Blues auf hohen Absätzen! (2012)
Ort: Jamski dvorec / Postojna / Slowenien
Konzertdatum: 15.11.2012
Besucherzahl: 400
Es scheint, dass die reizende junge Dame serbischer Herkunft, die brillante Blues/Rock-Gitarristin namens Ana Popović, ein Stammgast des Blues Festivals in Postojna wird. Dieses Mal trat sie bei der besagten Veranstaltung bereits zum zweiten Mal auf.
Dem Publikum, unter dem sich eine beachtliche Anzahl von Menschen befand, die nicht gerade aus der Umgebung oder aus Postojna stammten, präsentierte sich Ana Popović dieses Mal mit einer dreiköpfigen Begleitband. Klanglich, noch mehr aber optisch stach vor allem der energiegeladene Bassist Ronald Jonker heraus, um den ich in manchen Momenten fürchtete, ihm würde vor lauter wilder Begeisterung beim Tanzen zwischen den Saiten seines Basses und dem Herumwirbeln der Kopf abfallen. Mit seinen Kapriolen lieferte er mehr als hervorragend die Rhythmuslinie zu Anas Interpretationen und sorgte gleichzeitig dafür, dass auch wir mit ihm in Trance gerieten durch das melodische Spiel, das uns geboten wurde. Dabei halfen ihm mehr als hervorragend auch Keyboarder Mike Papadia und Schlagzeuger Stephan Avellarzed.
In gut zweieinhalb Stunden präsentierte uns die langbeinige Ana Popović ein reichhaltiges Repertoire ihres musikalischen Könnens. Wie auch nicht, denn in ihrer musikalischen Karriere teilte sie die Bühne mit solchen Blues-Legenden wie B.B. King, Buddy Guy, Solomon Burke und Robert Cray, ganz zu schweigen von den Legenden jüngerer Generationen wie etwa Jonny Lang und Kenny Wayne Shepherd. Sie begeisterte uns mit ihrer Art, Slide-Gitarre zu spielen, was ihr offensichtlich sehr liegt – bisweilen erinnert sie sogar an ihr großes Vorbild Bonnie Raitt. Auf jeden Fall ist schon von Weitem erkennbar, dass sie aus einer exzellenten Blues/Rock-Schule stammt, doch in ihrem Slide-Ansatz bleibt dennoch ein gehöriges Maß an ihrer eigenen Persönlichkeit.
Ihr Gitarrenspiel, das ein schönes Maß an melodischer Würze nicht verbirgt, ist voller Leidenschaft, wie es die Blues-Tradition verlangt, und lässt vor allem jede Menge Raum für Improvisationen. Ihr Auftritt braucht keine chirurgisch präzise Ausgefeiltheit, noch weniger Zirkusgehabe. Ana spricht durch die Musik, spricht durch das Geplauder auf den Saiten ihrer Gitarre, in das sie eine außergewöhnliche emotionale Ladung legt, die sie in ihren serbischen Genen trägt. In ihren geschickten Händen wird die Gitarre zu einer ungezügelten, ausgelassenen Wilden, die zitternd flüstert oder laut aufstöhnt.
Im zweiten Teil des Konzertauftritts entschied sie sich, für einige Stücke sogar ihre geliebte Fender auf den Ständer zu legen und sich ganz der Gesangsinterpretation zu widmen. Ihre Stimme hat bisweilen eine raue Note, die für diese Art von Musik natürlich mehr als passend und willkommen ist. Gleichzeitig zeugt das von ihrer musikalischen Vielseitigkeit und dem Wunsch, mit der Zeit auch eine hervorragende Blues/Rock-Sängerin zu werden und so ihr exzellentes Gitarrenspiel noch zu untermauern.
Ana Popović verdient zweifellos mehr Aufmerksamkeit und vor allem eine größere Konzertbühne. Ihre Musik ist nicht nur sehr hochwertig, sondern auch attraktiv genug, um eine weit größere Anzahl von Musikbegeisterten anzuziehen. Ljubljana zum Beispiel würde sich über einen Auftritt von ihr sehr freuen. Ana sagt selbst, dass sie irgendwann in unserer Hauptstadt spielen möchte.
Gitarren-Fans kommen in Slowenien in letzter Zeit voll auf ihre Kosten. Nach Steve Vais Gitarren-Kapriolen in der Cvetličarna und Ana Popovićs bezauberndem Auftritt in Postojna warten nächstes Jahr noch mindestens zwei Leckerbissen auf uns: Mark Knopfler und Joe Satriani.
Bildergalerie

























