierung
Produktion
David Andrew Sitek
Trackliste
1. Halfway Home
2. Crying
3. Dancing Choose
4. Stork & Owl
5. Golden Age
6. Family Tree
7. Red Dress
8. Love Dog
9. Shout Me Out
10. DLZ
11. Lover`s Day