Bloodstone & Diamonds

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Autor: Primož Novak

Interpret: Machine Head
Label: Nuclear Blast
Erscheinung: year_month
Laufzeit: 1:10:57
Wertung: 4.5/5

Die Oaklander Band Machine Head genießt im letzten Jahrzehnt einen ziemlich guten Ruf in der Metal-Szene. Trotzdem wurden sie mehrfach kritisiert, weil sie sich zu sehr an Trends orientierten. Zu nennen ist hier vor allem die Nu-Metal-Phase der Band, die zum Glück nur zwei Alben dauerte (Burning Red und Supercharger). 2003 kehrten Machine Head mit dem Metal-Album Through The Ashes Of Empires zurück, das das Vertrauen in die Gruppe wiederherstellte, und mit Phil Demmel kam ein ehemaliger Weggefährte von Robb Flynn in die Band, mit dem er in der Thrash-Metal-Truppe Vio-Lence gespielt hatte. Den großen Knall erlebten Machine Head jedoch mit The Blackening (2007), das die reine Qualität der Musik auf ein deutlich höheres Niveau hob. Die Songs wurden länger, epischer, ausgefeilter – und man könnte noch weiter aufzählen. Einem ähnlichen Muster folgte das Album Unto The Locust, das zwar nicht denselben Erfolg einfuhr, aber die Band gewann weiterhin an Publikum, absolvierte eine stattliche Zahl an Headliner-Touren und war auf so manchem Festival der Hauptact – unter anderem beim Metalcamp 2012.

Vor dem eigentlichen kreativen Prozess für das Album Bloodstone & Diamonds steckten Machine Head in einer kleineren Krise. Aufgrund zahlreicher Meinungsverschiedenheiten mussten sie sich vom Originalbassisten Adam Duce trennen, der durch den jungen Jared MacEachern ersetzt wurde. Darauf folgte auch der Abgang vom Label Roadrunner Records, bei dem sie von Anfang an unter Vertrag gewesen waren. Die Suche nach einem neuen Label dauerte allerdings nicht lange – angesehene Bands finden sich bekanntlich schnell bei einem der großen Häuser wieder. Und natürlich landeten auch Machine Head unter dem Dach des derzeit größten Metal-Labels Nuclear Blast. Danach stellte sich natürlich die Frage, ob die Band womöglich unter dem Druck des Labels stehen würde, kürzere Songs zu schreiben, um damit ein noch größeres Publikum zu erreichen.

Und so kam es, dass Machine Head diesmal tatsächlich nicht noch ein Album ablieferten, das vollgepackt wäre mit zehnminütigen Songs und unzähligen Riffs. Allerdings wäre es schwer zu behaupten, das sei ein Befehl des Labels gewesen – Machine Head hätten sich nämlich ziemlich wiederholt, wenn sie noch ein Album gemacht hätten, das den beiden Vorgängern ähnelt. Aufs Ganze gesehen hat sich der eigentliche Stil der Band nicht verändert. In einer Stunde und zehn Minuten reihen sich jede Menge wuchtiger Thrash- und Groove-Metal-Riffs aneinander, auch der eine oder andere Hardcore-Kniff fehlt nicht, dazu gibt es reichlich emotionale Passagen, in denen Flynns melodiöser Gesang besonders hervorsticht.

Dass Machine Head einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben, zeigt sich bereits beim ersten Song Now We Die, der nach einer kurzen Streicher-Einleitung mit wuchtigen Gitarren und einer druckvollen Rhythmusfraktion in typischer MH-Manier loslegt. Früher betonten MH nämlich lange Intros, mit denen sie eine gewisse Epik der Songs erreichen wollten – was ihnen auch gelang. Aber auch Now We Die wurde in kürzester Zeit zum Hit, den das Publikum bei Konzerten begeistert aufnehmen wird. Danach servieren sie das thrashlastige Killers & Kings, das den älteren Fans auf den Leib geschnitten ist. Das Konzept des Albums ist ähnlich angelegt wie bei den Vorgängern, diesmal jedoch mit kürzeren Songs. Der Hörer bekommt schnelle Tracks, aber auch langsamere, bei denen die Band den Groove in den Vordergrund stellt. Und natürlich haben MH auch diesmal nicht auf die eingängigen Sing-a-long-Refrains verzichtet, die seit jeher zum festen Repertoire gehören.

