Cvek gegen den Krebs! (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / CUK Kino Šiška / Slowenien
Konzertdatum: 28.01.2015
Besucherzahl: 600
Eintrittspreis: 10,00€
»Cvek raku!« ist der Slogan des Benefiz-Konzertabends, der dazu bestimmt war, Geld für die Behandlung von Boštjan Cvek zu sammeln – dem Gründer und Organisator des Festivals Jazz Cerkno, das in diesem Jahr sein schönes, rundes 20-jähriges Bestehen feiern würde. Doch das Rad des Schicksals hat sich grausam gedreht, und genau in den frühen Morgenstunden, just an dem Tag, an dem das Benefizkonzert in CUK Kino Šiška angekündigt war, verlor Boštjan seinen Kampf gegen die heimtückische Krankheit. Der Leberkrebs war schlicht stärker. Auch die Redaktion von RockLine spricht bei diesem tragischen Ereignis der Familie von Boštjan Cvek sowie all seinen engen Freunden und Bekannten ihr aufrichtiges Beileid aus. Der Konzertabend verwandelte sich damit in eine Widmung an Boštjan Cvek! Möge das Licht von Jazz Cerkno – und mit ihm Boštjan Cvek – ewig leuchten!
Den Konzertabend eröffnete das zehnköpfige Team des cerkljanischen Musikbetriebs namens Kar Češ Brass Band. Große Freunde von Boštjan also! Daheim aus den Gefilden, wo seit 1995 – und hoffentlich auch weiterhin – Jazz Cerkno residiert. Die Kombination aus zehn Musikern hat irgendwie das Format dieser Art von Straßenensembles aus New Orleans aufgegriffen und auf den slowenischen Musikraum übertragen. Ihr auf eigene Weise gestimmter, »blecherner Jazz« serviert auf dem Tablett Bearbeitungen von Standards anderer Künstler – in einem luziden, schelmischen Makramee, das durch sein pfiffig-einfallsreiches Arrangieren jedem Musikkonsumenten ein ganz besonderes Klangerlebnis beschert. So auch an diesem Abend in CUK Kino Šiška, wo die Energie der Bläsermasse im harmonischen Zusammenspiel die Menge schnell zum Brodeln brachte. Im letzten Stück stieß Jani Kovačič auf der Bühne zu Kar Češ Brass Band.
Das Programm lief wie geschmiert, pünktlich nach Zeitplan. Ana Pupedan und der Altmeister und die Ikone des slowenischen rebellischen Liedermachertums Jani Kovačič. »Besni pesmi« lautet ihr gemeinsames Motto. Jene Lieder also, deren Poesie in der fruchtbaren Beichte des einzigartigen Jani Kovačič geboren wird – der angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Ereignisse erneut einen prall gefüllten Sack voller Inspiration zum Schaffen gefunden hat. Das luzide und schelmische, dabei beißende Ana Pupedan könnte sich mit Janis musikalischer Philosophie kaum besser vertragen. Die Kombination aus scharfzüngigem Punk-Rock, kabarettistischer Theatralik, gelegentlichen Ausflügen Richtung Volksmelodien – und auch in ruppigen Blues – wirkt durch ihre Wahrhaftigkeit und Authentizität bestrickend und fesselt den Zuhörer mühelos an die Bühne. Das Team hat das »Bühnengetolle« und die schelmische Theatralik, dosiert mit dem Element außergewöhnlicher Erfahrung und Routine, sichtlich in vollen Zügen genossen. Avsec und Jani wechseln sich vokal in Duetten ab, Avsec greift dabei durchaus auch mal zur Geige und kontrastiert damit Gitarrenphasen; Požar hat erneut mit einigen außergewöhnlichen solistischen Eskapaden und der darin entwickelten Geschwindigkeit restlos fasziniert. Er gilt als einer der interessantesten Gitarristen auf slowenischem Boden – einer, dem hier noch keine echte Anerkennung zuteil wurde, die er aber im Nu verdient. Jani und die Clique von Ana Pupedan haben bittere Wut ohne Blatt vor dem Mund von der ersten bis zur letzten Sekunde herausgeschleudert, und das Konzert schlossen sie mit der »glibberigen Amöbe« ab. Auf der Setlist standen noch einige Stücke, für die keine Zeit mehr blieb – aber egal. Nach dem Erlebten kündigt sich ein überaus interessantes gemeinsames Studioalbum dieses inhaltlich »teuflisch« greifbaren Projekts an!
