Da Phenomena beim Ortofest (2009)

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Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik

Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 09.04.2009
Besucherzahl: 70
Kartenpreis: 10,00€

In der Frühlingszeit, wenn Konzerte hageln und es im Allgemeinen so richtig brummt – oder mit anderen Worten: die Sonne einen raus zieht, in die Gänge, in den sogenannten ständigen „movement“ –, passiert es einem oft, dass man gar keine Zeit mehr hat, groß zu planen, wer, was, wie, warum,… sondern beim Dauerbeschuss mit Infos, die von allen Seiten auf einen einprasseln, einfach nur noch der Nase nachgeht. So reihen sich an einem dieser Spätnachmittage die verschiedensten Möglichkeiten zur Abendgestaltung auf. Und dann kommt es eben vor, dass man – nichts Böses ahnend und ganz ohne Kalkulation – beim Konzert von Da Phenomena landet, das Teil des diesjährigen Orto fests war.

Ich erinnere mich an die erste Begegnung mit diesem Jungs-Duo, das fleißig zum Mann heranreift, beim Božič Rock Festival 2006 in Postojna, als Dagi eiskalt blass und bei extremem Unwohlsein den Konzertauftritt kaum bis zum Ende durchzog. Dabei haben die beiden schon damals fasziniert. Diesmal Orto Bar. Mit „Jurček“ – Jure Rozman – zu dritt. Bewährt.

Der Orto bar war überraschend schwächer besucht, als man hätte erwarten können, angesichts der Tatsache, dass Da Phenomena in Slowenien kein unbekannter Name sind. Trotzdem – auch wenn Mate während des Konzerts erwähnte, er sei schon lange nicht mehr aufgetreten, und dabei seinen Frust kaum im Scherz verbergen konnte, er stehe wohl deshalb nicht in bester Konzertform –, hatte das Publikum an diesem Abend wirklich keinen Grund zur Klage. Die beiden reihten anderthalb Stunden lang den Großteil des Materials ihrer beiden Studioalben „Skupaj sva“ und „dP“ auf und packten noch ein paar Coverversionen obendrauf, die die Anwesenden zusätzlich aufheizten.

Da Phenomena darf sich einer unglaublich kraftvollen Rhythmusfraktion rühmen, in die sich Mates ausdrucksstarker Gesang und der organisch wohlklingende Pop-Rock-Sound seines Gitarrenspiels phänomenal einfügen. Die Reise auf funky Tanzwellen hat eine Welle entspannter positiver Vibes ausgelöst, durch die auf der einen Seite der selbstsichere Mate das Publikum mit seinem souveränen Gesangsansatz bei der Stange hielt, auf der anderen Seite der warme, dynamische, voluminöse und lebendige Sound von Dagis Bass. All das wäre nicht so intensiv spürbar gewesen ohne den verlässlichen Jure, der den beiden ein hervorragendes rhythmisches Gerüst lieferte, in das sie sich reinbissen.

Das Trio verbarg sein enormes musikalisches Talent nicht hinter der verschmitzten Verspieltheit der entspannten Songs – umso mehr überraschte dann die (für meinen Geschmack etwas übertriebene) Nutzung von Backing-Tracks (Gesangsbegleitung, zusätzliche Gitarrensolos), denn das Trio selbst baut mit seinem Know-how und Talent bereits eine reiche Klangkulisse auf, die absolut ausreicht, damit es auch ohne die gelegentlichen Zusatzaufnahmen im Hintergrund definitiv „durchkommt“. Aber das ist Geschmackssache. Offenbar lässt Da Phenomenas Ader für Klangperfektionismus den beiden nicht zu, auf diesem Gebiet auch bei Live-Auftritten zu „knausern“.

Man darf auch nicht unerwähnt lassen, wie Bassist Dagi Sound-Samples als besondere effektvolle Klangwürze einsetzte, die gelegentlich an die Tricks seines großen Vorbilds Doug Wimbish (Living Colour) erinnerten, der Dagis sich weiterentwickelnden Bassspielstil in vielerlei Hinsicht beeinflusst hat.

Mit den Songs Rad tem imam (ne dovolj), Vse kar vem, Leva desna, Jočem, Yeah Baby, Nobeden, Phenomena, Nočem te nazaj, Pejdap, Skupaj sva, Punce fantje, Iznad neba sowie den Prince-Covern Purple Rain und Kiss und Time Bomb (Rancid) haben die beiden ein Event voller positiver Vibes gezaubert, das einem Donnerstagabend mitten in der Woche gut tat und dem mit Verpflichtungen vollgepackten Menschen, der sich  an diesem Abend in ihrer Gesellschaft wiederfand, locker dabei half, zumindest für einen Moment den Druck überfüllter Alltagspläne zu vergessen. Das gelang ihnen auch durch ihren eigenwilligen Sinn für Humor, der sich perfekt in ihren Live-Auftritt einfügt. Wunderbar funktionierten die dynamischen Stimmungswechsel besonders bei den neueren Songs, die in den Refrains gerne „ordentlich reinhauen“, und wo die beiden – sonst glühende Anhänger der old-school-Tanzfahrt durch das gefederte Funk-, R&B-, Soul-Rhythmusfahrwerk – endlich auch ein paar rockig geschliffene Zähne zeigten.

Angesichts der enormen musikalisch-ausdrucksstarken Durchdringungskraft dieses Duos wäre es eine große Schande, wenn Da Phenomena aufgrund von Verpflichtungen durch die Zusammenarbeit mit anderen Musikern zufällig in eine Phase kreativer Ruhe abdriften würden, denn Dagi und Mate haben im Orto Bar eine außerordentliche partnerschaftliche Übereinstimmung im musikalischen Verständnis und Ausdruck bewiesen, die auf derselben Wahrnehmungsfrequenz der Musik beider Musiker liegt. Auch auf der Bühne verstehen sie sich hervorragend – absolut faszinierend war zudem der Sound während des Spielens selbst, wofür dem ehemaligen Bassisten der Band 2.2.2.7., Jani Mujič, großer Dank gebührt.

Wieder liegt ein schöner Musikabend des diesjährigen Ortofests hinter uns, der mit positivem Ansatz eine Stimmung der Heiterkeit gezaubert hat – dieselbe, die gleichzeitig auch die Philosophie beider Da-Phenomena-Musiker widerspiegelt: das Leben muss man eben nicht komplizieren, sondern sich am besten oft dem Fluss des Gefühls hingeben. Der Fluss des Gefühls aber ist die Grundlage echter Funk-Vibration. Und die beiden verstehen sie definitiv.

Foto: Aleš Podbrežnik

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