Dan 202 (CD & DVD)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Dan D
Label: ZKP RTV Slovenija
Erschienen: 2009
Wertung: 3/5

Dan D, ach, diese ewig melancholischen slowenischen Rock-Teddybären. Vier Alben in 12 Jahren, im Schnitt ein Album alle drei Jahre. Richtig so, dass das fünfte endlich ein Konzertalbum ist! Und wie kam es dazu? Die diesjährigen 37 Jahre, die Val 202 seinem EMŠO nach auf dem Buckel hat, verdichteten sich in einer Initiative des Radioprogramms selbst, im laufenden Jahr auch Dan D „sinfonisch“ zu vertonen. Wer würde sich einem solchen Angebot schon verweigern.

Und so geschah es. Es schrieb sich der 13.09.2009. Der angekündigte Termin in den Križanke war bereits zwei Wochen vor dem Konzert ausverkauft, weshalb die Jungs kurzerhand noch einen weiteren Auftritt am 14.09.2009 dranhängten. Dennoch bleibt für uns der erste Termin der entscheidende, denn damals waren die TV-Kameras auf das Konzert der Gruppe und das Sinfonieorchester von RTV Slovenija unter der Leitung von David de Villiers gerichtet. Dan D verhehlen ihre Zufriedenheit mit dem aktuellen Studioalbum „Ura letenja za ekstravagantne ptice“ (2009) keineswegs. Sichtlich mehr als offensichtlich genießen sie die Bühnenaufführungen der Songs dieses Albums, weshalb sie beschlossen, den Großteil des anderthalb Stunden langen Auftritts in den Križanke dem Durchspielen des neuen Albums zu widmen, dem sie eine Prise Mega-Hits des Vorgängers „Katere barve je tvoj dan?“ (2004) beifügten. Als Honorar reichten Primož Grašič, Rok Golob, Milko Lazar, Aleš Avbelj und Neisha helfend die Hand bei der Ausarbeitung der Arrangements für das Sinfonieorchester, mit denen Dan D Rock eigens für diesen Anlass ausgestattet wurde.

Um das Ganze ein wenig zu würzen und im spektakulären Sinne aufzuwerten, luden Dan D außerdem mehr oder weniger bekannte musikalische Gesichter als besondere Gäste des Abends ein: Tomi M., Ditka Haberl, Borut Marolt, Gal und Severa Gjurin, Polona Kasal und Grant Austin. Jetzt durfte und konnte eigentlich gar nichts mehr schiefgehen.

Wir stehen vor einem einzigartigen Erlebnis, das alle Dan D-Fans in alle Ewigkeit in den Himmel loben werden. Die cleveren Arrangements verleihen der ansonsten gefälligen Mainstream-Rock-Schablone der „traurigen Teddybären“ eine neue musikalische Dimension – Bären, die mit geschickten Blicken selbst dem engsten Geizkragen noch ein Stück Würfelzucker abschmeicheln. Ich will damit sagen: Dan D sind jene slowenischen Jungs, die Rocker sein dürfen und dabei von der slowenischen Masse akzeptiert werden. Und das vermarkten sie fleißig. Und so ist es richtig.

Wenn man der Konzert-CD lauscht, findet man wirklich kaum etwas auszusetzen. Alles wirkt noch eine Spur edler, saftiger, intensiver und fängt überaus gelungen jenes Gefühl von Feierlichkeit ein, das an diesem Abend in den Križanke herrschte. Besonders auffällig ist der atmosphärische Sprung vor allem dann, wenn auf der Bühne und in der Interpretation von Sirena der Gesang von Ditka Haberl einsetzt. Der Klang der Konzertaufnahme ist ausgezeichnet, wenngleich Tokacs mitunter eindimensionaler Ansatz beim Phrasieren der Verse in der Dynamik der gewählten Produktion bisweilen untergeht und ihm die sinfonischen Arrangements stellenweise beinahe den Vorrang streitig machen. Das ist auch der einzige kleinere Kritikpunkt.

