Blues for Lazarus
Künstler: Michael Gill
Label: Progrock Records
Erschienen: 2010
Spielzeit: 50:02
Wertung: 3.2/5
ProgRock Records hat kürzlich einen weiteren herausragenden Musiker unter seine Fittiche genommen: den Pianisten und Keyboarder Michael Gill. Gill, der unter anderem auch als Komponist tätig ist, hat sich mit seinem meisterhaften Spiel in seiner Heimatstadt San Francisco einen Namen gemacht, doch sein musikalischer Geschmack zog ihn stets in Richtung Progressive Rock. Genau deshalb versammelte er eine Reihe exzellenter Musiker um sich und nahm sein erstes Soloalbum „Blues for Lazarus“ auf.
Schon wegen des Titels ist klar, welche Genreelemente dominieren werden. Blues ist ohnehin die Grundlage des Rocks und seiner Subgenres, aber Gill belässt es nicht dabei. Jazz, Funk … all das ist in seiner Musik präsent, sei es über Keyboards, E-Gitarre, Schlagzeug, Bass oder Saxofon. Mit dabei sind unter anderem der renommierte Schlagzeuger Dave Weckl, der sich bei Chick Corea Elektric Band einen Namen gemacht hat, sowie der hervorragende Saxofonist Dave Koz, den man am häufigsten mit David Sanborn vergleicht.
Auf „Blues for Lazarus“ sucht Michael Gill seine Inspiration vor allem bei den verschiedensten Autoren der Science-Fiction, darunter Frank Herbert, William Gibson und Robert Heinlein. Davon zeugen die Songtitel, etwa das dritte Stück „Arrakis“ – bekanntlich der Name des Planeten in Herberts Sci-Fi-Erfolg „Dune“. Stilistisch ist das Album sehr abwechslungsreich. Gill legt bei jedem Stück Blues als Fundament an, doch dieser bewegt sich von E-Gitarren-Blues mit verzerrtem Sound bis hin zu nahezu akustischem Blues. Kompositorisch sind die Stücke ausgezeichnet; die instrumentalen Nummern „Arrakis“ und „Memory of a Dream“ dürften die Höhepunkte der Platte sein. Das Problem bei den Stücken, in denen auch Gesang auftaucht, ist vor allem Sänger Dave Cowden. Schon lyrisch sind die Songs keine Stärke, aber mit Cowden entsteht das Gefühl, als könnte der schlicht nicht singen; „Colorado“ ist das einzige Stück, wo er die nötige Intonation trifft und seinen Job nicht nur ordentlich, sondern sogar ausgezeichnet erledigt. Der Gesang ist damit die größte Schwachstelle des Albums, denn er ruiniert die ansonsten starken instrumentalen Untermauerungen erheblich. Erwähnen sollte man noch den Song „Here Comes the Flood“, eine Komposition aus dem Jahr 1977, die Peter Gabriel gehört. Genau hier gelingt Michael Gill das Kunststück. Der Amerikaner hat sich für eine langsamere, klaviergeführte Version entschieden – was naheliegend ist. Und so wie das Original dem Hörer eine Gänsehaut beschert, gelingt das auch Michael Gill, wofür ihm großes Lob gebührt. Dem Durchschnittshörer wird wohl am besten die klischeehaft angelegte Ballade „Stay the Night“ gefallen, die für die Rotation in Radiosendern gedacht ist.
Abschließend muss betont werden, dass Michael Gill ein ausgezeichneter Komponist und Keyboarder ist, jedoch noch viel Arbeit vor sich hat, bevor er sich aus der Mittelmäßigkeit des heutigen Art- und Prog-Rocks heraushebt. „Blues for Lazarus“ wäre zweifellos ein wesentlich besseres Album, wenn der Gesang auf der Höhe wäre. Es wäre phänomenal, wenn der Sänger, nun ja, Peter Gabriel selbst wäre. Denn stilistisch würde er sich mit Sicherheit mit Gills musikalischer Vision decken. Aber „Blues for Lazarus“ ist durchaus ein Album, das es wert ist, gehört zu werden – auch wenn man es wohl nur ein- oder zweimal auflegen wird.
Besetzung
Michael Gill – Klavier, Keyboards
Snappy Dave Cowden – Gesang
Rick Ellis – Gesang
Rob Fordyce – Bass
Glenn Harris – Gitarren
Michael Oliver – Schlagzeug
Gastmusiker:
Amy Brodo – Cello
Dave Koz – Saxofon
Gary Meek – Saxofon
Callie Thomas – Gesang
Sylvia Herold – Gesang
Tom Valdez – Gitarre
Mike Jacobs – Bass
Dave Weckl – Schlagzeug
Produktion
Michael Gill
Trackliste
1. Merlin’s Journey (8:08)
2. Blues for Lazarus (6:39)
3. Arrakis (8:05)
4. Tomorrow’s World (3:56)
5. Here Comes the Flood (5:54)
6. Memory of a Dream (3:38)
7. Colorado (3:55)
8. Stay the Night (4:33)
9. Rain (5:14)