Brother’s Keeper
Künstler: Fair Warning
Label: Frontiers Records
Release: 2006
Bewertung: 3/5
Die Jungs von Fair Warning sind nach einer sechsjährigen „Pause“ zurück, wegen der viele dachten, dass es mit der Band endgültig vorbei ist. Warum? Die Band ist nach dem Release von „Four“ (2000) nämlich in zwei getrennte Nebenprojekte zerfallen, und zwar Dreamtide und Soul Doctor, die einen etwas anderen musikalischen Ausdruck und Sound boten als den, den wir von Fair Warning gewohnt sind.
„Brother’s Keeper ist die Fortsetzung genau da, wo Fair Warning mit „Four“ aufgehört haben. Die Band hat absolut nichts verändert. Weder im Sound noch im Stil, und so bietet das neue Album eine schöne Mischung aus „Four“ und „Rainmaker“ (1995). Auch in der Atmosphäre. Der Gitarrensound bleibt gleich, mit der scharfen Kante, die typisch für deutsche Hardrock-Produktionen ist.
Alle Merkmale und Qualitäten, für die Fair Warning bekannt sind, sind wieder da! Große Gitarrenriffs, markante Soli, ausdrucksstarke Refrains, die die Höhepunkte der Songs bilden, ambientartige Synthesizer im Hintergrund und eine kanonenmäßige, klassische Hardrock-Rhythmusfraktion. Rechnest du den herausragenden Gesang von Frontmann Tommy Heart dazu, ergibt der Gesamteindruck der Albumproduktion oft eine epische Stimmung, wie sie für deutsche Bands typisch ist, gespielt mit außergewöhnlichem Schwung. Brother’s Keeper eröffnet im typischen Fair-Warning-Stil. Der Song Don’t Keep Me Waiting (als würde einer der ungeduldigen Fans der Band rufen, hungrig nach einem neuen Fair-Warning-Album) ist ein echter Rock-Sturmlauf im schnelleren Tempo, der sich auf ein betont ausdrucksstarkes Gitarrenriff stützt, die besondere Magie entfaltet die Band aber mit dem wunderschönen Aufbau mehrstimmiger Gesangsharmonien, die in einem hochatmosphärischen Refrain funkeln, der einen sofort an den Ohren packt. Die Band bietet zwei starke Balladen, und zwar das druckvolle Wasted Time und das sanftere, verträumte All Of My Love, in dem Tommy Hearts sentimentaler Gesang brilliert. Das Album wogt dynamisch durch die Vielfalt der einzelnen Songs. Das passende Gegenstück zum Opener findest du im weiteren Verlauf mit Push Me On, gefolgt später von The Way, wo die Band wieder aufs Gas drückt, das mittelschnelle Once Bitten, Twice Shy ist dagegen ein Song mit festem Rhythmus und typischer Beimischung von Rhythm N‘ Blues, was ein besonders kluger Kniff ist, der zur Abwechslung auf dem Album beiträgt. Der vorletzte Song Still I Believe sticht interessanterweise mit einer Produktion hervor, die kommerzieller klingt, also mit akustischer Begleitung und betonten Keyboards, aber durchzogen von Soli, und der erste Stern des Songs ist wieder Tommys großartiger Gesang. Das Album schließt mit dem witzigen, mittelschnellen All I Want To Do, das am Ende in Gläserklirren und „Humtata“ zerfließt, das den Hörer direkt in eine der bayerischen Bierhallen versetzt. Na ja, hier stört vor allem die Entscheidung der Band, diesem Song 6 zusätzliche Minuten Stille und dreißig Sekunden des erwähnten „Humtatas“ ganz ans Ende des Albums zu kleben, was im Zeitalter von MP3s ziemlich umständlich ist.
Klar, 70 Minuten sind für so ein Album und den vorhersehbaren Stil, den Fair Warning pflegen, entschieden zu lang, und die Band hätte problemlos mindestens drei Songs von der Tracklist von „Brother’s Keeper“ streichen können. Es ist ein „Comeback“-Album, das vor allem alle Fans der Band glücklich machen will, und die werden ohne Zögern zugreifen. „Brother’s Keeper“ bietet keine Überraschungen. Einfach gesagt ist das ein Album, das einen weiteren Klassiker von Fair Warning darstellt. Also ein gelungenes „Comeback“!
Besetzung
Tommy Heart – Gesang
Helge Engelke – Gitarre
Ule Ritgen – Bass
CC Behrens – Schlagzeug
Produktion
Fair Warning
Tracklist
1. Don’t Keep Me Waiting
2. Generation Jedi
3. All My Love
4. Rainbow Eyes
5. Push Me On
6. Wasted Time
7. The Cry
8. The Way
9. Once Bitten Twice Shy
10. Tell Me Lies
11. In The Dark
12. Still I Believe
13. All I Wanna Do
Spielzeit: 70.22