Die Audioaufnahme ist leicht gekürzt. Logisch – ein CD-Träger fasst kaum mehr als 80 Minuten Musik. So erspart sie auf ihre Weise den Ungeduldigen die Warterei: Man muss sich nicht erst durch den einleitenden Dudelsackklang durchkämpfen, sondern Dan D steigen auf dem Audioträger rasant in die Action ein. Rožice. Das Sinfonieorchester mit Dudelsäcken und Tokacs traurigem Gesang steigert die Feierlichkeit schrittweise, wobei Tokac seinen gesellschaftlichen Status dennoch gerne per Ansage markiert: „Hvala za vse. Dobro nam gre!“ Wie bereits erwähnt, ist in den neuen Strukturen der Songs dieses Albums der absolute Höhepunkt des Konzerts Sirena in der Interpretation von Ditka Haberl, die mit Charisma und feinfühligem Phrasieren im legendären Zauber einer einzigartigen Darbietung buchstäblich alle übrigen Gäste des Abends in den Schatten stellt. Auch nach ihr entfacht Le naprej in seiner Sentimentalität und den sehnsuchtsvollen Melodien des Aufbruchs in eine neue Zeit. Das Publikum allerdings macht, trotz der rappelvoll besetzten Križanke, keinen allzu großen Lärm – bis zum Evergreen Čas, der es lautstark zum Leben erweckt und die Menge zum Mitsingen der Verse animiert. Čas ist der zweite Höhepunkt dieser Scheibe. In Tiho funktioniert besonders im Refrain der raue, kehlige Ansatz des kraftvollen Gesangs von Borut Marolt (Niet) hervorragend, wo er die Botschaft der Verse zusätzlich unterstreicht. Die hochgespannte Stimmung, die im Konzertfinale zunimmt, hält der mit reichen Arrangements herausstechende neuere Song Put slonova aufrecht. Irgendwo bei Minute 1 und 34 Sekunden verfängt sich in der Performance ein „sinusförmig-hochpfeifendes Geräusch einer Wiederholung von einigen (Milli-)Sekunden“. Das wirkt nicht organisch und ist höchstwahrscheinlich vom Mikrofon eines Handys oder eines ähnlichen Wunderwerks der unfehlbaren Errungenschaften des neuen Zeitalters in die Aufnahme geraten. Trotz des Schönheitsfehlers stört es nicht – eigentlich ist es sogar amüsant.

Den großartig gesteigerten Abschluss über Put slonova krönt die erwartete Aufführung von Voda mit Tomi M. am Mikrofon. Er nimmt im Vergleich der Stempel, die die Gäste den einzelnen Songs aufdrücken, neben der schwer erreichbaren Ditka Haberl und der überraschend gelungenen Leistung von Borut Marolt, die meiste Glaubwürdigkeit mit! Kurzum, summa summarum: hervorragender Klang, hervorragende Darbietung, hervorragendes Miteinander auf der Achse Sinfonieorchester, Gruppe Dan D und nicht zuletzt Publikum! Mission also erfüllt!

Dass in dieser Ausgabe eine DVD enthalten ist, ist in jedem Fall willkommen, und der Käufer greift noch lieber zu, da er für den soliden Preis von 12,99€ gleich zwei Disketten Material bekommt. Die DVD enthält die vollständige Aufzeichnung. Die Einleitung mit Dudelsäcken ist ungekürzt, sie bietet zudem die Aufführung von Za naju punca, die auf dem Audioträger fehlt, und auch das Ende des Ereignisses ist verlängert, von dem sich die Gruppe einfach nicht und nicht von ihrem Publikum verabschieden wollte. Allerdings ist die DVD jenes Ding, das die schönen Eindrücke, die man beim Hören des Audioträgers gewonnen hat, auf bisweilen geschmacklose Weise zerstört. Sie beweist nämlich, dass Dan D auf der Bühne eine äußerst statische und langweilige Gruppe sind. Auch auf ihr äußeres Erscheinungsbild bauen sie nicht sonderlich viel auf. Man erwartet zwar keine Wunder, doch allein schon Tokacs Unbeweglichkeit – er ist mit einer Gitarre ans Mikrofonstativ gefesselt – trägt stark zu diesem Gefühl der Statik bei. Das ist freilich eine Tatsache bei jeder Gruppe mit einem Sänger/Gitarristen in der Besetzung, die man eben akzeptiert. Ungünstig wirkt in dieser Hinsicht diesmal jedoch die räumliche Enge, da das Orchester den Großteil der Bühne belegte. So drängten sich Dan D auf dem oberen „Podium“, zwar über die gesamte Situation der Križanke erhoben, aber ins Hintergrundgeschehen gerückt und damit brav weit vom Publikum entfernt. Zwar spielen sie akustisch zwei Songs und nähern sich über den Gang bis an den Bühnenrand, direkt zum Publikum hin, doch diese Momente sind zu selten. Vielleicht wäre es in Zukunft keine schlechte Idee, in solchen Situationen die Anordnung umzukehren.

