Big Mean Machine (EP)
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Eyecontact
Label: god bless this mess records
Erscheinungsjahr: 2014
Laufzeit: 20:47
Wertung: 4/5
Prekmurje gilt als das geografische Gebiet Sloweniens, in dem die interessantesten Ideen des musikalischen Visionärtums entstehen. Was auch immer dort unten musikalisch angepackt wird, trägt fast immer die greifbare Essenz einer klar ausgeprägten Charisma, die durch ihre Echtheit und Eigenartigkeit sofort mitreißt und überzeugt. Unabhängig vom Genre. So ungefähr läuft auch die folgende Geschichte.
Einst gab es Khons. Es waren die Neunziger, und es war Lendava. Leider schaffte es die Band nicht einmal zu einer einzigen offiziellen Studioaufnahme – stattdessen beschloss sie 2008, alle Aktivitäten einzustellen. Auf den Trümmern von Khons legten ihre ehemaligen Mitglieder Gregor Naglič und Daniel Balažic das Fundament ihrer neuen Band. Zunächst spielten sie eine Weile als Duo, dann füllte sich die Besetzung mit dem zusätzlichen Gitarristen Atila Szunyog und dem Bassisten Teo Graj. Im Jahr 2011 wurden die Umstände für die neue Band Eyecontact günstig, und sie begann, eigenes Material zu schreiben, das dann im Mai dieses Jahres als erste EP erschien. Die Band taufte sie auf den Namen »Big Mean Machine«
Schon das Cover-Motiv und die Farbkombination lässt erahnen, dass im Inneren ein blutgieriges Biest wütet und Verwüstung anrichtet. Dieses Biest ist nichts anderes als die außergewöhnliche chemische Bindung von klobig dreckigen Riffs absoluter Stoner-Rock-Einöde – oder geradeheraus gesagt »Verbannung« –, die mit Wucht und vehementer Kühnheit direkt ins Herz des Rock-Kerns einschlägt. Die Band pflügt durch primordiale, metallisch aufgestachelte Riffs, die einen unpolierten, rohen Garagenklang besitzen, was der EP einen pulsierend lebendigen, fett verschmierten Sound und die geforderte dynamische Federung verleiht. Die massive Riff-Wand, die die beiden Gitarren erschaffen, liefert in ihrer ungezügelten Verwüstung den Löwenanteil des Klangfundaments – aber keinesfalls zu übersehen sind die pfriemenscharf zugespitzten, klirrend scheppernden Basslinien sowie der Kern der kraftvollen Schläge von Drummer Gregor Naglič.
Die Songs sind punktuell aufgelockert durch Wechsel der Gitarrenphrasen, hinzugefügte Ornamente der Gitarrensoli sowie Tempowechsel, was natürlich durch die gesamte Spielzeit der EP die Stimmungslagen bzw. die Atmosphäre der Scheibe effektiv verzerrt. Die Songs entwickeln sich mit einem Hauch von Wut und dem Schlag der Stunde des Jüngsten Gerichts. Viel zu dieser postapokalyptischen Bildhaftigkeit trägt der feurig leidenschaftliche Gesang bei (Peasant, Let Me Taste Your Suicide), der ein wichtiger Baustein dieser verhängnisvollen, aber auch »teuflisch-schelmischen« Stimmungen der EP ist! Eyecontact zeichnen die Schwärze mit außerordentlichem Eifer und lassen in ihren Taten keine Gefangenen zurück. Halbton-Kombinationen sind in den Gitarrenphrasen selbstverständlich, wenn nicht gar gefordert – schließlich reden wir von Stoner Rock, dem nahen Verwandten des Doom, und beide schöpfen in dieser Hinsicht gerne aus der Riff-Elementarität von Black Sabbath. Stoner-orientierte Riffs erschaffen natürlich eine Art Hypnose, die dich in die Musikwelt der Band saugt, und die Band bedient sich einer effektiven Kreation prägnanter Riffs, die sie mit mehreren Grundtempi kombiniert. Im abschließenden Instrumental Irony liegt die einleitende, zerstörerische Riff-Lawine auf nahezu tribalen Rhythmen.
Eyecontact klingen schon von Anfang an besonders – sie tragen Charisma. Sie wissen, wie man in einen Song einen ausgefeilten Riff bringt, der mitreißt, und diesen mit rollenden Rhythmen unterlegt, die die glühende Glut der aufgestachelten Riffs effektiv anfachen. Mit ihrer ersten EP signalisiert die Band klar, dass hier ein neuer Sonderling im slowenischen Musikgeschehen der härteren Sphären am Werk ist – und sie folgt mit großem Eifer dem Brennpunkt ihres ureigenen musikalischen Visionärtums, wofür sie jede Aufmerksamkeit verdient. Besonders in den zukünftigen Akten musikalischer Schöpfung.
Besetzung
Daniel Balažic – Gesang, Gitarre
Atila Szunyog – Gitarre
Teo Graj – Bassgitarre
Gregor Naglič – Schlagzeug
Produktion
Eyecontact
Tracklist
1. Fehlgeschlagene
2. Hindenbruk
3. Caius
4. Peasant
5. Let Me Taste Your Suicide
6. Irony