Circa

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Interpret: Circa:
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2007

Da Yes partout nicht zusammenfinden, um noch ein Studioabenteuer zu wagen, erleben wir in letzter Zeit eine Welle von Soloprojekten einzelner Yes-Mitglieder. So ist auch Circa: entstanden, das eher ein kurzlebiges Projekt ist als eine richtige Band. Circa:, die sich in ihren Urzeiten zunächst Family nannten, sind eine Zusammenarbeit aktueller und ehemaliger Yes-Mitglieder mit Leuten, die irgendwie an Yes-Alben mitgewirkt haben. Klingt kompliziert, oder? Ist aber halb so wild. Wenn wir uns die Namen anschauen: Billy Sherwood, der in der zweiten Hälfte der Neunziger bei Yes die Gitarre schrammelte, Alan White, der seit 1973 bei Yes dabei ist, die verlorene Yes-Seele Tony Kaye an den Keyboards und Gitarrist Jimmy Haun, der einen wichtigen Teil der Gitarrenarbeit auf dem abortiven Yes-Streich „Onion“, pardon, „Union“ (1991) gestemmt hat – dann sind das beste Voraussetzungen für ein regelrechtes Refugium, einen Zufluchtsort für all die energetisch-kreativen Überschüsse, die zu Yes zurückfließen könnten, wenn es denn die Möglichkeit dazu gäbe. Mit Circa: ist genau so ein Ort entstanden.

Circa: nutzen die Abwesenheit von Yes geschickt aus. Diese Ausschlachterei ist in allen parallel-kreuz-und-quer-Vergleichen zwischen Yes und Circa: stellenweise geradezu schamlos geschmacklos. Die erste Überraschung, die Circa: mitbringen, ist die Tatsache, dass wir Sherwood diesmal nicht an der Gitarre hören, wo wir ihn kennen, sondern am Bass. Die Überraschung ist umso größer, weil Sherwood die Arbeit von Chris Squire aus dem gemeinsamen Projekt Conspiracy komplett übernimmt. Der Hinweis, dass Sherwood eigentlich das Beste von Squire aufgesogen und gekonnt auf Circa: übertragen hat, trifft den Nagel auf den Kopf – wer vorher nicht die Besetzungsliste überflogen hat, bevor er die CD in den Player geschoben hat, hätte Sherwood mit Squire glatt verwechseln können. Das Album „Circa“ ist im Grunde Yes, eingefangen in der Phase des Albums „Open Your Eyes“ (1998), und wegen Hauns Spielweise, die der von Steve Howe ähnelt, neigt sich das Album stellenweise stark zum Yes-Album „The Ladder“ (1999). Und wenn Conspiracy eigentlich Yes mit Sherwood an der Gitarre sind, dann sind Circa: Yes mit Haun an der Gitarre. Spannend ist der Gedanke, was passiert wäre, wenn bei Asia 1981 Chris Squire an die Stelle von John Wetton getreten wäre. Hätten wir von Asia dann vielleicht schon damals etwas bekommen, das stark nach Conspiracy meets Yes zu „The Ladder“ oder „Open Your Eyes“ geduftet hätte?

Weil Sherwoods Gesang ähnlich intoniert ist wie der von Chris Squire, weil der Mann buchstäblich durch dieselben Basslinien des wackeren Yes-Recken navigiert und dazu auch noch den für Squire typischen Produktionssound der Basslinie kopiert hat, erinnert die ganze Sache auf den ersten Höreindruck am meisten an Conspiracy. Schlicht und einfach hat Sherwoods Gesang in diesem ganzen Vergleichen das größte Gewicht, das die Waagschale zu seinen Gunsten kippen lässt. Wie  schon erwähnt, entfernt Circa: von Conspiracy nur die Gitarre von Jimmy Haun. Aber nirgendwohin sonst als wieder in Richtung Yes der zweiten Hälfte der Neunziger. Kaye und White sind Standard. Kaye schwebt durch Klangcollagen, in denen er Linien legt, Keyboard-Soli bekommt ihr von ihm keine, Kaye ist einer der Hauptarchitekten der Stimmung. Dazu kommt ein kurzes Procol-Harum-artiges Solo auf der Hammond B3 im Song Look Inside aus Kayes Fingern, eine echte Mini-Delikatesse des Albums und eine gewaltige Überraschung.

Kurz gesagt: Nach allem, was ich bis hierher gesagt habe, ist das Album nichts Besonderes, wenn man späte Yes oder Conspiracy kennt. Es ist ein sehr schönes Progressive-Rock-Album, gehüllt in eine ordentliche Portion episch-melodischer Sinfonik. Die Circa:-Truppe füllt eben effektiv die Lücke, die Yes mit ihrer Abwesenheit auf der Bildfläche hinterlassen haben. Sehr gelungen und überzeugend macht die Mannschaft von Circa: genau das, was sie in einer der hypothetischen Formationen von Yes tun würde. „Circa“ ist ein Album, das für Yes-Fans interessant sein dürfte, vor allem als Ersatzdroge nützlich, die zumindest ein wenig hilft, die aktuell viel zu lange Funkstille bei Yes zu lindern, deren Warterei sich hoffnungslos zäh ins siebte Jahr seit dem letzten Yes-Studioalbum „Magnification“ (2001) zieht. Einen Tipp hab ich noch. Wenn Jon Anderson zu Circa: käme, hätten wir aus dem Projekt Circa: im Nu eine neue Reinkarnation von Yes.

Besetzung

Billy Sherwood – Gesang, Bass
Jimmy Haun – Gitarre, Backing Vocals
Tony Kaye – Keyboards, Hammond-Orgel
Alan White – Schlagzeug, Backing Vocals

Produktion

Billy Sherwood

Tracklist

1. Cut the Ties (5:40)
2. Don’t Let Go (6:57)
3. Together We Are (6:31)
4. Information Overload (5:54)
5. Trust in Something (7:55)
6. Keeper of the Flame (2:32)
7. Life Going By (3:47)
8. Look Inside (5:04)
9. Brotherhood of Man (11:48)

Spieldauer: 56:08

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