Die Gruppe vorne und das Orchester im Hintergrund. Ich kenne die akustischen Eigenschaften der Križanke nicht, noch weiß ich, was eine solche Umkehrung in der Klangverteilung in diesem Fall gebracht hätte, doch mit den heutigen Erkenntnissen moderner Technologie ist praktisch jede Klangmanipulation möglich, sodass die Toningenieure sicher auch diese Situation in den Griff bekommen hätten.

Das Endprodukt selbst, die Art, wie die einzelnen Einstellungen zusammengeschnitten sind, erreicht keine wirkliche Dynamik und Abwechslung. Die Einstellungen wiederholen sich nämlich allzu oft. So wirst du Zeuge des vielfachen Auftretens eines eitelkeitsgekrönten Schnauzbarts mit einer Geige in der Hand, was den Eindruck erweckt, er sei die Hauptfigur des Ereignisses und nicht der Auftritt der Gruppe Dan D. Ebenso vermisst man mehr auf die Gruppe selbst ausgerichtete Einstellungen – vor allem auf die übrigen Mitglieder, mit Ausnahme von Tokac, der als Vokalist noch ausreichend Kameraaufmerksamkeit auf sich zieht.

Wer an jenem Tag in den Križanke war, konnte im Hintergrund eine große Kinoleinwand mit einer interessanten Visualisierung der einfallsreichen und bunten Regie bei der Auswahl der zentralen Motive und Einstellungen bemerken. Die Kombination von Live-Aufnahmen mit Leinwandbildern im Hintergrund hätte die Atmosphäre der einzelnen Songs zusätzlich betont und vergrößert und der DVD noch mehr dynamische Lebendigkeit und Tiefe der Empfindungen verliehen. Einige Einstellungen auf der Kinoleinwand sind schlichtweg hervorragend (besonders die Einstellung mit dem Kletterer in Le naprej, usw.), doch leider sind sie so nicht genutzt und dem zufälligen Zuschauer dieser DVD präsentiert worden.

Zum Abschluss lässt sich zusammenfassen: Der Audioträger ist voller Vorzüge, während der DVD-Träger einige Reserven trägt und die Erwartungen nicht ganz erfüllt. Dennoch handelt es sich insgesamt um eine äußerst gelungene Veröffentlichung, einen ausgezeichneten Schachzug, der die Verewigung dieses einzigartigen Ereignisses ermöglicht hat – eines Ereignisses, das für eine Gruppe wie Dan D von großer Bedeutung ist und ihre Stellung als hochrangige unter den übrigen slowenischen Künstlern weiter festigt. Die Kollision des Rocks, wie ihn Dan D verstehen, mit sinfonischen Arrangements funktioniert rundum gelungen. Die Veröffentlichung hat ihren Zweck erfüllt. Auf der Suche nach Authentizität hat sie die Bedeutung dieses für die Gruppe einzigartigen Ereignisses vollauf zufriedenstellend eingefangen.

Besetzung

Tomislav Jovanović (Tokac) – Gitarre, Gesang
Marko Turk (Tučo) – Gitarre
Boštjan Grubar (Bošti) – Keyboards
Nikola Sekulović – Bassgitarre
Dušan Obradinović (Obra) – Schlagzeug

Sinfonieorchester von RTV Slovenija unter der Leitung von David de Villiers

GASTMUSIKER:
Grant Austin – Dudelsack (Song Nr. 1)
Polona Kasal – Gesang (Song Nr. 5)
Ditka Haberl – Gesang (Song Nr. 10)
Severa Gjurin – Gesang (Song Nr. 12)
Gal Gjurin – Klavier (Song Nr. 12)
Borut Marolt – Gesang (Song Nr. 15)
Tomi M. – Gesang (Song Nr. 17)

Produktion

Žiga Stanič, Žarko Pak

Trackliste

CD:
1. Rožice
2. Jutranja
3. Moj problem
4. Halo
5. Roke gostja
6. Love song
7. Google me
8. Novo sonce
9. San San
10. Sirena
11. Le naprej
12. Sla
13. Tomi, čuvaj se
14. Čas
15. Tiho
16. Put slonova
17. Voda
18. Čakamo

DVD:
1. Rožice
2. Jutranja
3. Moj problem
4. Halo
5. Roke gostja
6. Love song
7. Google me
8. Novo sonce
9. San San
10. Sirena
11. Le naprej
12. Sla
13. Tomi, čuvaj se
14. Za naju punca
15. Čas
16. Tiho
17. Put slonova
18. Voda
19. Čakamo

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