Bier, Hot Dog und Death Metal! (2014)
Autor: Primož Novak
Ort: Pri Rdeći Ostrigi / Škofja Loka / Slowenien
Konzertdatum: 19.04.2014
Besucherzahl: 100
Eintritt: 5€
Der Club Pri Rdeči Ostrigi in Škofja Loka überrascht jedes Jahr mit hervorragenden Metal-Konzerten, bei denen sich bisher eine beachtliche Anzahl sowohl etablierter als auch unbekannter Bands die Klinke in die Hand gegeben hat. Diesmal war die Location für Bands reserviert, die sich dem Death Metal verschrieben haben. Auf der Freiluftbühne des Clubs spielten also die slowenischen Bands Armaroth, Paragoria und Incarnated.
Als Erste stellten sich dem Publikum die jungen Hoffnungsträger aus der Primorska-Region vor, Incarnated, die als Thrash/Death-Metal-Band eingestuft werden. Die Band griff zweifellos auf beide Metal-Subgenres zurück, doch es muss erwähnt werden, dass einige Songs mit groovigeren Passagen einen ziemlich modernen Touch hatten, was sie umso interessanter machte. Man merkt aber deutlich, dass der Band noch die nötige Erfahrung fehlt, damit die Abstimmung der Mitglieder auf einem höheren Niveau wäre. Dasselbe gilt für die Kommunikation mit dem Publikum. Ihr Set bereicherten Incarnated unter anderem mit dem Gastsänger der aufgelösten Band Almost Rage. Die Band hat durchaus interessante Ideen, das Solieren beider Gitarristen ist einfallsreich, irgendwo auf dem Niveau der technischeren Bands, doch die Rhythmussektion braucht mehr Dynamik. Lobend zu erwähnen ist, dass die Band eigenes Material präsentierte und das Publikum nicht mit unnötigen, ausgelutschten Coverversionen belastete.
Incarnated haben das Publikum gut aufgewärmt, sodass es bereit war für die Death-Metal-Truppe aus dem Savinja-Tal, Paragoria. Die Band präsentierte folgerichtig Songs vom letztjährigen Debütalbum Decomposition of Mind, das mehr als gut ankam. Paragoria überzeugten mit zerstörerischer Power, und das Publikum beteiligte sich nach ein paar Songs kräftig mit Headbangen. Neben den Highlights vom Debüt wie From Carcass to Soil, Moribound Inborn, Mass Massacre u.a. servierte die Band auch den Song Through the Shadows, noch aus der Zeit, als die Gruppe The Scourge hieß und Thrash Metal spielte. Aber nach den übrigen Songs war klar zu hören, dass Thrash Metal ihnen zu wenig war, weshalb sie auch Death und Groove Metal in ihre Musik einwebten. Die Jungs wissen nämlich, dass es auch nach dem Jahr 2000 Qualität und Innovation gibt. Damit soll vor allem betont werden, dass Paragoria viele technische Groovy-Passagen im Stil der französischen Gojira einbauen. Die Performance der Band ist mehr als ordentlich eingeübt, der doppelte Vokalangriff seitens Gitarrist Matjaž und Bassist Jernej verleiht der gesamten Musik eine handfeste Lebendigkeit. Na ja, etwas mehr Bewegung auf der Bühne würde nicht schaden, aber das kommt wohl früher oder später auch noch. Bei Paragoria merkte man zweifellos die längere Erfahrung, auch das Zusammenspiel war diesmal zufriedenstellend, nur einige Songs wurden ziemlich schnell gespielt. Aber am Ende muss man bestätigen, dass man von Paragoria so schnell nicht genug kriegt.
Paragoria hinterließen eine Verwüstung, aber das Konzert war noch nicht zu Ende. Als letzte Band präsentierten sich Armaroth aus Kranj, die ihr letztjähriges Werk, die EP False Vision, vorstellten. Die Musik selbst unterschied sich ein wenig von den beiden vorherigen Auftritten, was überwiegend positiv war, angesichts der Tatsache, dass das Event auf Death Metal ausgerichtet war. Incarnated servierten Thrash/Death Metal, Paragoria groovigeren Death Metal, Armaroth hingegen Old-School-Death-Metal. Man könnte sagen, dass Armaroth mit ihren Songs ziemlich kompromisslos waren, die an die Death-Metal-Giganten à la Cannibal Corpse, Obituary, Suffocation und vielleicht noch Morbid Angel erinnerten. Also Musik, die nicht übermäßig verkompliziert, sondern auf Punch und Authentizität setzt. Armaroth begeisterten. Bis zu einem gewissen Grad. Vor allem die Gitarrenriffs und der Gesang waren ausgefeilt, auch der Auftritt selbst war energiegeladen, doch in der Rhythmussektion fehlten interessante Wendungen und insgesamt war zu wenig Dynamik vorhanden. Armaroth versprechen zwar einiges, die Frage ist nur, ob ein 20 oder mehr Jahre altes Rezept noch zeitgemäß ist. Aber wenn nichts anderes, dann merkt man nach dem Gesehenen, dass die Jungs die Sache mit viel Leidenschaft angehen.
Das Event hat alle Erwartungen erfüllt. Die Vertreter des extremeren Metals in Slowenien konnten begeistern, es gab sogar kostenloses Essen, genauer gesagt Hot Dogs, und der Alkohol floss in Strömen. Auf jeden Fall können wir uns für die Zukunft noch mehr solcher Konzerte in der angenehmen Atmosphäre des Clubs Pri Rdeči Ostrigi wünschen.
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