Cover To Cover

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Interpret: Morse, Neal
Label: Inside Out Records
Release: 2006
Bewertung: 2.5/5

Während der Aufnahmen zu den letzten drei Soloalben von Multiinstrumentalist Neal Morse vertrieben sich die Mitglieder der festen Studio-Begleitband die Zeit damit, ihre liebsten Coverversionen verschiedener Songs durchzujammen. Neben dem bereits erwähnten Neal Morse sind die Hauptschuldigen für dieses Jam-Album Cover to Cover der unverzichtbare und hyperproduktive Drummer Mike Portnoy sowie Bassist Randy George. Die Songs wiederum haben die drei selbst enorm geprägt – sie haben sie zu dem gemacht, was sie heute sind und was sie in der Musikindustrie bedeuten. Wer Neal Morse näher steht, wird sofort merken, dass man die Songs dieses Albums schon als Bonusmaterial auf Morses letzten beiden Alben Testimony und One finden konnte.

Bis hierhin ist mir persönlich alles klar, aber was ich nicht kapiere: Warum bringt man bereits veröffentlichtes Material noch mal als eigenständiges Album raus? Die treuen Fans von Neal Morse (Anm. d. Verf.: Ich zähle mich definitiv auch dazu) haben das Bonusmaterial vermutlich längst im heimischen Regal stehen. Noch unwahrscheinlicher ist, dass sich irgendein Morse-Fan neben seinen Prog- und Religions-Ausflügen auch noch einen Haufen klassischer Rock-Coversongs in die Sammlung stellen möchte.

Man kann sich den Schritt auf verschiedene Arten erklären. Einerseits ist das Ganze ein klares „Cash-in“-Produkt, andererseits läuft das Album nicht als eines von Neals Nebenprojekten, sondern ist schlicht mit den Namen Morse, Portnoy und George unterschrieben. Noch seltsamer: Die einleitenden Worte zum Album stammen von Portnoy, und auf Morses offizieller Seite findet sich obendrein nicht die geringste Referenz auf dieses Album. Es bleiben also zwei Erklärungen: Entweder war es einfach die Idee von Mike Portnoy, oder es ist ein Marketing-Move des Labels InsideOut. Ich persönlich halte Letzteres für am wahrscheinlichsten.

Aber lassen wir die Kleinigkeiten beiseite und widmen wir uns lieber der Musik. Die soll für sich sprechen, und wenn schon sonst nichts, beweist das Album zumindest, dass die Jungs im Grunde alles spielen können. Und das ist ja auch was!

Besonderes Lob verdient Neal Morse, der mit seinen Gesangskünsten sowohl Bowie als auch McCartney oder sogar Bono imitieren kann. Der hyperproduktive Mike Portnoy zeigt uns in manchen Momenten ganz unverschämt, dass er auch singen kann. Was mich an Morses letzten Soloalben, seit er seine Stammband Spock`s Beard verlassen hat, am meisten stört, ist, dass sie sich vom Gesang her alle sehr ähnlich anhören – im Gegensatz zu Cover to Cover, das jetzt vor uns liegt, kann ich das hier aber nicht behaupten.

Alle Coverversionen klingen mehr oder weniger sehr nah an den Originalen, die einzige Ausnahme ist U2s Where The Streets Have No Name mit einem leicht verzögerten Intro. Völlig normal, dass manche Songs besser gelungen sind, andere weniger. Die wichtigste Rolle bei der Bewertung des einzelnen Songs spielt natürlich der persönliche Geschmack. Wenn ich mich musikalisch irgendwie als Eklektiker bezeichne, gibt es bei mir keinen „Favorite One“-Song. Für mich ist das Album deshalb eher eine Alternative, die ich mir übers Radio anhören würde, das bei mir jeden Tag auf der Arbeit läuft, und nicht etwas, das ich zu Hause regelmäßig auflegen würde. Genau wie Fishs Songs from the Mirror von vor gut 13 Jahren gefällt mir das Album grundsätzlich. Schon in der Songauswahl findet man viele abwechslungsreiche Variationen, zum Beispiel setzt Morse McCartney in Maybe I’m Amazed und George Harrisons What Is Life ein Denkmal. Beides ist magisch und hat mit den beiden bereits veröffentlichten Coverversionen, die Neal vor Jahren mit seiner Stammband Spock`s Beard auf dem Album Beware Of Darkness aufgenommen hat, überhaupt nichts gemein.

Wie bei jedem Dessert kommt natürlich das Beste zum Schluss, und zwar mit der Version von Tuesday Afternoon von The Moody Blues, die logisch und stimmig in einen sentimentalen Fade-out mit der Blind-Faith-Nummer Find My Way Back Home übergeht. Dass genau diese beiden Songs – das zeigen Reihenfolge und Veröffentlichungsjahre – schon 2003 zu den ersten veröffentlichten Covern gehörten, überrascht ebenfalls nicht.

Wie gesagt: Die Sammlung Cover to Cover hat einiges Interessantes zu bieten. Das Einzige, was mich immer noch umtreibt: „Wer hat sich so ein Album eigentlich gewünscht und darauf gewartet?“ Zum Glück wird das Album unter dem Vermerk „Special price“ verkauft, sonst könnte man wirklich glauben, dass es nur ein Marktschachzug ist. Danke.

Besetzung

Neal Morse – Gesang und alles andere
Randy George – Bass
Mike Portnoy – Schlagzeug

Tracklist

2005 Sessions:
1. Pleasant Valley Sunday (4:44),
2. Badge (2:51),
3. Maybe I’m Amazed (4:03),
4. Where Do The Children Play (4:40),
5. I’m The Man (4:05),
6. Feeling Stronger Everyday (5:39),
7. Rock And Roll Suicide (3:28),
2004 One Sessions:
8. Where The Streets Have No Name (5:47),
9. Day After Day (3:26),
10. What Is Life? (4:28),
11. I’m Free/Sparks (6:36),
2003 Testimony Sessions:
12. Tuesday Afternoon (6:32),
13. Find My Way Back Home (6:49)

Laufzeit des Albums: 63:08

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