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Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Bonfire
Label: LZ Records
Erscheinungsjahr: 2011
Laufzeit: 59:37
Wertung: 3/5
Das neue Bonfire-Album ist eine Rückkehr der Band zu ihren Wurzeln – und eine Veröffentlichung, die Bonfire gerade dringend gebraucht haben. Das vorherige Experiment, das Konzeptwerk „The Räuber“ (2008), hinterließ irgendwie nie den Eindruck, dass es wirklich Bonfire sind, die da spielen – weshalb die Erinnerung daran schnell verblasst. Es ist ein Ausreißer in einer ansonsten kompetenten Diskografie.
„Fireworks“ und „Point Blank“ sind Klassiker – mit diesen Alben waren Bonfire an der Wende von den Achtzigern zu den Neunzigern auf deutschem Boden so etwas wie ein heimischer Bon-Jovi-Ersatz, natürlich in einer Zeit, als solche Musik im Fokus der Massen stand und ihren Popularitätsgipfel erklomm. Genau dieser lange Stallgeruch der Band – die (unter verschiedenen Namen) eigentlich seit 1972 aktiv ist – und das Prestige der klassischen Veröffentlichungen haben der Gruppe geholfen, über die Jahre den Kopf über Wasser zu halten und selbst die härtesten Zeiten der Musikindustrie zu überstehen, wenn einem alle den Rücken kehren und man als professioneller Musiker ums nackte Überleben kämpfen muss.
Schon der erste Track des Albums, Deadly Contradiction – das Stück mit dem dunkelsten Touch, melankolischer Grundstimmung und vor allem einem unwiderstehlichen Refrain-Hook –, fesselt die Aufmerksamkeit des Hörers sofort und macht Lust aufs Weiterhören. Atmosphärisch am nächsten dran ist später noch Close To The Edge, das Deadly Contradiction als Opener problemlos hätte ersetzen können. Direkt nach dem Eröffner folgt einer der besten Tracks des Albums: Just Follow The Rainbow, dessen melodisch strukturierter Refrain-Hook locker als reguläre Hit-Single des Albums durchgehen würde. Auch Looser’s Tale (weiter hinten auf dem Album) nähert sich mit seinen Lösungen in Sachen melodischer Singbarkeit und rockiger Schlagkraft dem Potenzial eines Hit-Single-Kandidaten Bonfire fühlen sich im mittleren Tempo am sichersten. In diesen Momenten jonglieren sie geschickt mit dem Aufbau atmosphärischer Kulissen, die genau dort ihre Höhepunkte erreichen, wo es beim melodischen Hard Rock sein muss – in den Refrains. Auch die großartige Ballade Hold Me Now ganz am Ende des Albums ist davon keine Ausnahme. Do Or Die ist der einzige Track auf dem Album, der so richtig aufs Tempo drückt und bei dem „Branded“ die meiste direkte Rockkraft, Unmittelbarkeit und teuflischen Drive entfacht. Save Me hält mit seinem starken Gitarren-Riff auf dem Album die direkteste Verbindung zwischen dem neuen und dem klassischen Bonfire aufrecht.
Es gibt aber ein paar Stolpersteine. Der Track Better Days hat mit seinem klischeehaften Rhythmus einen vorhersehbareren Verlauf und damit insgesamt etwas weniger Spannung – und das Album verliert in der Mitte wegen der gewählten Trackreihenfolge generell an Schwung, da dieser Song direkt auf die erste Ballade des Albums, Let It Grow, folgt. Die Band hat sich entschieden, zwei klassische Stücke (Rivers Of Glory, I Need You) hinzuzufügen, neu arrangiert im akustischen Gewand und eingespielt vom Trio Hans Ziller (Gitarre), Claus Lessmann (Gitarre, Gesang) und Claus‘ Tochter Chiara am Piano. Angesichts der ansonsten mehr als soliden Ausdrucksstärke des neuen Werks war das kein notwendiger Schritt – willkommen ist er trotzdem, für alle hartgesottenen Bonfire-Fans.
Das Album ist von vorne bis hinten mit exzellenten Gitarrensoli gespickt. Claus Lessmann macht kein Hehl daraus – vor allem in den anspruchsvolleren Passagen –, dass er etwas an Stimmkraft eingebüßt hat. Die Refrains hingegen sind wieder meisterhaft mit satten mehrstimmigen Vokalharmonien ausgestattet, was die dramatische Wirkung und die pure Bombastik der Atmosphäre natürlich noch vertieft.
„Branded“ ist ein solides Werk – aber kein perfektes oder makelloses, denn da ist noch Luft nach oben. Es ist ein Schritt in Richtung der klassischen Gewässer der deutschen Schule des melodischen Hard Rock, wo die Jungs nachweislich am besten aufgehoben sind. Bleibt zu hoffen, dass sie dort auch in Zukunft bleiben und unverständliche Experimente à la „The Räuber“ für alle Ewigkeit der Vergangenheit angehören.
Besetzung
Claus Lessmann – Gesang, Gitarre
Hans Ziller – Gitarre
Chris Limburg – Gitarre
Uwe Köhler – Bassgitarre
Dominik Huelshorst – Schlagzeug, Percussion
Produktion
Hans Ziiler & Claus Lessmann
Trackliste
1. Deadly Contradiction
2. Just Follow The Rainbow
3. Save Me
4. Let It Grow
5. Better Days
6. Do Or Die
7. Close To The Edge
8. Crazy
9. Loser’s Lane
10. Hold Me Now
11. I Need You (Bonustrack)
12. Rivers Of Glory (Bonustrack)