Demolition Group sind ein ewig faszinierendes Alternativrock-Unikat. Eigentlich sogar ein weltweites. Die verjüngte Besetzung, die nach wie vor vom unnachgiebigen Goran Šalamon (Gesang) und Jože Pegam (Saxofon) angeführt wird – mit Matjaž Pegam am Mischpult –, hat im neu entfalteten Wirken der Bandchemie, die sich nach dem Eintreffen des Rhythmusgespanns der Brüder Ivica und Tomi Gregel sowie des Gitarristen Matija Lapuh geknüpft hat, in einem kurzen, aber süßen Auftritt eine außergewöhnliche Show abgeliefert! Und gleichzeitig eine beeindruckende Verteilung der Klangelemente im Raum! Alles hat hervorragend funktioniert. So wie es sein muss. Die theatralische Figur des einzigartigen Goran – eines Riesen mit einem durchdringend rauen Gesang, der in Momenten, wo Raffiniertheit gefragt ist, verletzlich weich werden kann –, zog natürlich alle Aufmerksamkeit auf sich, denn die Poesie der Gruppe funktioniert in Gorans Interpretation erschreckend real. Die Gruppe hat erneut einen außerordentlich lawinenhaften, ja geradezu ruinös fetten und massiv scharf verzerrten Sound etabliert, dem Jocos Saxofon klanglich einzigartige Qualität zur Art-Prämisse der Gruppe beisteuert. Es »verdickt« nämlich Gitarrenphasen in einer gleichwertigen Rolle, die in den meisten Gruppen von zwei Gitarren gebildet wird. Bei Demolition Group ersetzt das Saxofon also eine Gitarre. Das Rhythmusgespann ist brillant – präzise aufeinander abgestimmt und kalibriert –, und Tomi Gregel fasziniert mit ausgefeilter Technik, Groove und der unglaublichen Entfaltung von Melodie, die sein Bassgitarrenspiel in den Motiven der Kompositionen entwickelt. »Schwarze Rock’n’Roll-Erotik« also, in Regie der herzlichen Brežičaner, wirkte einmal mehr bestrickend und höchst bezaubernd!
Für das große Finale verankerten sich noch Dan D auf der Bühne. Die Band hatte unlängst die Promotionsaktivitäten rund um ihr Projekt Tiho abgeschlossen, im Rahmen derer sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren zahlreiche Konzerte gespielt hatte. Das Projekt Tiho erwies sich als äußerst erfolgreich. Damit vollzog die Gruppe einen kreativen Sprung in eine neue Dimension, was ihr die Tür zu neuer Inspiration und zur Erkundung musikalischer Weiten öffnete. So haben Dan D zuletzt eine Menge neuer Songs geschrieben, von denen sie gleich vier beim Konzert in Kino Šiška vorstellten. Diese platzierten sie irgendwo in der Mitte des Auftritts, und sie wirkten außerordentlich punkrockmäßig aufgedreht. Die Band verspricht nämlich ein neues Studioalbum, das am 1.4.2015 erscheinen soll (und nein, das ist kein Aprilscherz!), dem später noch ein zweites Studioalbum folgen soll. Beide im selben Jahr. Die Band lieferte durch ein außerordentliches Finale mit den Stücken Voda, Čas und als Zugabe der Kombination aus Help! (orig. The Beatles) und der spaßigen Rock’n’Roll-»Ohrfeige« Za naju punca noch eine reizende Konzertbegegnung. Tokac, der sich in einen bärtigen »Lumberjack« verwandelt hat – The Drinkers würden ihn schlicht »König des Waldes« nennen –, bleibt die führende charismatische Figur der Gruppe und ein außergewöhnlicher Bühnenchef. Von links und rechts begleiten ihn wachsam Hauptgitarrist Tučo und natürlich die stets sanft federnde Wärme der fetten Basslinien von Nikola Sekulović. Im Hintergrund hält der Herr des Open, Obra, die Fäden des Gerüsts der Stücke in seinen Händen, während der stets verlässliche Boštjan Grubar mit seinen Keyboards dem atmosphärischen Ergebnis des einzigartigen musikalischen Ausdrucksvokabulars, das Dan D im slowenischen Musikraum vertreten, das i-Tüpfelchen aufsetzt.
Konzertabend einer einzigartigen Erfahrung, geboten von 4 einzigartigen Bands! Ein Abend, dessen Zweck sich in eine Widmung an die Person und das Werk des viel zu früh verstorbenen Gründers des Festivals Jazz Cerkno und des Festivals Keltika, Boštjan Cvek, verwandelt hat – er wird die slowenische zeitgenössische Rockgeschichte sicher nachhaltig prägen! Boštjan hat damit auch sein letztes Konzert gespielt – wir hoffen nur, dass Jazz Cerkno weiterlebt und mit ihm auch Boštjan Cvek. Der Erlös des gesammelten Geldes ist zur Unterstützung seiner Familie bestimmt.
Setlist
ANA PUPEDAN & JANI KOVAČIČ:
1. Doba Tepcev
2. La Carmagnole
3. Ukrajinske neveste
4. Ljudje govorijo
5. Besna
6. Pressing (Važen je)
7. Demošisti & Democisti
8. Prekleti krokodil
9. Faux pass, Hippy
10. Trubarrep
11, Himna 1
12, Tarantela
13. Kanibali
14. Ameba
DEMOLITION GROUP:
1. Kapital
2. Dan dolgih sanj
3. Gospodar
4. Kriv sem za vse
5. Kaplja
6. Planet starcev
7. Romantika
8. Ljubiva za svet
DAN D:
1. Pozitivne misli
2. Jutranja
3. San San
4. Kozlam
5. Hlapec
6. Odrešitev
7. Solze
8. Voda
9. Čas
10. Help! / Za naju punca
Bildergalerie
















































































