Catch – Flame!

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Interpret: Weller, Paul
Label: V2
Erscheinungstermin: 2006

Paul Weller, bekannt als Mitglied und Mitgründer zweier äußerst erfolgreicher englischer Bands, The Jam und The Style Council, und natürlich durch die Alben seiner Solokarriere, kam also zu der Erkenntnis, dass es klug wäre, ein neues Livealbum herauszubringen, das dritte seiner Karriere. Den Titel „Catch-Flame!“ bekam das Album, und für die Aufnahme wählte er gleich heimischen Boden, nämlich die Halle Alexandra Palace in London. Es war der letzte Tag von Wellers ausverkaufter Großbritannien-Tour, genauer gesagt der 05.12.2005.

Weller ist ein bis an die Zähne mit Erfahrung bewaffneter Musiker. „Catch-Flame!“ ist ein Querschnitt durch seine gesamte musikalische Laufbahn, auf dem Weller seine ganz persönliche Vision von Rockmusik präsentiert. Die Basis ist traditioneller britischer Rock, vermengt mit Soul, Bluebeat und Anleihen beim R & B etwa früher The Who oder The Faces, dazu finden sich auch Elemente von Ska und modernem Jazz. Wichtig auch als Revitalist der „Mods“ (der Londoner Bewegung , das Wort „Mod“ ist abgeleitet von „Modernism“, den die Londoner „Teenager“ Ende der Fünfziger als Lebensstil zu entwickeln begannen). Wellers Live-Band wirkt kompakt und eingespielt, ohne jeden Patzer. Das ist ein echtes „Live“-Album, das das feine Gespür der ganzen Gruppe ausstrahlt, die Weller als solides Gerüst begleitet und stützt, dabei aber so flexibel ist, dass Wellers einzigartige musikalische Figur immer voll im Zentrum steht und dort auch maximal aufleuchtet. Die Jungs schaffen es, aus den Live-Versionen sogar mehr herauszuholen, als die Studioversionen von Paul Wellers Material bieten. Oft würzen sie sie mit Solo-Einlagen und kurzen Jams, was nur bestätigt, wie heiß gelaufen und eingeschworen die Band um Paul ist. In The Crowd ist dafür wohl das schönste Beispiel. Ein Song mit einem außergewöhnlichen instrumentalen Mittelteil, in dem sogar ein Schlagzeugsolo steckt, womit man von Paul Weller echt nicht gerechnet hätte. Der Mann ist nämlich gegen Klischees geimpft. Nach diesem Stück platziert Paul das leichtfüßige Come On / Let’s Go (As Is Now, 2005), mit dem er die Schwere des Vorgängers abfedert, während die Magie im verträumten, jazzig-bluesigen, verführerischen Foot Of The Mountain eingefangen ist. Die bunte Reihenfolge der genannten Songs ist nur ein Beispiel für die dynamisch wogende Stimmung über beide Live-Scheiben hinweg.

Einer der Höhepunkte dieser Platte findet sich neben der zart-zerbrechlichen akustischen Wishing On A Star (orig. Rose Royce), bei der das Publikum mit aktivem Mitsingen der Verse glänzt, direkt in den Schlussnummern (das Süßeste hebt man sich fürs Ende auf), die die Menge noch einmal entschlossen auf die Beine bringen. Es sind Klassiker aus Wellers Zeit bei The Jam und The Style Council: That’s Entertainment und das abschließende A Town Called Malice (beide The Jam) sowie Shout To The Top und Long Lost Summer (beide The Style Council).

Die Songauswahl auf „Catch-Flame“ hat unter Weller-Fans anfangs ziemlich viel Staub aufgewirbelt, denn es sind nicht alle Songs drauf, die Paul auf der Großbritannien-Tour gespielt hat. So wurden nachträglich We All Need Love, Here’s The Good News, Early Morning Rain, Mermaids und Amongst Butterflies gestrichen. Konkret vertreten ist das Album mit (insgesamt fünf) Songs von der Platte „As Is Now“ (2005), die Paul auf der Tour promotet hat, von der dieser Live-Mitschnitt stammt.

Der Gesang des Mannes ist voll, rein und klar. Er regiert mit außergewöhnlichem Gespür für Subtilität und überzeugt besonders, wenn er in ruhigen Stücken (You Do Something To Me, Wild Wood, The Pebble & The Boy, Wishing On A Star) mit Hingabe Prisen Soul einstreut, womit es ihm besonders gut gelingt, Gefühle zum Leben zu erwecken und in die Wirklichkeit zu gießen. Weller ist eben ein astreiner Engländer. Und ein astreiner Engländer ist immer ein melancholischer Engländer. Dieser feine Gesangsansatz wird hervorragend von einer stellenweise geradezu nervös angerauten Gitarre von klassischer Halbakustik-Reinrassigkeit mit edlem metallischem Klang verstärkt, als würden sie die besten Live-Alben von Solokünstlern der Siebziger tragen. Das ist ein wichtiger Kontrast aus Rock und Soul, wenn ich zeitlich ungenau sein darf, aber zugleich bizarr anschaulich in der Beschreibung dieser Farbigkeit des genannten Kontrasts.

Die Qualitäten dieser Doppel-CD stecken vor allem direkt in der Darbietung des Materials, dazu trägt auch die großartige Resonanz des Publikums bei. Weller spricht das Publikum während des Konzerts praktisch nicht an, und das vermisst man diesmal keineswegs. Das Konzertgefühl ist da, mehr als überzeugend erzeugt. Die Performance reicht, die Atmosphäre ist geboren.

Dieses Album ist ideal für alle, die sich für Paul Wellers Karriere interessieren, ohne zufällig zu „Best of“-Kompilationen greifen zu müssen. Es ist nämlich ein handlicher, rückblickender Querschnitt durch Wellers Laufbahn, und auch Fans seiner Musik werden beim Kauf dieses Albums nicht im Geringsten zögern. Live knallen Wellers Songs mit ihrer vermittelten sinnlichen Tiefe noch intensiver und wirkungsvoller als das Studiomaterial. „Catch-Flame!“ ist ein eingefangener Moment, der die Größe dieses Künstlers am ehrlichsten bestätigt. Eine Auswahl, die schlicht nicht enttäuschen kann. Und Weller beweist mit diesem Album, dass er nicht um ein einziges graues Haar gealtert ist und tritt noch genauso los wie in seinen wildesten Tagen bei The Jam. Ein mit emotionaler Intensität aufgeladenes Album, wie man es heute kaum noch findet.

Besetzung

Paul Weller – Gesang, Gitarre
Steve Cradock – Gitarre
Seamus Beaghan – Keyboards
Damon Minchella – Bass
Steve White – Schlagzeug, Percussion

Produktion

Paul Weller

Tracklist

CD 1. (45.14):
1. The Weaver
2. Out of the Sinking
3. Blink & You’ll Miss It
4. Paper Smile
5. Peacock Suit
6. From the Floorboards Up
7. The Changing Man
8. Savages
9. Going Places
10. Up in Suzi’s Room
11. Porcelain God/ I Walk on Guilded Splinters

CD 2. (61.24):
1. In the Crowd
2. Come On/ Let’s Go
3. Foot of the Mountain
4. You Do Something To Me
5. Wishing on a Star
6. Wild Wood
7. The Pebble & The Boy
8. Thats Entertainment
9. Broken Stones
10. Long Hot Summer
11. Shout to The Top
12. A Town Called Malice

Laufzeit: 106.38

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