Cvetober
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Various Artists
Label: Celinka
Erschienen: 22.12.2014
Laufzeit: ca. 144 min.
Wertung: 5/5
Das Label Celinka ist in seinen sieben Jahren Bestehen (lies: Zeitraum zwischen 2007 und 2014) zu einer der wichtigsten Institutionen der slowenischen Musikszene herangewachsen, die dafür sorgt, dass eigenständige Musik slowenischer Künstler ein sicheres Zuhause und den Weg zu den Hörern findet. Celinka gilt heute wohl als das slowenischste aller slowenischen Labels. Bei ihr haben nämlich vor allem jene Künstler ein Domizil gefunden, die sich ganz oder zumindest spürbar auf den traditionellen Volksgesang stützen — unabhängig von ihrer slowenischen geografischen Herkunft. Celinka vereint jeden einzelnen Flecken slowenischen Bodens zu einem außergewöhnlichen, farbenreichen musikalischen Strauß. In sieben Jahren des Labelbetriebs hat er sich in voller Intensität entfaltet — und zu aller Freude dauert diese Blüte einfach immer weiter an.
Die Vorweihnachtszeit ist bei Celinka von der Zahl Sieben geprägt. Sieben Jahre Betrieb, und die Kompilation »Cvetober« ist gleichzeitig die 77. Veröffentlichung des Labels. Die Kompilation bietet eine Auswahl von 36 Tracks aus dem Arsenal von über 70 veröffentlichten Alben verschiedener Künstler in sieben Jahren Labelbetrieb. Man muss betonen, dass Celinka nicht gerade Bands unter ihre Fittiche nimmt, die ihr künstlerisches Schaffen auf dem Erbe von Rock ’n‘ Roll oder Metal aufbauen. Je organischer das Spiel einer bestimmten Klanglandschaft ist, desto mehr ist es dem A & R-Personal des Labels auf den Leib geschrieben.
Die Kompilation umfasst zwei CDs. Beide sind außerordentlich abwechslungsreich, was natürlich durch die stilistischen Sprünge des Artismus bedingt ist, den die einzelnen auf der Kompilation vertretenen Künstler pflegen und weiterentwickeln. Die erste CD ist den Radiofrequenzen angenähert — die Pop-Komponente ist in diesen Tracks also spürbar. Doch dieses Faktum ist eigentlich von untergeordneter Bedeutung. Ihr Wesenskern liegt darin, dass sie eine außerordentliche Genreverschmelzung und eine ideell-künstlerische Verpackung in eine dem Ohr äußerst gefällige musikalische »Messe« bietet. Sei es die außerordentliche Bearbeitung des Tracks Danaja von Tomaž Pengov durch Polona Kasal, seien es die kabarettistischen Jazz-Swing-Rabauken Nula Kelvina mit dem ungemein eingängigen Refrain des Tracks Včeraj, die wohlklingenden, schmeichelnden Frauenstimmen von Bilbi, Nana Milčinski, den Formationen Neomi und Papir, Jana Sen — bis hin zum alternativrockig aufgeladenen NI te več von Vasko Atanasovski Trio. Da ist auch der diskoide Funk-Ansteckungseffekt des Tracks Prva pomoč von den universellen Meistern der experimentellen Schocktherapie Elevators, oder der ruppige Blues-Song von Robert Jukič und seinem Kramp namens Trese se trese. Schon beim Aufzählen einer Handvoll Tracks der ersten CD werden wir Zeugen außergewöhnlicher Genresprünge zwischen diesen Künstlern. Die Macher der Kompilation haben das Material dabei sorgfältig gesiebt, eben mit dem Ziel, der Kompilation eine hohe Hörbarkeit zu sichern.
