Club Deuce

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Balladero
Label: Eigenproduktion
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 60:17
Wertung: 4.5/5

Balladero ist niemand anderes als der Schlagzeuger der ruhenden, eklektischen Prekmurjer Alternative-Band Psych- Path, Dominik Bagola.  »Club Deuce« ist sein erstes eigenes Studioalbum, und der gewählte Name Balladero passt hervorragend zum Charakter des Albums. Das Album ist verträumt, vollgepackt mit Melancholie, sanft erotogen verführerisch – und gleichzeitig von Mystizismus und einer allumfassenden Intimität durchzogen, voller sinnlicher, persönlich bekenntnishafter Note.  

Dominik hat zweifelsohne seinen »kleinen musikalischen Reifetest««  während seiner Zeit bei Psycho-Path absolviert, die ihre Aktivitäten 2009 still eingestellt haben. »The Ass Soul of Psycho-Path« ist bis heute, als fünftes Studioalbum von Psycho Path, das anspruchsvollste in Bezug auf das Anheben der kreativen Messlatte, wenn es nach musikalischem Experiment und Eklektizismus greift. Die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Produzenten aus Florida, Bobby MaCintyre – ehemaliges Mitglied von The Twilight Singers, der in der Vergangenheit auch mit Künstlern wie Bad Brains, Jimmy Girl, Lucinda Williams und Mark Lanegan zusammengearbeitet hat –,  spielt  eine der integralen Rollen bei der Reifung von Dominik Bagola als Musiker (besonders in den letzten Jahren). Die Freundschaft mit MaCintyre hat Dominik in sein erstes eigenes Studioalbum einfließen lassen, und MaCintyre half ihm sowohl bei der Gestaltung des Klangbilds des Werks als auch beim Beitragen von Arrangements und dem Spielen einer ganzen Reihe von Instrumenten.

Dominik Bagola tritt diesmal als Hauptvokalist ins Zentrum der Geschichte und sorgt neben den Vocals auch dafür, dass das klassische Klavier durchgehend der integrale Träger der klanglichen Begleitung ist. Dominik ist nicht als Vokalist bekannt, der über einen technisch geschliffenen und/oder professionell ausgebildeten Gesang verfügt. Das braucht er auch nicht. Er besitzt nämlich eine besondere Vokalfarbe, die seiner Vokalinterpretation den echten Zauber inhaltlicher Greifbarkeit mit einem voll ausgearbeiteten Charakter verleiht. Die Songs sind der Reihe nach in mittelschnellem Tempo geschnitten. Zum Piano gesellen sich Arrangements für Streicher (Cello, Violinen), Xylophone (metallisch, hölzern), Orgel sowie die obligatorische begleitende Umarmung der »klar klingenden« Gitarre und Rhythmussektion. In einem solchen Umfeld wirkt das Klavier beinahe »cavemäßig«, was das Melos überbordender Melancholie betont – so wie es das Diktat von Dominiks verträumtem, angenehm scheuem, aber sinnlich bekenntnishaftem Gesang vorgibt. Die Begleitkulisse ist vollkommen organisch, die Landschaft der so aufgereihten Elemente der geschaffenen Klanglandschaft ist außergewöhnlich saftig, farbenfroh bewegt und vollständig ausgeschöpft. Wer den Moment sucht, wo die Intensität der persönlich bekenntnishaften Note auf dem Album besonders betont ist, findet ihn in Long Distance To Ruin.

Ein willkommener Zug, der das Bild des Albums zusätzlich aufbricht, die dynamische Entwicklung der Ereignisse darauf anhebt und die Bandbreite der eingefangenen Stimmungszustände offenbart, ist die Integration von Frauenvokalen. In Dominiks Arrangement-Rahmen findet der Gesang von Jadranka Juras im Duett des Songs Če bi hervorragend seinen Platz; in dieser Hinsicht steht auch der Gesang von Melanija Fabičič im Song Monsters in nichts nach – er beschwört auf dem Album eine völlig neue Erfahrung herauf.

