Calegaria & Friends
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Calegaria
Label: Celinka
Erschienen: 2016
Bewertung: 4/5
Calegaria ist eine Band aus Koper, die sich der Bewahrung und Präsentation des Erbes der traditionellen Volksmusik aus dem nordwestlichen Istrien verschrieben hat. »Calegaria & Friends« ist das dritte Album der Band, das dem verstorbenen Bandmitglied und Sänger Stojan Stanković – Stole gewidmet ist. Er verstarb während der Aufnahmen an einer schweren und langwierigen Krankheit, hinterließ aber dennoch seinen Gesangsbeitrag auf diesem Werk!
Wie schon auf den Vorgängeralben »Primo« und »2« halten Calegaria (den Namen hat sich die Gruppe nach der Hauptstraße der Koperer Altstadt gegeben) auch auf dem Album »Calegaria & Friends« den streng abgesteckten Fokus aufrecht, der dem Nachspielen des Erbes des istrischen Volksmelos folgt. Damit das Album aber nicht zu rückwärtsgewandt oder »altbacken« klingt, bezieht die Band in ihre Arrangements auch Instrumente ein, die den Stücken zu ihrer Entstehungszeit und in ihrem Entstehungsraum fremd waren. Obwohl das Album im Kern noch immer auf die »älteren Mitbürger« – also auf die Generation unserer Großeltern – zugeschnitten ist, ist diese Entscheidung klanglich absolut richtig, denn die so klanglich und arrangementmäßig aktualisierten Stücke sprechen zusätzlich jeden neugierigen Musikfan an, was bedeutet, dass dieser zeitgemäße Ansatz hilft, das Interesse an dieser Art von Musik auch bei einem breiteren Publikum zu wecken.
Der Albumtitel ist mehr als bezeichnend, denn auf dem Album gastieren eine ganze Reihe namhafter Gäste. Das sind: Anika Horvat, Armando Baruca, Boris Krmac, klapa Solinar, Miriam Monica, Polona Furlan, Rudi Bučar und Slavko Ivančić. Es handelt sich um anerkannte und geschätzte Musiker, die sich in den Genres der Ethnomusik in der Vergangenheit bereits eindrucksvoll bewiesen haben – als erstklassige Interpreten, jeder auf seinem Gebiet, wenn es um die überzeugende Transformation von Volksmusik istrischer Herkunft in die klangliche Gestalt einer zeitgenössischen Wahrnehmung musikalischer Magie geht. Sie bereichern mit ihren markanten Gesangsinterpretationen das Klangbild aller Stücke auf dem Album »Calegaria & Friends«, und besonders gut kommen dabei die gemischt-geschlechtlichen Vokalduette an, die den Stücken einen besonderen emotionalen Sentiment und einen Hauch von Mystik verleihen.
Klar ist das Album so ausgerichtet, dass die Vokalinterpretation und die Erzählkraft in den Mittelpunkt rücken – eingefangen in einige bekannte Melodien, die in der volkstümlichen Vergangenheit unserer Vorfahren gewoben wurden und deren Lebensabenteuer in den Vordergrund stellen. Dass das Album eine besondere Essenz und Ausdrucksstärke trägt, muss man kaum extra betonen, denn der istrische Melos ist charakterlich auf Anhieb erkennbar und knüpft natürlich logisch geografisch an den Melos des Mittelmeers an. Die Emotionen sind natürlich größtenteils heiter und lebensfroh, wie es das Küsten- beziehungsweise istrische Temperament ist, mit einer Fülle von schelmischen Momenten der Ausdruckspoesie, die enorm charmant und witzig wirken, getragen von Rhythmen, bei denen man sich leicht volle Fischernetze ins Gedächtnis rufen kann, das träge Schaukeln eines Bootes auf den sanft schäumenden Meereswellen, die der zarte Hauch des Maestral hierhin und dorthin schiebt, randvoll beladene Feigenbäume – während sich auf der Zunge die Illusion des Geschmacks von Meersalz einschleicht, das in irgendeinem vergangenen Jahrhundert unter der sengenden Sonne von den Ursalzgewinnern von Sečovlje wagenweise abtransportiert wurde.
Das Album überbrückt auch den im slowenischen Allgemeinbewusstsein „eingeimpften“ nationalen „Abgrund“ zwischen dem slowenischen und dem italienischen Volk. Diesen Abgrund hat es eigentlich nie gegeben. Nur Kriege haben ihn künstlich geschaffen. Die Texte werden in beiden Sprachen gesungen und spiegeln Versöhnung und harmonisches Miteinander zweier Völker im selben geografischen Raum wider, die Vermischung beider Kulturen sowie nicht zuletzt die bewusste Erkenntnis, dass man gerade dann zusammenhalten muss, wenn es hart auf hart kommt und schwere Zeiten angebrochen sind. Das mag sich heute »altmodisch romantisch«, »überholt« und »weltfremd« lesen, doch ist »Calegaria & Friends« ein vollblütig gemachtes Dokument voller Authentizität und Wahrheitsliebe, durch das die pittoreske Eigenständigkeit der istrischen Region in vollem Glanz aufleuchtet – zu der wir uns in der Zeit des verrottenden Kapitalismus-Monsters meistens nur noch wie Ankömmlinge aus einer anderen Galaxie verhalten.
Besetzung
Jadranko Oblak – Akkordeon, Gesang
Sergio Settomini – Bassgitarre, Gesang
Danilo Fermo – Gitarre
Ivo Marc – Schlagzeug auf Stücken Nr. 1., 2., 4. und 5.
Valentin Destradi – Schlagzeug auf Stücken 6., 7., 8., 9. und 11.
Stole Stanković – Gesang auf Stücken 1. bis 5.
Stefano Hering – Gesang auf Stücken 6. und 10.
Leonardo Klemenc – Keyboards, Mandoline, Perkussion, Klaviola, Gesang
GASTMUSIKER:
klapa Solinar – Chorgesang auf Stück Nr. 1
Armando Baruca – Gesang auf Stück Nr. 4
Rudi Bučar – Gesang auf Stück Nr. 7
Polona Furlan – Gesang auf Stück Nr. 8
Slavko Ivančič – Gesang auf Stück Nr. 9
Miriam Monica – Gesang auf Stück Nr. 10
Boris Krmac – Gesang auf Stück Nr. 11
Anika Horvat – Gesang auf Stück Nr. 12
Produktion
Ksenija Kos
Trackliste
1. O Rematori Di Questa Barca
2. Vuoi Tu Venir Giulieta – Merica
3. Varda la Luna
4. moja mati kuha kafe
5. Nina Distuda El Ciaro
6. Ale Bele Pute
7. La Laterina
8. Na trauci sva secela
9. Zrasla mi ladonja
10. O Dona Lombarda
11. Marička – nikdar ne bom pozabil
12. Oj mati, mamca