Carmina Diabolo

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Autor: Sandi Sadar Šoba

Künstler: Black Rainbows
Label: Longfellow Deeds Records
Veröffentlichung: 2010
Laufzeit: 44:52
Wertung: 3.5/5

Drei Jahrzehnte nach der ersten neuzeitlichen Initiation in die Welt der Wüstenidee des Stoners ist diese noch nicht gestorben – und das ist gut so! Nicht alle Worte sind gesungen, nicht alle Songs geschrieben, nicht jeder Rauch genossen. Diesmal könnt ihr euch auf die Lernreise zur Erkundung des Genres direkt zu unseren Nachbarn nach Rom begeben. Die italienische Rekonzeptualisierung bzw. Zusammenfassung der Richtlinien und Traditionen dieses Heavy-Metal-Subgenres, das sich gelangweilt hatte und ein bisschen psychogene Substanzen, einfachere Riffs und einen Anlass zum Abschalten brauchte, hört auf den Namen Black Rainbows. Es handelt sich also nicht um das gleichnamige, blass klingende kanadische Punkprojekt aus Toronto, sondern um ein völlig neues Paar bereits ziemlich eingetragener Schuhe.

Black Rainbows entstanden 2005. Was als Nebenprodukt des Wunsches nach Spaß und Gaudi begann, wurde rasch zu einer ernsthaften Mischung aus Psychedelia im Stil von Nebula, Kyuss und Queens Of The Stone Age, die im Zeichen des Verlangens nach mehr ihr Debüt Twilight In The Desert gebar und einen Vertrag mit dem französischen Label Longfellow Deeds unterschrieb. Den Franzosen bleiben sie auch heute treu und servieren eine zweite Portion unkomplizierter Gaudi auf dem Album Carmina Diabolo.

Viele haben schon Songs über die berauschte Wüsteridylle gedichtet und ja, die Sonne ist über diesem Genre schon mehr als einmal untergegangen, doch etwas Leidenschaft und das notwendige Etwas für eure Aufmerksamkeit bleibt. Carmina Diabolo ist ein Album, das sich nicht in Überflüssigkeiten verheddert. Die Vocals sind ordentlich – für dieses Genre sogar tadellos. Die Gitarre ist eklektisch, und Gabriele Fiori kennt zumindest genug Akkorde, damit nicht alles wie ein einziger Song klingt. Conti und De Masi folgen ihm sauber, und die Musik läuft wie geschmiert. Das Trio reicht also völlig aus für eine vollblütige Mahlzeit aus Musik, die mit ein paar dreckigen, schweißgetränkten Akkorden hypnotisiert und einer dreist simplen, aber effektiven Produktion. Der Sound ist homogen und bietet keine Ergüsse von Allwissenheit oder virtuoser Selbstbefriedigung. Das Album könnt ihr also ohne Würgen im Hals oder brennendem Gefühl im Rektalbereich hören, da die Jungs sich keinesfalls als die heißeste Neuigkeit des Augenblicks verkaufen. Carmina Diabolo landet so mühelos in dem Teil des CD-Regals, nach dem man zwar ab und zu greift, aber es ist eben nicht jener zentrale Altar, auf dem nur die heiligsten Reliquien fürs tägliche Musikritual stehen.

Black Rainbows sind wie Clutch mit einem Hauch von Kyuss oder gar Black Sabbath auf Fu Manchu-Art. Das Produkt ist also – mit Verweis auf das Gesagte – kein entscheidender Meilenstein am Stoner-Himmel, keine Offenbarung und keine Revolution, aber man kann es keinesfalls als langweiliges Gedröhne und leeres Gerede abtun. Black Rinbows sind eingespielt und wissen, wie man Aufmerksamkeit fesselt, und der dreiviertelstündige Kurs der Stoner-Alphabetisierung liefert zumindest einen guten Einstieg fürs weitere Stöbern in den verstaubten Schubladen, in denen ihr die oben genannten originalen „Sünden“ des musikalischen Abweichens vom „rechten“ Weg versteckt habt.

Besetzung

Gabriele Fiori – Gesang, Gitarre, Keyboards
Marco De Masi – Bass
Daniele Conti – Schlagzeug

Produktion

Gabriele Fiori

Tracklist

1. Himalaya
2. Babylon
3. Under The Sun
4. What’s In Your Head
5. Bulls & Bones
6. Carmen Diabolo
7. In The City
8. Return To Volturn
9. The Witch
10. Space Kingdom

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