Coma Ecliptic

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Autor: Primož Novak

Künstler: Between The Buried And Me
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: year_month
Länge: 68:31
Bewertung: 4.2/5

Die amerikanische Band Between the Buried and Me hat bereits mit ihren ersten Alben klargemacht, dass Dillinger Escape Plan und Converge nicht die einzigen Bands sind, die chaotische Musik spielen können. BTBAM haben mit kleineren Besetzungswechseln ihren Stil und Ansatz deutlich verändert. Das Chaos blieb zwar erhalten, aber die Musik selbst wurde progressiver, die Songs länger und komplexer. Die Band war nicht auf einen einzigen Stil festgelegt, Grenzen gab es schlicht keine mehr. Das bewies vor allem das Album Colors (2007), das nach wie vor der bedeutendste Meilenstein ihrer Karriere bleibt – und das macht sie gleichzeitig zu einem der wichtigsten Namen der modernen Progressive-Szene.

Obwohl man über Colors sagen könnte, dass die Band damit alles erreicht hat, versuchte sie mit jedem weiteren Werk noch einen draufzulegen. The Great Misdirect (2009) und beide Teile von Parallax (EP Hypersleep Dialogues und Album Future Sequence) bestätigten das Rezept der Band lediglich. Klanglich legten sie zu, an Überraschungen fehlte es ebenfalls nicht. Für Coma Ecliptic kündigte die Band erneut etwas Anderes an. Als Vorbild nannte sie Rockopern. BTBAM wollen sich trotz der Anzahl ihrer Alben nicht wiederholen, auch wenn sie dadurch Fans verlieren könnten. Es ist ein Prozess des ständigen Weiterentwickelns und Experimentierens, den die meisten Bands nicht verfolgen. Die Andersartigkeit auf Coma Ecliptic wird diesmal auch durch Anzahl und Länge der Songs bestätigt. Auf dem Album gibt es nämlich nur einen zehnminütigen Track, die anderen sind kürzer – aber es handelt sich hier nicht um typische Songs mit Pop-Struktur.

Mit dem Eröffnungstrack Node beginnt das Album ähnlich wie zuvor: ruhig, mit zartem Klavier und klarem Gesang, bevor nach und nach weitere Instrumente einsetzen. Beim nächsten Song The Coma Machine bekommt der Hörer dann ziemlich »typischen« BTBAM-Stoff zu hören. Die Band verwebt in siebeneinhalb Minuten jede Menge Elemente verschiedener Genres, aggressive und ruhige Teile kombinieren sich auf ungewöhnliche Weise, die Struktur ist unvorhersehbar, und der Refrain trifft erneut ziemlich unerwartet ein. Man könnte sagen, das ist das klassische Rezept der Band – wer ihre Vergangenheit nicht kennt, dürfte allerdings mehr als überrascht sein. Mit den darauffolgenden Songs offenbart sich der andere Kurs dieses Albums. Die Band betont nicht mehr die brutale Metalcore-Seite, sondern greift auch zu rockigeren Mitteln. Tommy Rogers‘ Gesang ist dabei mehr aufs Singen als aufs Schreien ausgerichtet. Egal bei welchem Song – die Band hält Überraschungen bereit. So taucht etwa in King Redeem – Queen Serene nach einem ruhigen Teil sogar eine Black-Metal-Passage auf, die in eine synkopierte Phrase übergeht – womit die Band zeigt, wie schnell sich Schlichtheit verkomplizieren kann. Solche Überraschungen passieren in 68 Minuten viele, wie es in der Natur der Band liegt. Die Band schafft es, in wenigen Minuten verschiedene Stile zusammenzufassen: Metalcore, Death Metal, Jazz, Blues Rock, Progressive Rock der Siebziger oder Psychedelik im Sinne diverser Projekte von Mike Patton (Faith No More).

Je mehr sich das Werk dem Ende nähert, desto mehr hat man den Eindruck, dass Tommy Rogers, Sänger und Keyboarder der Band, auf diesem Album das Sagen hatte. Seine elektronischen Einlagen und Keyboards sind deutlich präsenter. Mancherorts werden sie auch in die Länge gezogen, um die Atmosphäre aufzubauen, die dem Konzept mehr Substanz verleihen soll.  Da Melodiegesang überwiegt, gibt es auch mehr verträumte Passagen und eingängige Refrains. Tommy zeigt dabei verschiedene Gesangstechniken – besonders der Einfluss von Mike Patton sowie Freddie Mercury ist offensichtlich (wobei es hier nicht um die Stimmhöhe geht, sondern um die Gesangslinien). Das Hauptproblem dabei ist allerdings, dass Tommy Rogers‘ Gesang nervig sein kann und man einige Zeit braucht, um sich daran zu gewöhnen. Man könnte ihm vorwerfen, dass Tommy Rogers ein stärkeres Soloalbum machen wollte, für das er gute Musiker brauchte.

Bei den übrigen Bandmitgliedern wirkt es zum Glück nicht so, als würden sie wegen Rogers‘ Dominanz in den Hintergrund gedrängt. Schlagzeuger Blake Richardson beweist seit 10 Jahren, dass er schnell und technisch spielen kann und gleichzeitig ein feines Gespür für ruhige Rhythmen hat. Am besten glänzt er in den komplexeren Passagen, wo er mit dem sinnvollen Einsatz von Becken und Füßen dem Song das gewisse Etwas verleiht. Die Gitarristen Waggoner und Waring sorgen für außergewöhnliche Riffs. Der Fokus liegt zwar nach wie vor auf Melodie, aber Kakophonie ist den beiden nicht fremd – damit unterstreichen sie, dass die Band das Chaos nicht aufgegeben hat. Waggoner sticht diesmal nicht mehr so mit seinen Soli hervor, die BTBAM einst so besonders gemacht haben, macht das aber mit ruhigen, unverzerrten Passagen schnell wieder wett. Auch Bassist Dan Briggs kommt nicht zu kurz: Mit seinen Linien füllt er das ohnehin schon volle Klangbild hervorragend aus.

Das Album ist wieder konzeptuell, was für die Band und generell für Progressive-Bands typisch ist – also nichts Überraschendes. Das Konzept dreht sich um eine Person im Koma, die durch ihre vergangenen Leben reist und dabei entscheiden muss, ob sie in einem bestimmten Leben bleibt oder ihr Glück woanders versucht. Die Songs wirken irgendwie zusammenhängend, lassen sich aber auch als eigenständige Stücke verstehen.

Mit Coma Ecliptic beweisen Between the Buried and Me, dass ihnen noch immer nicht die Ideen ausgegangen sind, ein andersartiges Album zu machen. Wieder handelt es sich um ein anspruchsvolles, ungewöhnliches Werk, das zeigt, dass man in der Musik viel experimentieren und sich anderen Genres öffnen muss. BTBAM verdienen auf jeden Fall Respekt dafür, dass sie nach allem, was sie bereits gezeigt haben, immer noch mit einem anderen Ansatz und einem außergewöhnlichen Gespür fürs Songwriting überraschen können.

Besetzung

Tommy Rogers – Gesang, Keyboards

Paul Waggoner – Gitarre, Gesang

Dustie Warring – Gitarre

Dan Briggs – Bass

Blake Richardson – Schlagzeug

Produktion

Jamie King

Trackliste

1. Node
2. The Coma Machine
3. Dim Ignition
4. Famine Wolf
5. King Redeem / Queen Serene
6. Turn on the Darkness
7. The Ectopic Stroll
8. Rapid Calm
9. Memory Palace
10. Option Oblivion
11. Life in Velvet

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