Blumen, Bier und Ugly Kid Joe! (2017)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Laško, Pivo in cvetje
Konzertdatum: 13.07.2017

Das Festival Pivo in cvetje hat in den letzten Jahren sein Konzertangebot konkret erweitert und verbessert. Davon haben nun auch Liebhaber härterer Rhythmen und klangvoller Namen profitiert. 2014 rockten das Super-Trio The Winery Dogs und Gitarrist Steve Stevens Laško, 2015 die schwedischen Giganten Europe und letztes Jahr dann Gitarren-Gott Joe Satriani. Der Festivalveranstalter blieb diesem Konzept auch heuer treu und überraschte damit, dass er neben den australischen Airbourne erstmals seit einundzwanzig Jahren wieder die legendären Ugly Kid Joe nach Slowenien holte – die sich in den Neunzigern mit den Mega-Hits Everything About You und Cat’s in the Cradle unter die Alternative-Größen katapultierten. Aber UKJ sind natürlich viel mehr als diese zwei Radio-Hits.

Aber der Reihe nach. Das Festival Pivo in cvetje findet in Laško an zahlreichen Spielstätten statt, das Zentrum des Geschehens bilden vier Konzertbühnen. Angesichts des Lineups sind Rock-Herzen fest vor der größten Bühne Zlatorog verankert, die direkt an der Savinja am Trubarjevo nabrežje liegt, während der nach dieser Art Musik hungrige Besucher die anderen Bühnen lieber in weitem Bogen meidet. Andererseits stimmt es, dass in Laško jeder etwas für sich findet. Am ersten Festivaltag bespielten die Zlatorog-Bühne nacheinander Nude, Riblja čorba, Dan D und als krönenden Abschluss Ugly Kid Joe.

Nude haben wir wegen des Treffens mit dem Ugly Kid Joe-Trio Whitfield Crane, Klaus Eichstadt und Dave Fortman auf der Pressekonferenz verpasst und kamen nach einigen Bier und etwas weniger Blumen gerade noch vor der Bühne an, als Bora Đorđević die Fischsuppe aufsetzte. Riblja čorba, eine Institution des Ex-Yu-Rocks, hat bei uns eine starke Fangemeinde – und das war auch in Laško mehr als deutlich zu spüren. Bora animierte das Publikum trotz gesundheitlicher Probleme ohne größere Mühe zum Mitsingen von Hits wie Draga, ne budi peder, Nemoj da ideš, mojom ulicom, Volim, volim, volim, volim žene und Kako je lepo biti glup, und die Soli von Meister Vidoje Božinović liefen wie geschmiert. Interessant zwar, aber nur für ein paar Songs – mich persönlich hat die Čorba auf Dauer nicht wirklich satt gemacht.

Auf noch fruchtbareren Boden fielen die Helden des heimischen Publikums Dan D, die mit ihren Hits wohl die ohnehin Überzeugten überzeugten, aber kaum neue Fans dazugewannen. Den Jungs ist dabei wirklich nichts vorzuwerfen, denn sie beherrschen ihr Handwerk – aber genre-mäßig ist das schlicht und einfach nicht meine Tasse Tee, weshalb ich eine tiefgehende Kritik anderen überlasse.

Gut fünfzehn Minuten nach Mitternacht erstrahlte die Bühne schließlich im Bild des frechen Bengels, einer Kreuzung aus dem klassischen Motörhead-Logo und dem Ugly Kid Joe-Maskottchen, dem Rotzjungen mit Baseballkappe. Die legendären Kalifornier, die die Welt in den Neunzigern mithilfe von MTV erobert haben – das damals noch fleißig qualitätsvolle Videoclips spielte (darunter Everything About You und Cats in the Cradle) –, kehrten nach fast einem Vierteljahrhundert auf slowenischen Boden zurück. Ihr letzter Auftritt hier fand 1996 in Primskovo statt, kurz bevor sie ihre Tätigkeit für gut dreizehn Jahre einstellten. Vor sechs Jahren meldete sich der amerikanische Frechdachs zurück unter den Lebenden, kurz nach der Rückkehr haben wir Ugly Kid Joe beim Festival Belgrade Calling erwischt – aber damals waren gut dreißig Minuten Spielzeit schlicht zu wenig. UKJ veröffentlichten kurz darauf das lang ersehnte »Come-back«-Album Uglier Than They Used Ta Be, dem zwar ein paar der verspielteren, leichtfüßigeren Nummern fehlen, das aber trotzdem ein würdiger Nachfolger der Alben aus den Neunzigern ist. Wie dem auch sei – UKJ begrüßten Laško mit dem legendären Neighbor, das Publikum explodierte, und die Jungs bewiesen sofort, dass sie in außergewöhnlicher Form sind. Der charismatische Whitfield Crane hielt das Publikum mühelos die ganze Zeit in Schach und zeigte dabei auch einen makellos erhaltenen Gesang, der ihm noch immer hervorragend dient – ob bei balladesken Momenten wie Cats in the Cradle oder beim teuflischen Goddamn Devil, bei dem er auch die hohen Schreie eindrucksvoll hinlegte, die auf der Albumversion kein Geringerer als Metal God Rob Halford beigesteuert hat. Crane war obendrein auf der Bühne die ganze Zeit ein echtes Perpetuum mobile, und auch den anderen Mitgliedern fehlte es nicht an Energie: das brillante Riff-Duo Klaus Eichstadt und Dave Fortman feuerte in alle Ecken der Bühne, auch Bassist Cordell Crockett ließ sich nicht lumpen, und mit schier maniakalem Schlagzeugspiel überraschte und begeisterte Bandneuling Zac Morris. Obwohl die neueren Nummern, vor allem No One Survives und Devil’s Paradise, düsterer Natur sind, leben die Schlingel in den Mitgliedern von Ugly Kid Joe noch immer. Das bewiesen auf der Bühne Crane im Shirt mit dem Aufdruck »I’m the real Milli Vanilli, where’s my Grammy?« und Eichstadt mit Britney Spears im Stil des Black Sabbath-Logos. Die Songs waren aber sowieso allesamt wahres Manna für die Ohren – von Jesus Rode a Harley über So Damn Cool, das göttliche Milkman’s Son bis hin zum epischen Tomorrow’s World und dem treibenden V.I.P. Nach gut einer Stunde kündigte Crane angesichts der Lautstärke des Publikums noch eine Zugabe mit drei Songs an, die sie direkt mit einer röhrenden Version des eisernen Motörhead-Klassikers Ace of Spades starteten und – natürlich – mit dem Ultra-Hit Everything About You abschlossen. Nach einer Stunde und Viertel kam der Abschied von den grandiosen UKJ noch zu früh, aber wir freuen uns über Whitfields Andeutung, dass sie im Oktober im Rahmen einer Europatournee möglicherweise wieder nach Slowenien zurückkehren.

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