Close As You Get
Künstler: Moore, Gary
Label: Eagle Records
Release: 2007
Moores neuester Beitrag zum Blues Rock ist eine ausgesprochen lauwarme Angelegenheit, wenn man so will fast schon eine echte Farce. Der alte irische Schnellfinger-Maestro kehrt 2007 mit einem weiteren ziemlich durchschnittlichen Produkt zurück – zwar voll atemberaubendem Gitarrenspiel, das die Wunden aber keineswegs heilen kann, die durch das allzu seelenlose und stellenweise ziemlich öde Wiederkäuen längst hundertmal gehörter Phrasen geschlagen wurden. An den Fähigkeiten des Gitarristen zweifelt ohnehin niemand. Bei Close As You Get bestätigt sich einfach wieder die These, dass Moore seit dem Triumph von Still Got The Blues kein nennenswertes Blues-Dokument mehr gelungen ist, das neben Garys außergewöhnlichem Talent auch noch jene Magie, jene zauberhafte Energie eingefangen hätte, aus der sich das Gesicht von Oh, Pretty Woman, Walking By Myself und all den anderen verwandten Blues-Juwelen von Gary einst geformt hat.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Close As You Get ist in jeder Hinsicht ein solides Stück Kunst. Es geht nur darum, dass man von einem Musiker vom Schlag eines Moore eben doch mehr erwarten würde. Statt der nicht gerade überzeugenden Bearbeitungen alter Blues-Klassiker, die sich in Gesellschaft durchschnittlicher eigener Ideen am Ende sogar als die stärksten Momente des Albums entpuppen, könnte uns der Herr doch mal mit einer überzeugenderen Demonstration seines musikalischen Könnens erfreuen. Leider nähern wir uns so immer mehr der Erkenntnis, dass Herrn Moore mit den allzu schnell verstreichenden Jahren die guten Ideen zunehmend davonlaufen. An diese unangenehme Tatsache erinnert uns gleich zum Auftakt des Albums unverschämt If The Devil Made Whiskey, eine schwer beladene Blues-Rock-„Hymne“, die vor allem wegen Garys sichtlich aufgesetztem „Bad Ass“-Gesang alles andere als erhaben wirkt. Gary ist eben nicht Katon oder Vaughan. In seiner sehr erfolgreichen Karriere hat er sich ein unverwechselbares musikalisches Profil erarbeitet, das in der zweiten Hälfte der Achtziger und Anfang der Neunziger mit seinem feinen Gespür für Anmut und Eleganz begeisterte. Umso unverständlicher wirkt seine Inszenierung eines unehrlichen Yankee-Images, die wir hier serviert bekommen.
Mit dem stimmungsvollen Trouble At Home kommt alles wieder in geordnete Bahnen, und als langjähriger Moore-Fan wirst du darin ohne Probleme As The Years Go Passing By wiedererkennen. Der Song ist ein schönes Beispiel für die unglaubliche Sinnlichkeit des Gitarristen, die dich auch diesmal garantiert nicht kaltlassen wird. Eine ähnliche Stimmung zaubern die melancholische Evenin‘ und die nächste typisch Moore’sche Heulboje Nowhere Fast, nach der du garantiert einen ordentlichen Tritt in den Arsch brauchst. Diese Medizin bekommst du mit dem völlig ausdruckslos angelegten Thirty Days von Chuck Berry leider nicht. Gut, dass direkt danach Hard Times einsetzt, dessen interessanter Dialog zwischen Gitarre und Mundharmonika zweifellos alle Huey-Lewis-Fans zufriedenstellen wird. Statt aufgesetzter Selbstporträt-Retusche tut es Gary jedenfalls eher gut, in den Schätzen der Vergangenheit zu stöbern. In seinen eigenen, versteht sich, und nicht in denen von Mayall! Seine Have You Heard erweist sich zwar als ziemlich interessante Interpretation des legendären Werks von John und Clapton, bleibt aber in der Wucht ihrer emotionalen Ladung doch weit hinter der Wirkung des Originals zurück. Besser kommen Williams‘ Eyesight To The Blind und Chekin‘ Up On My Baby weg, Letztere wieder stark am Erbe des großen John Mayall orientiert, der Gary offenbar sehr am Herzen liegt. Interessant, dass sich Moore bei all diesen Coverversionen diesmal kein einziges Mal seinem größten Vorbild Albert King zuwendet. Stattdessen „streicheln“ dich in der akustischen Sundown fiese Arrangements die Ohren, die weniger an King oder Moore als vielmehr stark an den unvergesslichen Slide von Elmore James erinnern, während dich die Frechheit des Gesangs nebenbei noch an die Rhetorik von Robert Johnson denken lässt. Der Song ist sicher die größte Überraschung des Albums, denn einen so aufgelegten Moore sehen wir nicht gerade oft. Offenbar hat sich der Herr mit seinen nicht gerade taufrischen 55 Jahren erneut für eine radikalere musikalische Verwandlung entschieden, die ihm Anfang der Neunziger weltweiten Ruhm als einer der größten Blues-Rocker einbrachte. Ich hoffe wirklich, dass dem nicht so ist. Falls doch, wird Gary Moore in Zukunft sicher noch öfter Hauptthema heißer Debatten sein.
Besetzung
Gary Moore: Gitarre/Gesang
Brian Downey: Schlagzeug
Vic Martin: Keyboards
Pete Rees: Bass
Produktion
Gary Moore & Ian Taylor
Tracklist
1.If The Devil Made Whiskey
2.Trouble At Home
3.Thirty Days
4.Hard Times
5.Have You Heard
6.Eyesight To The Blind
7.Evenin‘
8.Nowhere Fast
9.Checkin‘ Up On My Baby
10.I Had A Dream
11.Sundown
Spielzeit: 52.09