Bled White
Autor: Primož Novak
Künstler: Novembers Doom
Label: The End Records
Erscheinungsdatum: year_month
Laufzeit: 1:08:21
Wertung: 4/5
Die Chicagoer Band Novembers Doom hat bislang mit jedem Album überrascht. Bei jedem Release war ein Fortschritt spürbar, auch die Ideen selbst wirkten frisch, und gleichzeitig standen sie im modernen Metal als Synonym für Doom/Death Metal.
3 Jahre nach dem gut aufgenommenen Album Aphotic und 25 Jahre nach der Bandgründung haben Novembers Doom ein Album veröffentlicht, das auf seine eigene Weise voller Überraschungen steckt. Die Band hält zweifellos an ihrem eingespielten Stil fest, der Death-Metal-Elemente im Stile von Bolt Thrower, Autopsy, dem frühen My Dying Bride und auch Katatonie betont. Das allein verleiht der Sache schon eine gewisse Authentizität.
Aber Novembers Doom wären nicht das, was sie sind, hätten sie keine sanfte Seite. Da sind natürlich Melodie, Klargesang und die eine oder andere Ballade. Damit haben sich Novembers Doom am stärksten einem Opeth angenähert. Diesem Muster folgten auch andere Doom/Death-Metal-Bands wie Daylight Dies, October Tide u.a.
Auf Bled White haben Novembers Doom ihr Rezept etwas abgewandelt. Der Schwerpunkt liegt diesmal eher auf der melodischen Seite als auf der aggressiven. Nach wie vor gibt es knallharte Tracks, bei denen Paul Kuhrs mächtiges Growling heraussticht, die Gitarren und die Rhythmusfraktion sind entsprechend aufgestellt. Wer aber pure Brutalität sucht, wird sie am deutlichsten in Unrest und The Brave Pawn finden. Letzteres ist sogar schon in Richtung Black Metal eingefärbt.
Auch der Versuch, die Melodiösität zu steigern, wirkt alles andere als gescheitert. Fast das Gegenteil. Paul Kuhr setzt sich hier mit melodischen Refrains in Szene, und auch die Ballade wurde nicht vergessen. Diesmal liefert die Band das morbide und stellenweise ausgedehnte Just Breathe. Ebenso dominiert in manch langsameren Track der Gesang. Natürlich greifen auch die Gitarren nach der Melodie. Gitarrist Larry Roberts hat nämlich ein ausgeprägtes Gespür für Soli und Melodie. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das Solo in Clear. Seine Melodien wirken dabei keineswegs kitschig oder aufgesetzt.
Wenn man das Wesentliche dieses Albums herausarbeiten will, muss man festhalten, dass Novembers Doom irgendwie konsistent bleiben, am Gesamtklang gibt es nichts zu meckern, die Melodiösität stört nicht, und auch das Experimentieren, das sich im Einsatz von Klargesang widerspiegelt, darf als gelungen gewertet werden. Gelegentlich stört es aber, dass manche Songs zu lang geraten, und auch der eine oder andere Filler taucht auf. Eine Stunde und acht Minuten sind manchmal schlicht zu lang für ein Album, dem die nötige Dynamik fehlt.
Nach 25 Jahren Bandgeschichte und 9 Alben können Novembers Doom noch immer überraschen. Es handelt sich dabei zweifellos um eine Band, die nicht nach denselben Richtlinien vorgeht wie viele heutige Metalbands, sondern auch Neues ausprobiert, was die Frische ihrer Musik ausmacht.
https://www.youtube.com/watch?v=GRT41OcaAy0
Besetzung
Paul Kuhr – Gesang
Larry Roberts – Gitarre, Gesang
Vito Marchese – Gitarre
Mike Feldman – Bass
Garry Naples – Schlagzeug
Produktion
Chris Wisco, Dan Swanö (Mix)
Tracklist
02. Heartfelt
03. Just Breathe
04. Scorpius
05. Unrest
06. The Memory Room
07. The Brave Pawn
08. Clear
09. The Grand Circle
10. Animus
11. The Silent Dark