Chained
Künstler: Crystal Eyes
Label: Metal Heaven
Veröffentlichung: 2008
Laufzeit: 42:36
Wertung: 2.5/5
Klassischer europäischer Power Metal, der vor gut 10 Jahren anfing aufzublühen. Für alle, die das breite Spektrum eines Erbes lieben, das von HammerFall über Dream Evil bis hin zu Firewind reicht: Auch beim Hören von Crystal Eyes werdet ihr euer warmes Zuhause finden. Die Ära, in der der Markt mit Bands wie Crystal Eyes geradezu gesättigt war, ist vorbei, und solche Stürme mit Stratovarius, Rhapsody of Fire und HammerFall an der Spitze haben sich mittlerweile ganz gut gelegt. Der Power Metal zieht sich langsam in den Untergrund zurück. Daher ist es interessant, sich ab und zu eine Promo-CD zu schnappen, die wieder in diesem Musikstil geschrieben ist.
Crystal Eyes aus Schweden existieren seit 1992 – und es wäre ungerecht, sie als Klon abzutun. All die Jahre haben sie ihren eigenen Weg beschritten, kaum Publicity bekommen, aber trotzdem an ihrer Überzeugung festgehalten. Die Frucht davon ist ihr fünftes Studioalbum mit dem Titel „Chained“. Ex-Lost Horizon-Sänger Daniel Heiman verließ die Band nach dem Album „Confessions of the Maker“ (2005), und an seine Stelle trat der explosive Nico Adamsen, der sich so auf dem neuen Studiowerk der Band vorstellt.
Crystal Eyes haben sich der Bewahrung der Tradition verschrieben, die der Begriff Power Metal umfasst. Die Schweden besitzen jene angeborene Gabe für hochmelodische Melodien und die Erschaffung epischer Bombastik in eingängigen Arenen-Refrains. Die Songs sind kompositorisch technisch sehr sauber ausgearbeitet und ausgereift. Die Produktion ist makellos – mit exzellentem Riff-Fundament, dynamisch geschmiedetem rhythmischem Unterbau sowie zentral platziertem, autoritativ eruptivem und hochmelodisch reinem Gesang. Die Band sorgt für Dynamik in den Songs durch die Integration melodischer Übergangsornamente und ausgearbeiteter mehrteiliger Gitarrensoli, die den roten Faden der Kompaktheit der Songs bewahren, gebunden an die Leitmotive.
Vorsicht ist hier aber absolut angebracht. Crystal Eyes sind nämlich nicht ganz unschuldig, was das Entlehnen von Ideen angeht. Ein Song wie Waves Of War ist eine unübersehbare Fahrt auf den Schienen der Power-Metal-Schablonen, die die deutschen Running Wild in ihrem einzigartigen Erbe nutzten – natürlich in ihren besseren Zeiten. Wer Running Wild nicht kennt, dem kann dieser Song in dieser „Unbelessenheit“ sogar zum Albumfavoriten werden. Das Problem ist also eine teilweise Abgegriffenheit des Genres. Auf dem Album finden sich sogar kosmetische Anklänge an die Heaven And Hell-Ära von Black Sabbath, eingefangen in Dying In the Rain. Der Übergang darin mit den Zeilen „Look out…“ – hoppla! –, klingt das nicht nach Ronnie James Dio in der Sabbath-Klassik Children of the Sea? The Devil Inside versteckt in Leadriff und Gesangslinien sein Flirten mit dem Accept-Erbe kaum. Trotz solcher Anleihen gelingt es der Band, Power-Metal-Riffs zu drehen und deren Vorhersehbarkeit in einen Eindruck zu verwandeln, der interessante Höhepunkte des Albums schmückt – wie den Opener Ride the Rainbow und The Fire of Hades. Und generell rehabilitieren sich Crystal Eyes in der zweiten Albumhälfte mit Songs wie Lonely Ball of Fate, Shadow Rider, Fighting und der abschließenden akustischen Ballade Guardian, die einen typisch keltisch geprägten Melos trägt.
Allen, denen Battle-Hymnen gefallen, die auf der Suche nach voller Melodie sind und sich am Recyceln des Erbes von Iron Maiden, Manowar, Judas Priest, Accept nicht stören – denen sei gesagt: Crystal Eyes sind hochkarätige Schmieder von Power-Metal-Bangern, die auf Anhieb zünden und euch nicht im Stich lassen. Das ist also ein Album für die eingefleischtesten Power-Metal-Fanatiker!
Besetzung
Nico Adamsen – Gesang
Mikael Dahl – Gitarre
Paul Petterssonn – Gitarre
Claes Wikander – Bassgitarre
Stefan Svantesson – Schlagzeug
Produktion
Fredrik Nordstroem
Tracklist
01. Ride The Rainbow (04:51)
02. The Fire Of Hades (05:56)
03. The Devil Inside (03:35)
04. Waves Of War (05:08)
05. Dying In The Rain (04:35)
06. Fighting (04:25)
07. Shadow Rider (05:50)
08. Lonely Ball Of Fate (04:31)
09. Guardian (03:45)