Darkest Hour
Autor: Primož Novak
Künstler: Darkest Hour
Label: Sumerian Records
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 49:29
Wertung: 4.2/5
Darkest Hour war eine der ersten namhaften amerikanischen Bands, die sich den schwedischen Melodic Death Metal zum Vorbild genommen hat. Bei den frühen Alben war allerdings auch der Einfluss des Thrash Metal deutlich spürbar. Über die ersten beiden Alben ließe sich sagen, dass Darkest Hour noch eine von vielen mittelmäßigen Bands waren – doch mit dem dritten Album Hidden Hands of a Sadist Nation hob sich die Gruppe deutlich aus dem Underground ab. Dazu beigetragen hat auch Gitarrist Kris Norris, der die Band nach dem hervorragenden Album Deliver Us verließ. Darkest Hour haben in dieser Zeit eine ganze Reihe von Besetzungswechseln durchgemacht; von der Originalbesetzung sind nur noch Sänger John Henry und Gitarrist Mike Schleibaum übrig. Trotz der ziemlich instabilen Besetzung haben Darkest Hour fleißig weitergemacht und veröffentlichen jetzt nach drei Jahren den Nachfolger des erfolgreichen The Human Romance.
Das selbstbetitelte Album, bereits das achte Studiowerk der Band, ist ohne Zweifel ihr provokativstes Werk bis dato. Nach den ersten veröffentlichten Songs war nämlich klar erkennbar, dass Darkest Hour ihre sanfte Seite noch stärker betonen. Kurz gesagt: Das selbstbetitelte Album Darkest Hour ist das Metalcore-lastigste Werk ihrer Karriere. Die Band setzt zwar keine Breakdowns ein, dafür sind aber jede Menge melodiöse Vocals, schöne Refrains, melodische Riffs und weiteres in dieser Richtung präsent. Auch der Sound selbst ist entsprechend poliert, was den alten Fans nicht gerade gefällt.
Trotz all der Sanftheit hat das Album einige positive Eigenschaften. Die Songs sind abwechslungsreich; mit schnellen Tracks machen Darkest Hour klar, dass sie die Aggressivität, die durch schnelle Thrash- und Melodic-Death-Metal-Riffs definiert wird, noch nicht aufgegeben haben. Die Songstrukturen selbst sind zwar recht vorhersehbar, aber die Verbindung der einzelnen Teile wirkt überzeugend. Auch die Rhythmusfraktion hat ein Upgrade erlebt. Neuer Schlagzeuger Travis Orbin, der unter anderem auch bei Periphery gespielt hat, hat mit seinem Stil und unglaublicher Kreativität die rhythmische Dynamik von Darkest Hour auf ein neues Level gehoben. Orbin macht dabei selbst in den kommerziell ausgerichteten Songs keine Pause.
Die sanfte Seite der Band kann stellenweise nerven. Manche Songs haben nämlich einen Hauch von Alternative Rock. Ein gutes Beispiel dafür ist die Single The Misery We Make. Noch größerer Stolperstein ist das balladenhafte Stück By The Starlight, in dem Sängerin Dreamings als Gast auftritt. Mit diesem Song hat die Band den Gipfel der Schmalzigkeit erreicht – andererseits ist das Stück dank der schönen Vocals und Melodien ansteckend. Bei By The Starlight wäre es schwer zu behaupten, es sei der epischste Song des Albums; gegen Ende liefert die Gruppe nämlich das großartige Hypatia Rising, das schon mit dem Intro überzeugt und mit seinen Melodien und Soli klarmacht, dass die Band sich diesmal Zeit gelassen und die Details in bestimmten Songs wirklich ausgearbeitet hat. Und wenn wir schon beim Solieren sind: Dieses Mal ist es wirklich herausragend. Darkest Hour haben von jeher virtuoses Solieren in den Vordergrund gestellt, wobei der ehemalige Gitarrist Kris Norris) eine große Rolle spielte, aber auch Mike Carrigan hat all diese Jahre unter Beweis gestellt, dass er ein Gespür für Soli hat, die vor allem die Melodiösität betonen.
Einem kann grundsätzlich der Gesang von John Henry auf die Nerven gehen, der diesmal dem melodiösen Gesang deutlich den Vorzug gegeben hat – der allerdings etwas zu künstlich klingt. In manchen Songs ist die Bearbeitung mit Autotune ziemlich offensichtlich. Auch die Texte sind recht emotional gefärbt, was aber eigentlich nichts Neues ist.
Das achte Studioalbum von Darkest Hour ist zweifellos das kommerziellste Werk der Band, aber gleichzeitig auch außerordentlich ausgefeilt und abwechslungsreich. Man könnte meinen, Darkest Hour haben sich musikalisch verausgabt – aber ein Rückblick würde eher den Eindruck erwecken, dass der Band schlicht die Fantasie ausgegangen ist.
Besetzung
John Henry – Gesang
Mike Schleibaum – Gitarre
Mike Carrigan – Gitarre
Travis Orbin – Schlagzeug
Aaron Deal – Bass
Produktion
Taylor Larson
Trackliste
1. Wasteland
2. Rapture In Exile
3. The Misery We Make
4. Infinite Eyes
5. Futurist
6. The Great Oppressor
7. Anti-Axis
8. By The Starlight
9. Lost For Life
10. The Goddess Figure
11. Lunar Divide (bonus)
12. Beneath The Blackening Sky
13. Surrealist (bonus)
14. Hypatia Rising
15. Departure