Black Rock

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Künstler: Bonamassa, Joe
Label: Provogue Records
Erscheinungsjahr: 2010
Laufzeit: 53.12
Bewertung: 4/5

Das neue Album von Joe Bonamassa präsentiert sich auch diesmal mit einer bunten Palette bereits bekannter Qualitäten. Der Junge liefert auf „Black Rock“ klar gezeichnete Züge versierten Songwritings, die nach aller Regel ordentlich mit altbewährtem, rockorientiertem Arrangement-Schmier eingefettet sind. Klanglich hat er jedenfalls im Vergleich zu „The Ballad Of John Henry“ (RockLine Rezension hier) spürbar an Organik gewonnen. Man bemerkt nämlich schnell, dass Bonamassa klanglich die Quelle seiner Inspiration in die 70er-Jahre verschoben hat. Die unverkennbare Aussagekraft des Musikers bleibt natürlich erhalten, doch spielen diesmal für die Aufhellung des Gesamtklangbildes die schön gurgelnden Hammonds eine konkretere Rolle – und dazu noch eine Reihe exotischer Requisiten wie etwa Bouzouki oder Mandoline. Das alles lässt ahnen, dass Joe Bonamassa künstlerisch nach wie vor wächst. Klar, mit 32 Jahren ist der Ruhestand noch weit weg.

Bevor wir anfangen, den Jungen über den grünen Klee zu loben, gönnen wir uns zum Einstieg ein Minus oder zwei. Joe Bonamassa geht Funk-Rock-Experimenten noch immer recht unbeholfen an, vor allem wenn man bedenkt, wie erfolgreich Musiker vom Schlag eines Richie Kotzen, Philip Sayce oder natürlich Glenn Hughes auf diesem Gebiet sind. Der schwerfällig geschmiedete Albumopener scheint ausschließlich zur Bestätigung dieser Tatsache angetreten zu sein. „Steal Your Heart Away“ fällt zwar schnell ins vehemente Drehen des Funk-Rock-Rads, das sich aber unter der Last seiner eigenen Kompaktheit bald im monotonen Wälzen schablonenhaft zugeschnittener Rhythmusmuster verliert – einfach zu künstlich und zu unnatürlich, um sich dabei wirklich entspannt zu amüsieren. Aber aufgepasst! Joe schaltet hinter der nächsten Ecke schnell auf eine andere Spur um. Das unbeholfen trampelnde Blues-Rock-Stück „I Know a Place“ zeigt ein völlig anderes Gesicht des Gitarristen. Das Album findet an diesem Punkt genau den richtigen Schwung, der uns bis zur blauäugigen Vermissten „Bird On a Wire“ nicht mehr loslässt. Bonamassas Spiel wird immer gieriger, wirkt oft, als würde es sich in einem Zug ohne nachzudenken fröhlich zwischen die Pfeiler verschieden konstruierter Kompositionen zwängen. Das garantiert den Fieberpegel des Geschehens. „When The Fire Hits The Sea“ faltet geschickt die Fallstricke des zungenschnalzenden Slide-Spiels und eines wohlgefälligen Ambientes auf dem Fahrgestell rollender Grundrhythmik zu einer ansteckenden musikalischen Erzählung zusammen – ganz ohne das Etikett „für ausgewählte Hörer“. Eben jenen Diensten entsagt gegen Ende des Albums sicherheitshalber nonchalant der Favorit „Blue and Evil“ – definitiv der schärfste Moment der Platte, nach dem „Black Rock“ spontan in einen kontrastreich entlastenden Abschluss ausschwingt. Begeisternd!

Joe wagt noch einen Schritt weiter ins „Unbekannte“. In dem Wunsch, den Blues von der erstickenden Pomposität moderner Interpretations- und Produktionsgriffe zu befreien, und bewaffnet mit dem Gedanken, so nah wie möglich an seinen Ursprungszustand zurückzukehren, hat der Typ die Dienste des einen und einzigen B.B. King in Anspruch genommen. Die Anleihe beim Willie Nelson-Klassiker „Night Life“, um die sich das Duo freundlicherweise gekümmert hat, ist jedenfalls die größte Überraschung des Albums – ein unerwartetes, aber mehr als willkommenes Manöver außerhalb der sog. „Komfortzone“ von Bonamassas Vorgängeralben. Joe ist nicht weniger überzeugend bei der Exekution von Becks „Spanish Boots“, und ähnlicher Behandlung werden auch die flüchtige Wiederbelebung des Otis Rush-Standards „Three Times a Fool“ und „Look Over Yonders Wall“ zuteil, dessen Ausführung eine charakterliche Tiefe widerspiegelt, die ohne lästiges Schönreden den meisten Blues-Zeitgenossen Angst in die Knochen jagt. Die brutal einfache Ausführung eines pikanten, klar gemeißelten und autoritativen Gitarrentons verdient ob der Spontaneität ihres Pulses und ihrer Ungezwungenheit echten Respekt.

„Black Rock“ ist die passende Antwort auf die, ehrlich gesagt, berechtigte Kritik, die sich im Laufe der Jahre rund um den sog. Status als König des Blues der neuen Ära angehäuft hat. Man kann sagen, es handelt sich um einen Wendepunkt in Bonamassas Karriere, an dem der Gitarrist seinen Ruf als Fahnenträger der neuen Generation des Blues Rock festigte und dem es dabei gleichzeitig gelang, auf erreichbarer Distanz auch die traditionellen Werte des Blues zu bewahren. So wird er unterwegs mit Sicherheit auch ein paar Sympathien jener rechtgläubigen Genre-Liebhaber einheimsen, das seit Jahrzehnten in der Regel klinisch tot ist.

Besetzung

Joe Bonamassa: Gesang, Gitarre
David Woodford: Saxofon
Lee Thornburg: Bläser
Rick Melick: Keyboards
Carmine Rojas: Bass
Bogie Bowles: Schlagzeug
Anton Fig: Schlagzeug

Produktion

Kevin Shirley

Tracklist

1. Steal Your Heart Away
2. I Know A Place
3. When The Fire Hits The Sea
4. Quarryman’s Lament
5. Spanish Boots
6. Bird On A Wire
7. Three Times A Fool
8. Night Life
9. Wandering Earth
10. Look Over Yonders Wall
11. Athens To Athens
12. Blue And Evil
13. Baby You Gotta Change Your Mind

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