Um nicht zu ausschweifend zu werden, wende ich mich der zweiten CD der Kompilation zu. Diese ist darauf ausgerichtet, jene Künstler vorzustellen, die fest mit dem traditionellen Erbe des slowenischen Volksgesangs verbunden sind. Wie bereits weiter oben erwähnt, handelt es sich um ein außergewöhnliches Mosaik von Künstlern aus verschiedenen Ecken und Winkeln unserer Heimat — eine 100%ige Garantie dafür, dass auch die zweite CD dich durchgehend fest im Griff behält. Sei es die Reinterpretation traditioneller Lieder, bei der Vokalinterpretation und Chorgesang in den Vordergrund treten — durch die Formationen Volk Folk, Katice, Majave rože oder den äußerst unterhaltsamen Aleš Hadalin —, bis hin zum Verlockendsten auf der CD. Das ist die Verschmelzung des Volksgesangs mit den freischwebenden Impulsen freiheitsliebender Improvisation, die zum Phänomen der Eklektik führt. Bei jedem der Künstler — darunter Rudi Bučar & Istrabend, Brencl Banda, Baraka, Jararaja — wirst du, unabhängig vom Grad der Instrumentalität und/oder Vokalinterpretation, die jede Formation auf ihre Weise in ihrer Überlieferung darbietet, einem einzigartigen Ansatz zur Verschmelzung des slowenischen Volksgesangs mit Elementen aus Jazz, Klassik, Blues, kabarettistischer Chanson, Swing und Weltmusik begegnen. Kurzum: an Dynamit und rotem Faden mangelt es dieser Kompilation wahrlich nicht. Auf beiden CDs.
»Cvetober« lässt sich auch als außerordentlich schönes Neujahrsgeschenk ausrufen — besonders wenn jemand in deinem Umfeld ein eingefleischter Musikgourmet mit verwöhnten Ohren ist. Wie gesagt: Du willst die schnelle Auswahl des Slowenischsten aus dem Slowenischen? Dann besorg dir so schnell wie möglich ein Exemplar der Kompilation »Cvetober« — und neue musikalische Horizonte werden sich dir auftun. Genau diese Art von Kompilation ist gleichzeitig auch ein Weckruf für all jene, die sich die ewige Frage stellen, ob wir Slowenen denn genug mutige Musiker mit eigenem Unikat-Anspruch sind oder nicht. Sobald du beide CDs der »Cvetober«-Kompilation durchgehört hast, wird dir kristallklar sein, dass unser musikalisches Kulturerbe mehr als außergewöhnlich ist — überaus besonders und einzigartig.
Trackliste
CD 1.:
1. Vasko Atanasovski Trio – Ni te več
2. Polona Kasal – Danaja
3. Papir – Objem
4. Bilbi – Hvala za vijolice
5. Robert Jukič & Kramp – Trese se trese
6. Nula Kelvina – Včeraj
7. Elevators – Prva pomoč
8. Bas in glas – Okej okej, okej, okej
9. Andrej Trobentar & Dar – Val za valom
10. Marko Grobler – Grem na jug
11. Hamo & Tribute2love – Gremo se igrat boga
12. Nova Jazz Quintet – Spev vrtnice
13. Jana Sen – Preko vseh mej
14. Neomi – Poglej
15. Nana Milčinski – Zakaj greš mimo
16. Pinela – Drevo
17. Metod Banko & Teo Collori – Uspavanka
18. Brina Vogelnik & Janez Dovč – Sredi noči
CD 2.:
1. Boštjan Gombač & Janez Dovč – Vsi so venci vejli
2. Rudi Bučar & Istrabend – Draga
3. Sounds Of Slovenia – Oblaki so rdeči (feat. Eva Hren)
4. Fake Orchestra – Fantje se zbirajo
5. Sounds of Slovenia – Šla bom na goro (feat. Vesna Zornik)
6. Klarisa Jovanovič & Della Segodba – Pod oknom
7. Brencl banda – Igraj kolo jabuko
8. Jararaja – Moj očka ima konjička dva
9. Uršula Ramoveš in fantje iz jazbecove grape – Elizabeta druga
10. Katice – Uganka
11. Ba-Rock – Izaro
12. Baraka – Z mano
13. Aleš Hadalin – Marko skače (remiks)
14. Istradmarmusic – Gospodarji grejo spat
15. Vruja – Ona mi je rekla / Stara sura
16. Rože majave – To je na biska lipa ma
17. Volk Folk – V Ljubljanco pridem čez goro
18. Irena Zdolšek – Valček zanjo