Birth
Label: CPZ Records
Veröffentlichung: 2007
FrozenchilD, ein Trio (nach manch sensationeller Erkenntnis sogar ein Quartett) von Musikbesessenen, stürmt nach jahrelangem Abwetzen heimischer und oft auch ausländischer Bühnen im Jahr 2007 erstmals die Ohren des voralpinen Fußvolks – mit einem Haufen von elf schablonenhaft abgelieferten Schreien voller Wut und ungezähmter Rebellion des durchschnittlichen, verwöhnten Slowenchen-Teenagers, die nur noch die Tatsache bestätigen, dass die Geburt ihres lang erwarteten Debüts, vielsagend Birth betitelt, nur noch einer der letzten Nägel im Sarg der Apathie und quasi-intellektuellen Pathetik der Rockszene von Ljubljana ist.
Schrecklich ist, dass FrozenchilD, bei den äußerst vorhersehbaren Gitarrenbrummereien des an sich mehr als soliden Peter Hudnik, ihre Hoffnungen sorglos auf den kein bisschen beeindruckenden Gesang des Onkels setzen, der sich in der Öffentlichkeit offenbar gern unter dem Pseudonym Cerebus aufspielt! Ein mutiger Zug, der sich trotz des zugegeben außerordentlich selbstbewussten Gesangs als einer der größeren strategischen Fehler erweist, seit die katholische Front der polnischen Nationalgarde sich beim Warschauer Aufstand 1944 ausgerechnet Josef Stalin höchstpersönlich zum Erlöser und Heiligen erkoren hat. Die Gesangsinterpretation des jungen Herrn ist nämlich ein ausgesprochen nachlässiges Sammelsurium ideenlos gefälschter Stimmableitungen im Stil von Layne Staley oder, was noch schlimmer ist, in manchen Passagen sogar von Jim Morrison höchstpersönlich. Unser kleines „Genie“ bietet außer todmüdem und kränklichem Krächzen keine nennenswerten Popfreuden, was angesichts des beschränkten Spektrums, in dem ein potenzieller FrozenchilD-Enthusiast musikalischen Ausdruck als Kultur wahrnimmt, aber auch kein größeres Problem darstellt. Dem wird beim Ertragen des monotonen Draufhauens grotesk verstärkter Gitarrenriffs vermutlich ziemlich schnell die typische Oberstufenlyrik aus Utopie und selbstmörderischem Wahnsinn aus dem Wahrnehmungsfeld entgleiten, auf der auf den ersten Blick die gesamte FrozenchilD-Botschaft beruhen soll. Cerebus‘ „bunter“ Düsterwortschatz bleibt wie in böser Vorahnung über das ganze Album hinweg auch das herausragendste FrozenchilD-Element, denn musikalische Höhepunkte gibt es hier nämlich nicht gerade im Überfluss, wenn überhaupt.
Birth spuckt als Erstgeborenen zuerst Daemon Song aus, eine endlose Gesangsimpersonation des Beelzebub höchstpersönlich, auf die schnell ein besser hörbares, stimmlich entlastendes Intermezzo in Gestalt von Desire folgt. Der ansonsten völlig durchschnittliche Song ist der erste überzeugendere Beleg für die Konsistenz der Rhythmusgruppe der Band, der zwar etwas mehr Kreativität fehlt – eine Tatsache, deren Rolle diesmal vernachlässigbar bleibt. Songs wie Pretence, das interessant angelegte The Wake (void?), Dream oder die vielversprechende melodische Symbiose Sub lassen deutlich die Umrisse ihres gut getarnten Potenzials erkennen, das aber bei den belanglosen Gesangswendungen, abgerundet mit einem Hauch naiven rhythmischen Herumhüpfens, immer weit hinter den Erwartungen landet. Eingespannt zwischen Cerebus‘ babyhafter Fiktion und der Wirklichkeit des Ljubljanaer Alltags finden wir Broken, ein schon unzählige Male gehörtes Experimentieren mit Ambient-Zutaten im Stil des unrühmlich zugrunde gegangenen Vereins Seattler Antidepressiva-Abstinenzler aller Arten und Farben. Nemesis ist alles andere als das Rätsel, für das es sich ausgibt, denn es handelt sich um ein zwar überdurchschnittliches Herumschleichen um einen endlich halbwegs nach etwas klingenden Gesang, der dank der konkreteren Unterstützung des restlichen Trios, zusammen mit dem Schwestersong Phoenix, still und leise die momentane Reichweite der Band verrät. Diese deutet mit Never/Forever auch an, dass ihr Problem weniger im musikalischen Konzept liegt als im erbärmlich verlogenen und seelenlosen Gesang, auf dessen Kosten natürlich das ganze Erscheinungsbild und Konzept von FrozenchilD leidet.
FrozenchilD sind also da. Zwar mit „leichter“ Verspätung, aber dennoch bewaffnet mit einer ordentlichen Portion ungezähmten Dröhnens, bei dem wir in den kommenden Monaten sicher den goldenen Zeiten der Ruhe aus den sorglosen „child less“-Tagen von Eintracht und gegenseitigem Verständnis nachtrauern werden. Na ja, die Lage wird ein bisschen erträglicher bei der unerwarteten Erkenntnis, dass dieses Scheibchen auch einen alternativen Verwendungszweck hat. Einen wirksameren Anreger für die Harnwege und ihnen ähnliche Ausscheidungsorgane wird die moderne Wissenschaft nämlich noch lange nicht zu bieten haben!
Besetzung
Peter Hudnik (pherius): Gitarre
Marko Preželj (cerebus): Gesang
Katrine: Schlagzeug
Mitja Kavec: Bass
Produktion
Matej Grginič
Tracklist
1.Daemon Song
2.Desire
3.Broken
4.Pretence
5.Nemesis
6.Dream
7.The Wake (void)
8.Sub
9.Phoenix
10.Never/Forever
11.Night Vision
Spieldauer: 56.30