Nach mehrmaligem Hören entsteht das Gefühl, dass MH ein zu langes Album gemacht haben – einige Songs wirken ausgewalzt, man könnte auch von Füllern sprechen. Zunächst fällt Beneath The Silt auf, wo Flynn einen etwas zu quietschigen Gesang einsetzt, aber die Groove-Riffs und Demmels Solo retten den anfangs schwachen Eindruck schnell wieder. Heftiger hakt es beim Song Game Over, der klingt wie ein Track vom Album Supercharger auf Steroiden. Die Gitarren, vor allem aber der Gesang, buhlen zu sehr um Nu-Metal-Aufmerksamkeit – und der ist schon lange kein Trend mehr. Noch stärker festgefahren wirkt Damage Inside, das als a cappella beginnt, dem sich später eine Sologitarre anschließt. Ob dieser Song auf diesem Album wirklich gebraucht wird, ist jedoch mehr als fraglich.

Bloodstone & Diamonds hat zweifellos viele interessante Momente, etwa Night Of Long Knives, das von den Morden Charles Mansons handelt, oder das wirtschaftskritische In Comes The Flood (das auch eine Passage des patriotischen Lieds America the Beautiful enthält), in dem Flynn mit allerlei Schimpfwörtern gierige Banker kritisiert und Amerika zum Aufstand aufruft. Damit der Song seine epische Wirkung entfalten kann, sind Streicher mit dabei, die sich hervorragend mit den Melodien und dem Gesang vertragen. In Comes The Flood könnte man fast als den Höhepunkt des Albums bezeichnen.

Ebenfalls bemerkenswert ist der Song Sail Into The Black, der sich zwar langsam entfaltet, aber während dieser Entfaltung merkt man, dass MH auch ein bisschen experimentiert haben. Sail Into The Black vermittelt mit Keyboards, Streichern und Flynns ruhigem Gesang ein Gefühl von Schaurigkeit und außergewöhnlicher Atmosphäre, die mit Wucht und Demmels großartigem Solo ihren Höhepunkt erreicht.

Das Album endet durchaus vielversprechend. Nach dem Instrumentalstück Imaginal Cells, das eine Rede im Stil von Real Eyes, Realize, Real Lies vom Album Burn My Eyes enthält, schließen Machine Head mit Take Me Through The Fire ab – das im Vergleich zu den bisherigen Abschlüssen der drei Vorgänger-Alben nicht ganz so pompös ist, sondern schlicht ein ziemlich typischer Song ohne allzu große Besonderheiten.

Es lässt sich definitiv bestätigen, dass sich die Band erneut bewiesen hat. Bei einigen Songs ist mehr als offensichtlich, dass sie viel Mühe investiert haben. Auch die Form der Band lässt nicht nach. Robb Flynns Gesang klingt noch immer wütend, nur der melodiöse Gesang ist stellenweise etwas rau. Die Gitarrenarbeit des Duos Flynn und Demmel ist zweifellos der herausragende Faktor. Demmel überrascht dabei oft mit außergewöhnlichen Soli, die unverwechselbar und einfallsreich sind. Schlagzeuger Dave McClain hat sein Drum-Set vergrößert, doch sein Stil hat sich dadurch nicht verändert. McClain ist keineswegs der schwache Punkt – er hat ein Gespür für Groove und einfallsreiche Übergänge und weiß zweifellos noch immer, jede potenzielle Lücke zu füllen. Etwas schwächer ist Bassist Jared MacEachern, der irgendwie nur als Stütze für die Gitarren dient. Man hört ihn zwar, aber eine herausstechende Linie ist leider nicht zu vernehmen.

Was die Produktion betrifft, muss man wohl kaum gesondert betonen, dass es sich um eine ziemlich massive Sache handelt, an der Juan Urteaga, Colin Richardson und auch Andy Sneap mitgewirkt haben. Dementsprechend ist der Sound, wie man es von MH kennt, wuchtig – und das können sich längst nicht alle Bands leisten, trotz der ganzen Flut polierter Acts.  

Mit ihrem achten Album haben Machine Head bewiesen, dass ihre Kräfte nicht nachlassen. Beim Songschreiben haben sie noch immer etwas Fantasie – nur an manchen Stellen hakt es ein bisschen, was sich in dem einen oder anderen Füller zeigt. Die Fans werden dieses Album zweifellos annehmen, denn sie bekommen ein starkes Werk mit einer Menge emotionaler Note.

Besetzung

Robb Flynn – Gitarre

Phil Demmel – Gitarre

Dave McClain – Schlagzeug

Jared MacEachern – Bass

Produktion

Juan Urteaga, Robb Flynn, Colin Richardson, Andy Sneap

Tracklist

01. Now We Die
02. Killers & Kings
03. Ghosts Will Haunt My Bones
04. Night Of Long Knives
05. Sail Into The Black
06. Eyes Of The Dead
07. Beneath The Silt
08. In Comes The Flood
09. Damage Inside
10. Game Over
11. Imaginal Cells (instrumental)
12. Take Me Through The Fire

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