Black Cat
Autor: Jernej Vene
Künstler: Zucchero
Label: Universal Music Group
Erscheinungsjahr: 2016
Laufzeit: 47:27
Bewertung: 4/5
Wenn wir Zucchero als italienischen Canzone- oder Chansonsänger bezeichnen – als Autor so mancher wohlklingenden Ballade oder rockigen Knallernummer –, tun wir ihm Unrecht. Schon mit seiner rauen Stimme schafft er es, einen in eine ganz eigene Welt zu entführen – eine, die wie gemacht ist zum Abtauchen. Musik hat schon immer die unterschiedlichsten Gedanken ausgelöst, Wege zu Antworten auf vielerlei Fragen gewiesen oder schlicht die Rolle der Heilerin so mancher Wunde übernommen. Aber Zucchero ist mehr als das: Wenn er über Blues spricht, besingt er ihn als etwas zutiefst Elementares – was er ja auch ist –, als etwas, das jeder in sich aufgenommen haben sollte, bevor er sich anderen Musikstilen zuwendet. Zucchero versteht es, die archaische Bluesform in eine durch und durch persönliche Erfahrung zu verwandeln. Damit baut er auf vertrautem Fundament immer neue interessante Geschichten – auch wenn das mit einem jahrzehntelangen Werk zunehmend schwerer wird. Denn das Schwerste ist es, eine neue Veröffentlichung von jemandem zu hören, der bereits einen Haufen großartiger Songs und Alben hinter sich hat und dabei auch noch ein brillanter Übersetzer der Außenwelt in Texte ist – Texte, die sowohl der einfache Hörer als auch der ausgesprochen belesene versteht. Zucchero ist im Grunde ein einfacher Bauernjunge, der seinen Träumen gefolgt ist und sie mit Ausdauer auch verwirklicht hat. Er hat seine Liebe zum Blues nie versteckt – im Gegenteil: Seit er in der toskanischen Landschaft Lunigiana lebt, hat er sie in Lunisiana umbenannt, natürlich zu Ehren des US-Bundesstaates Louisiana, einer der Wiegen des Blues. Die Melodik ähnelt seinen bewährten Hits aus der Vergangenheit, vor allem denen von den erfolgreichen Alben Blue’s und Oro Incenso & Birra. Letzteres gilt angeblich als das meistverkaufte italienische Album weltweit und zählt zu den bedeutendsten italienischen Alben überhaupt.
Zucchero hat wie üblich für die nötigen Würzmittel gesorgt, diesmal in Form von Songschreibern und Instrumentalisten. Bono von U2 hat den englischen Text für Streets Of Surrender geschrieben (die italienische Version heißt Ci Si Arrende) , das eine Hommage an alle Todesopfer des Massakers im Pariser Bataclan im November 2015 ist – die Resonanzgitarre hat Mark Knopfler eingespielt. Adelmo Fornaciari weicht nicht von der bewährten Formel ab, die er 1987 auf dem Album Blue’s erfolgreich einzusetzen begann. Das ist eine Mischung aus Popsongs mit einem Hauch Blues, etwas italienischer Canzone und schönen Melodien, die in seine Balladen eingeflossen sind. In seiner Heimat heißt es, er sei mit diesem Album zu seinen Wurzeln zurückgekehrt. Er hat die richtige Harmonie zwischen akustischen und elektrischen Instrumenten gefunden. Die ersten drei Songs sind schnell und direkt, der mittlere Teil des Albums ist balladenhaft gefärbt. An Ten More Days wirkt sogar der Star der elektronischen Tanzmusik Avicci mit. In ihm und in Hey Lord orientiert sich Zucchero an alten Melodien, die einst über den Baumwollfeldern Louisianas hallten, serviert uns das funkige L’anno dell‘ amore (Jahr der Liebe), und navigiert insgesamt geschickt zwischen Melancholie und Freude. Wie immer hat er mit einem außergewöhnlichen Produktionsteam die Essenz der Verbindung von Musik und Texten eingefangen. Ich kann nicht behaupten, dass er ein Meisterwerk geschaffen hat, aber er beweist einmal mehr, dass er ein Gigant ist – und das längst nicht nur im italienischen, sondern im weltweiten Maßstab. Ganz charmant kombiniert er auf manchen Songs seine Muttersprache mit Englisch, was dem Album eine angenehme Weichheit und Vertrautheit verleiht.
