Clear (EP)
Autor: Primož Novak
Interpret: Periphery
Label: Sumerian Records
Veröffentlichung: year_month
Laufzeit: 29:12
Bewertung: 3.5/5
Periphery sind in den letzten Jahren in der Metal-Szene zu einer Art Reizthema geworden. Sie haben ihre Befürworter, aber auch ihre Feinde. Letztere werfen ihnen nämlich vor, auf Basis einer einzigen Riff-Variation ein ganzes Genre namens Djent begründet – und natürlich popularisiert – zu haben. Trotz aller Kritik muss man anerkennen, dass Periphery eine äußerst kreative Band sind, bei der die Ideen nur so sprudeln. Praktisch jedes Jahr überraschen sie mit etwas Neuem.
Die Band nimmt derzeit ihr drittes Studioalbum namens Juggernaut auf, das eigentlich schon dieses Jahr erscheinen sollte – doch angesichts der vielen Touren, die die Band absolviert, war schlicht keine Zeit für das Album. Außerdem machen Periphery keine Alben im Schnellverfahren, sondern nehmen sich für die Produktion enorm viel Zeit. Für die Ungeduldigen hat die Band aber Anfang des Jahres mit dem EP Clear überrascht, der sieben neue Songs bietet. Den ersten instrumentalen Track Overture haben alle Mitglieder gemeinsam geschrieben, alle anderen Songs jeweils ein Mitglied allein. Damit wollte die Band auch ihren Arbeitsstil zeigen – welchen Stil jedes Mitglied hat und welchen Sound es in den Vordergrund stellt.
Nach Overture geht Clear weiter mit The Summer Jam, geschrieben von Gitarrist Jake Bowen. Der Song an sich ist eigentlich nichts Besonderes – er wirkt wie eine Art B-Side aus dem kreativen Prozess der letzten beiden Alben. Der nächste Track Feed The Ground, geschrieben von Drummer Matt Halpern, macht da schon einen viel versprechenderen Eindruck. Er ist von allen am groovigsten und rhythmisch deutlich dynamischer. Dazu ist er durch den Einsatz von Keyboards ziemlich atmosphärisch, was ihm auch eine düstere Note verleiht. Für das instrumentale Zero, geschrieben von Bandgründer Misha Mansoor, könnte man sagen, dass es der Höhepunkt dieses Werks ist. Trotz des fehlenden Gesangs ist die Dynamik des Songs außergewöhnlich, ebenso die Struktur, und das Riffing ist in seinem typisch »zerbrochenen« Stil. Zero bestätigt, dass Mansoor nach wie vor das Herzstück dieser Band ist. Der fünfte Track The Parade Of Ashes, geschrieben von Sänger Spencer Soltelo, ist im Grunde der poppigste Song des gesamten Releases. Soltelo kombiniert auch diesmal seinen melodischen mit seinem rauen Gesang. Den melodischen Gesang empfinden manche zwar als unpassend und zu sanft, aber seine Fantasie für Gesangslinien kennt keine Grenzen. Den sechsten Track Extraneous hat Bassist Adam „Nolly“ Getgood geschrieben, der eigentlich von Haus aus Gitarrist ist. Er stieß nämlich zur Band, nachdem das zweite Album bereits fertiggestellt war, und machte sich zuvor bei der englischen Band Red Seas Fire einen Namen. Das instrumentale Extraneous sticht nicht so heraus wie Zero, aber im Gegensatz zu Mansoor hat er dabei die Bassgitarre stärker in den Vordergrund gestellt – was aus produktionstechnischer Sicht wieder ein interessanter Aspekt ist. Nolly ist übrigens auch Produzent, und sein Beitrag wird auf dem Album Juggernaut noch deutlicher zu hören sein. Der abschließende Track Pale Aura, geschrieben von Mark Holcomb, balanciert am stärksten zwischen Melodie und Brutalität, zu der Matt Halpern mit Blast Beats und schnellen Doublebass-Pedalen beigetragen hat.
Für Clear lässt sich nicht behaupten, dass es ein Spitzenprodukt ist – aber es spiegelt die Identität jedes einzelnen Mitglieds ausgezeichnet wider, was durchaus eine eigene Leistung ist. Nun hat Periphery die Fans mit dem Release zumindest ein wenig beglückt, während alle auf das neue, umfangreichere Album Juggernaut warten.
Besetzung
Spencer Sotelo – Gesang, Gitarre und Bass auf „Feed The Ground“ und „The Parade Of Ashes“
Misha Mansoor – Gitarre, Programmierung, Produktion
Jake Bowen – Gitarre
Mark Holcomb – Gitarre
Adam “Nolly” Getgood – Bassgitarre, Gitarre, Programmierung und Produktion auf Extraneous
Matt Halpern – Schlagzeug
Produktion
Misha Mansoor, Adam „Nolly“ Getgood, Taylor Larson
Trackliste
1. Overture
2. The Summer Jam
3. Feed The Ground
4. Zero
5. The Parade Of Ashes
6. Extraneous
7. Pale Aura