Die Melodien klassisch geschnittener Linien, in denen die Melancholie des Prekmurjer Hauchs eisiger pannonischer Nächte schamlos regiert, werden häufig von sanften Abweichungen hin zu Blues-Wendungen getragen, während die Figurierung der Songs und ihrer Leitmotive viele Ansätze trägt, die geradezu nach der Entfaltung einer Jazz-Improvisation verlangen. Doch das passiert nicht. Dominik Bagola sorgt für vollständige Kompaktheit, die von den Lead-Vocals und der integralen Rolle des Pianos beherrscht wird. Die Musiker gehen bei der Schaffung der Begleitkulisse sophistiziert vor – die platzierten Bausteine kommunizieren miteinander und koexistieren einzigartig in einem hervorragend kontrastierten Ambiente vollständiger Harmonie organischer, lebendiger und dynamischer Klangproduktion. In diesem sophistizierten Charakter tritt das Element reizvoller Sinnlichkeit reichlich an die Oberfläche. Das Prinzip: Je zarter du ein Motiv oder eine Vokallinie interpretierst, desto intensiver kommt genau diese Geste zum Ausdruck und berührt infolgedessen den Hörer. Und genau das ist der große Vorteil dieses Albums, da dieses Element reichlich betont wird. Deshalb ist »Club Deuce« in seiner Ausdrucksweise außergewöhnlich authentisch, real, inhaltlich greifbar und steht im Sinne des Artismus der dargebotenen musikalischen Substanz völlig eigenständig da. Mirror See gehört zu den Besonderheiten des Albums – die Melodie trägt einen Hauch des Elements der Prekmurjer Pastorale, die geschickt in das Bild des Songs eingewoben ist. Diese hallt noch intensiver im abschließenden Instrumental Prekmurska nach, wo man auch einige Zigeuner-Ornamente unschwer ausmachen kann.

Die Meisterschaft Dominik Bagolas zeigt sich im Arrangieren der Ausgangspunkte des Albums, wo das Klavier in den Begleitlinien den Vokallinien dissonant ausweicht, was den Stimmungszustand dramatisiert und die Songs eigentlich in ihren abschließenden Höhepunkt führt. Solche Vorzüge schämt sich zum Beispiel Dream Come Lie keineswegs. Die Melodie der Strophe in Lioness zieht unbeabsichtigt hin zu Vokallinien, wie sie Steve »H« Hogart im heutigen  Marillion gerne entleiht (Eigenart des Verses: »What it is… Is what you get«).»Club Deuce« ist ein Album voller unpretentiöser, kurzer, aber prägnanter Kniffe. Der Vorteil des Albums liegt nicht im Vorführen handwerklicher Geschicklichkeit, sondern im geschickten multifacettenhaften Zusammenführen einzelner Klangbausteine zu einem außergewöhnlich genussvollen und der Rezeption stets geneigten organischen musikalischen Bilderbuch, das einen einzigartigen künstlerischen Charakter schmückt.  Die vollkommene symbiotische Mischung, in hervorragender Ausschöpfung der Anordnung dieser kurzen Prägnanz nach dem Prinzip »weniger ist mehr«verkörpert ausgerechnet der längste Song des Albums namens Superbomber, der sich nicht eine Sekunde lang langweilen lässt und vor allem mit einem dramatischen »Crescendo« am Ende überzeugt.

Vergleiche mit Vladek sind nicht wirklich angebracht, doch die geografische Herkunft beider Musiker ist es, was sie in der Vermittlung musikalischer Information sicherlich auf eine gewisse Weise verbindet. Deshalb wird dieses Album sicherlich  auch für  alle interessant sein, die dem Wesen und Werk von Vlado Kreslin zugetan sind. Die Krainer Band The Tide ist eine weitere solche Gruppe, die in der schwer verfolgbaren Linie der Eklektizität wandelt, mit dem Credo der Ästhetik strikter Vereinigung organischer Collagen schafft und durch Besonderheit fasziniert. Auch wer The Tide kennt, findet in »Club Deuce« viele Gründe, dieses Album zu genießen. »Club Deuce« ist ein zutiefst bekenntnisreiches Album, sinnlich reich, das oberflächliches Hören nicht verträgt – das aber zweifellos alle Musikgourmets belohnt, die nach Musik mit besonderem Charakter suchen! „Club Deuce“ ist ein echter Vorbote des Begriffs „Independent Rock“!

Besetzung

Dominik Bagola – Gesang, Klavier, Schlagzeug, Perkussion, Hammond, Xylophon,
Bobby MaCintyre – Schlagzeug, Backing-Vocals, Perkussion, Xylophon, Gitarre, Cello
Shane Soloski – Bassgitarre
Lorenzo Corti – Gitarre
Iztok Rodež – Gitarre
Sašo Benko – Gitarre
Aljoša Bagola – Keyboards
Jure Bergant – Doppelbassgitarre
Luka Ščavničar – Bassgitarre
Samo Budna – Violine
Matej Šavel – Schlagzeug
Tanja RAvljen – Gesang
Jadranka Juras – Gesang
Melanija Fabičič – Gesang
Lina Rahne – Gesang

Produktion

Bobby MaCintyre

Trackliste

1. Pawnshop
2. I Guess
3. Dream Come Lie
4. Lioness
5. Shadow Street
6. Shallow Creeks
7. Če bi
8. Monsters
9. Mirror See
10. Long Distance To Ruin
11. Superbomber
12. Prekmurska

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