Er schöpft nach wie vor aus seiner Liebe zum Blues und reiht lässig Lebensimpressionen aneinander. Vielleicht stärker als je zuvor ist er in der Zuneigung zu seiner Heimatlandschaft verwurzelt, schöpft Inspiration aus Kindheitserinnerungen und trägt die Melodien intensiv, hingegeben, leidenschaftlich und gefühlvoll vor. Dabei vergisst er die Traurigkeit, den Schrecken und die Entfremdung der modernen Welt nicht und hofft, dass wir genug Kraft finden werden, all das so bald wie möglich zu überwinden. Er ist der einzige italienische Musiker, der die Arena von Verona am häufigsten gefüllt hat, und der einzige nicht-englischsprachige, der am häufigsten in der renommierten Londoner Royal Albert Hall aufgetreten ist. Von seiner Klasse haben wir uns auch beim Konzert in Ljubljana überzeugen können, wo er uns mit einem reichen Songprogramm vom Album Black Cat verwöhnte.
Zucchero – 13 Buone Ragione (offizielles Video):
Besetzung
Zucchero – Gesang, Klavier, akustische Gitarre, Hammond, FARFISA-Orgel, Harmonium
Mark Knopfler – „National Steel“-Gitarre
Mark Goldenberg – akustische Gitarre
Stavros Ioannou – Gitarre, Bass
Colin Linden – elektrische Gitarre
Max Marcolini – elektrische Gitarre, Bass, Harfe, Dobro, Mellotron, Klavier
Brendan O’Brien – zwölfsaitige Gitarre, elektrische Gitarre, Bass, Synthesizer
Tim Pierce – elektrische Gitarre, akustische Gitarre
Greg Leisz – Pedal-Steel-Gitarre, akustische Gitarre
Russell Pahl – Pedal-Steel-Gitarren
Jerry Douglas – Lap-Steel-Gitarre, Dobro
Federico Biagetti – Dobro
Michael Finnigan – Klavier
Jamie Muhoberac – Klavier, Minimoog, Mellotron
Patrick Warren – Mellotron
Nils Ruzicka – Keyboards
Barry Balese – Bass
Nathan East – Bass
Davide Rossi – Violine
Matt Chamberlain – Schlagzeug
Jay Bellerose – Schlagzeug, Perkussion
Jim Keltner – Schlagzeug
Lenny Castro – Perkussion
Aaron Sterling – Perkussion
Darrell Leonard – Trompete
Lester Lovitt – Trompete
Ira Nepus – Posaune
Thomas Peterson – Saxofon
Joe Sublet – Saxofon
Gene Cipriano – Englischhorn
Stephanie O’Keefe – Horn
Kurt Lykes – Hintergrundgesang
Jason Morales – Hintergrundgesang
James McCrary – Hintergrundgesang
Biagio Antonacci – Hintergrundgesang
Linda McCrary – Hintergrundgesang
Arthur Miles – Hintergrundgesang
Louis Pardini – Hintergrundgesang
Melody Perry – Hintergrundgesang
Cheryl Porter – Hintergrundgesang
Leslie Sackey – Hintergrundgesang
Alfie Silas – Hintergrundgesang
Lisa Stone – Hintergrundgesang
Jennifer Vargas – Hintergrundgesang
Vincenzo Draghi – Hintergrundgesang
Produktion
Don Was, T- Bone Burnett, Brendan O’Brien
Trackliste
1. Partigiano Reggiano
2. 13 Buone Ragioni
3. Ti Voglio Sposare
4. Ci Si Arrende (feat. Mark Knopfler)
5. Ten More Days
6. L’Anno Dell’Amore
7. Hey Lord
8. Fatti Di Sogni
9. La Tortura Della Luna
10. Love Again
11. Terra Incognita
12. Voci (Namanama Version)
13. Streets Of Surrender (S.O.S.)