Blind Faith

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Künstler: Blind Faith
Label: Polydor Records
Erschienen: 1969
Laufzeit: 49.28
Wertung: 3/5

Die Geschichte von Blind Faith ist wie ein medial aufgeblasenes, großangelegtes Musikexperiment, das (ungewollt) auf den Trümmern der britischen Blues-Rock-Attraktion Cream erblühte – nachdem Eric Clapton und der Ex-Traffic-Musketier Steve Winwood sich im Schnellverfahren die Treue versprochen hatten. Das allseitige Gerede über die bevorstehende Lancierung einer neuen Supergroup, die denselben Kurs fahren sollte wie die von den meisten zu früh verlassene Cream-Bark, wurde durch den Beitritt des Family-Bassisten Rick Grech weiter angeheizt – und als dann der allgegenwärtige Maestro Ginger Baker durch die Hintertür hinzustieß, waren die Gerüchte endgültig bestätigt.

Blind Faith ist das schlicht betitelte Debütalbum der oben vorgestellten Starriege – ein Album, dem das Schicksal bei der Behauptung seines eigenen Werts denkbar undankbare Umstände beschert hat. Die Last der Erwartungen von Kritik und Publikum ließ die naive Begeisterung, die vor allem Clapton und Winwood zuverlässig und serienweise zu erzeugen pflegten, schnell abflauen. Dazu kommt der Mangel an wirklich entwickelter kreativer Chemie, zu der auch Claptons Missbilligung über Gingers heimlichen Beitritt zur Band nicht gerade beigetragen hat. Das Album besitzt zwar ein hohes Maß an gegenseitiger Kommunikation und scheut das improvisierte Mäandern nicht – doch dabei versinkt es allzu oft im Sumpf der Unentschlossenheit zwanghaft zusammengesetzter Kompositionen. Diese sind sicher auch eine Folge der Eile, mit der die Platte aufgenommen wurde.

Das Debütalbum von Blind Faith atmet größtenteils wie eine ausgedehnte Jam Session. Mit ihrem eingebauten Improvisationssinn begeistern erwartungsgemäß vor allem Eric Clapton und Steve Winwood. Die Kollaboration zeigt gerne die Zähne – etwa beim Opener „Had To Cry Today“, wo Winwoods Präsenz in die bluesige Grundform ein paar weniger konventionelle melodische Verzierungen einwebt, die sich schön mit Eric Claptons entspanntem, aber dennoch bissigem Spiel verbinden, mit dem der Gitarrist im weiteren Verlauf loslegt. Dennoch muss man die Höhepunkte des Albums diesmal jenseits der improvisierten Marathons suchen. Winwoods Meisterwerk „Can’t Find My Way Home“, gesättigt mit vokalem Sentiment, und das persönliche Bekenntnis „Presence Of The Lord“ aus Eric Claptons Feder sind bis heute gestandene Klassiker und die definitiven kreativen Gipfelpunkte des flüchtigen Blind Faith-Abenteuers. Beide Stücke meiden das Ausdauer-Improvisieren und zimmern eine kompakte, motivisch sehr schlichte und angenehme Stimmung zusammen, die sich wider alle Erwartungen sogar zur Hauptwaffe der Starbesetzung entwickelt. Irgendwo dazwischen, als Spross eines Notfriedens zwischen melodischem Chaos und eingängiger Strophenhaftigkeit, macht „Well All Right“ auf sich aufmerksam – dem leider nicht genug Wille zuteil wurde, um es zu einer edleren Komposition zu formen.

An Winwoods außergewöhnliche stimmliche Qualitäten klammert sich „Sea Of Joy“ – und gut so, denn im Grunde handelt es sich um einen weiteren in einer Reihe von nicht gerade glücklich ausgeführten Manövern, das ein entspanntes, fast schon müdes instrumentales Geschlänge in den lästigen Gewässern schaler Psychedelik bedient. „Do What You Like“ markiert den Wendepunkt, den Moment, an dem Blind Faith die Einfälle endgültig ausgehen. Das Stück stammt aus der Feder von Ginger Baker – einem Mann, der beim Streben nach künstlerischer Integrität nie die Flinte ins Korn wirft. Das grob improvisierte Experiment ist von vorne bis hinten mit elementaren Ginger’schen Arrangement-Griffen überzogen. Blind Faith springen mithilfe des charakteristischen synkopierten Rhythmisierens in die abschließende Improvisation des Albums – jenes Rhythmisieren, mit dem Ginger schon seit den frühen Cream-Tagen seine Handschrift hinterlassen hat. Abgesehen davon, dass wir es hier mit keiner Chemie zu tun haben, die aus dem kreativen Aufeinandertreffen des großen Trios erwuchs, nagt diesmal eine uninspiriert pulsierende Motivik unverschämt an den Ohren – dazu eine nüchterne Rollenverteilung, die sich im weiteren Verlauf in alle Ecken des Stücks ausbreitet: vom synthetisch beschuhten Winwood-Tastenspiel über Rick Grechs entbehrlichen Bass-Beitrag bis hin zu Bakers zwar technisch ausgefeiltem Soloeinsatz, der aber vergeblich die Magie des Cream-Klassikers Toad einzufangen versucht.

Das Debütalbum von Blind Faith bestätigt immer wieder, wie schwer die hastigen kreativen Verflechtungen innerhalb der Band zu kanalisieren waren – und das trotz des unbestrittenen Rufs ihrer Mitglieder (höchstwahrscheinlich aber auch genau deswegen). Die vergleichsweise schlicht ausgearbeiteten Ideen und Einfälle sind in erster Linie die logische Folge des wenig inspirierenden kreativen Umfelds, in dem das Album entstand – was definitiv schade ist. Auf den Ausbruch neuer musikalischer Poesie des Starquartetts wird man also noch eine Weile warten müssen, und selbst dann werden wir die Blind Faith-Artilleristen vor allem bei solistischen Unternehmungen antreffen.

Besetzung

Steve Winwood: Gesang, Orgel, Klavier, Gitarre
Eric Clapton: Gitarre, Backgroundgesang
Rick Grech: Bass, Violine, Backgroundgesang
Ginger Baker: Schlagzeug

Produktion

Jimmy Miller

Trackliste

1. Had to Cry Today
2. Can’t Find My Way Home
3. Well All Right
4. Presence of the Lord
5. Sea of Joy
6. Do What You Like

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