Blasphemische (Mitter)nacht-Dämonen im Orto bar!
Vor gut zehn Tagen war es in Ljubljana nicht nur wegen des Sommerwetters heiß, sondern auch, weil unter dem Kommando der Dirty Skunks das höllische Duo Night Demon und Midnight in die Stadt gebraust kam – zwei Bands, die trotz ihrer Genrevielfalt durch die Beschwörung von Schrecken, Bösem, Dämonen und Ähnlichem verbunden sind. Würden Night Demon auf dem Soundtrack klassischer Slasher aus den Achtzigern spielend ihren Platz finden, würden Midnight wie Arsch auf Eimer zu irgendeiner Cronenberg’schen Body-Horror-Sauerei passen. Der Orto bar füllte sich diesmal mit einem Publikum voller Lust auf Dreck und Verderbtheit, und zum ersten Mal, soweit ich mich erinnern kann, gab es bei einem Konzert der Dirty Skunks eine leichte Verspätung: Jarvis, der Sänger des Voracts Night Demon, kam mit einer akademischen Viertelstunde Verspätung auf die Bühne gerannt.
Das kalifornische Heavy-Metal-Trio begrüßte Ljubljana diesmal mit einem Schrei in die Nacht, d.h. mit dem Eröffnungshammer von ihrem Debütalbum Curse of the Damned, Screams in the Night. Die Halle hatte sich bis dahin schon recht ordentlich gefüllt, und Night Demon schonten das Publikum nicht – sie rasten von einem Heavy-Metal-Banger zum nächsten und beruhigten sich eigentlich erst mit dem abschließenden epischen Klagestück Darkness Remains. Die Amerikaner sind tief im klassischen NWOBHM verwurzelt, klingen dabei aber nicht abgekaut, sondern modern und frisch, und die Jungs hatten keine größeren Probleme, das Publikum gut vierzig Minuten in ihren Klauen zu halten. Ihre melodischen Hooks, starken Refrains, abwechslungsreichen Gitarrenfiguren und die klirrende Rhythmusfraktion haben nämlich die Gabe, sich sofort in die Ohren zu bohren und dort eine ganze Weile zu bleiben. Wegen der anfänglichen Verspätung redete Sänger Jarvis Leatherby nicht viel, sondern ließ die Musik sprechen. Dem aufgeschlossenen Publikum – unter dem diesmal endlich auch fremdsprachige Gäste auszumachen waren – servierten sie so aus dunklen Tiefen die treibenden Klassiker Hallowed Ground, Flight of the Manticore und Heavy Metal Heat, zwischendurch schoben sie die Singles Empires Fall, Kill the Pain sowie Vysteria ein, die zwischen 2020 und 2022 erschienen und soeben auf der frisch veröffentlichten Kompilation Year of the Demon zusammengefasst wurden. Ohne den Hit Dawn Rider mit dem Intro des Motörhead-Klassikers Overkill ging es natürlich auch diesmal nicht, ebenso wenig ohne das Maskottchen der Band – die Kapuzentodesfigur, die beim unheilschwangeren The Chalice einen Kelch über das Publikum schwingt. Nach dem regulären Set, das mit dem bereits erwähnten Darkness Remains endete, legten Night Demon noch ihren „Iron Maiden“ nach – also Night Demon natürlich. Ein kurzes, aber süßes Set – einzig die hymnische Welcome to the Night hat mir dabei gefehlt.
Midnight-Kopf Athenar gründete die Band ursprünglich als Soloprojekt mit dem Plan, ausschließlich EPs und Splits zu veröffentlichen – Live-Auftritte standen nicht auf dem Programm. Zum Glück hat Athenar seine Meinung geändert (wie zum Beispiel auch Anaal Nathrakh), und so verheert Midnight seit einem Jahrzehnt die Bühnen mit seiner Botschaft der Blasphemie und des F.O.A.D.-Attitudes. Schon die ersten Sekunden ihres Auftritts verbreitete sich durch den Orto bar der Geruch nach Schwefel, denn Midnight öffneten die Pforten der Hölle und brachten damit zum allerersten Mal (wenn ich mich nicht irre) ihr Böses nach Slowenien – diesmal mit dem brandneuen Meisterwerk Dreckswerk Let There Be Witchery. Midnight machen’s nicht kompliziert, und das ist auch weit entfernt von ihrer Absicht. Von ihren ersten satanischen Tönen Vomit Queens an penetrierten sie das Publikum mit Ekstase und teuflischen Ausscheidungen in Form von kurzen, drei bis vier Minuten langen Black/Speed-Metal-Schüssen. Manchmal kommt es nicht auf die Länge an, sondern auf die Technik – wobei, Hand aufs Herz: Midnight haben weder das eine noch das andere, hehe. Auch dem Taubsten ist bei Midnight sonnenklar, dass sie dem Altärchen von Motörhead und Venom huldigen, was sie weder verbergen noch wie eine Kopie der genannten Giganten klingen lässt. Sie haben sie schlicht für sich adoptiert und in einen Schleier von Black-Metal-Maniakalität eingehüllt – und es wäre schwer, eine Band zu finden, die authentischer und eigenständiger klingt. Die Amerikaner waren auf der Bühne wie lebende Böller, und genauso chaotisch war es davor: Dem Moshen schien kein Ende in Sicht, und Midnight feuerten sichtlich auch die zahlreichen Stage Dives an. Respekt an Athenar und seine Bastarde, dass sie hinter ihren schwarzen Masken nicht in der höllischen Hitze des Orto bar verbrannt sind! Obwohl sich die Midnight-Tracks untereinander relativ ähneln, wurde es keinen Augenblick langweilig: Die Nacken wippten wie Bobblehead-Puppen von Anfang bis zum bitteren Ende – vom sexy Penetratral Ecstasy und Lust Filth and Sleaze über das etwas melodischer und epischer klingende Rebirth in Blasphemy, die langsameren Rhythmen von Satanic Royalty und die groovigen Moves von Prowling Leather bis hin zum reinblütigen Black/Speed-Chaos mit Fucking Speed and Darkness, Poison Trash und der frischen Hymne Szex Witchery, die sich unter die Haut schleicht – schneller als die Body Snatchers im Film, oder noch besser: die Würmer aus James Gunns Slither. M m mmmmmm. Diese Worte kann ich nur auf eine Art beenden: Ugh!
Fotos: Nina Grad






