Battle Born
Künstler: Killers, The
Label: Vertigo Records
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 51:18
Bewertung: 4/5
Mit ihrem neuen Album bleiben The Killers ganz klar The Killers. Sie vertiefen das Erbe der vorangegangenen drei Alben konsequent weiter, und man kann sagen, dass sie mit »Battle Born« das kreative Statement ihrer ersten acht Jahre bis auf den Zenit ihres Schaffens getrieben haben. Das bedeutet, dass das nächste, also das fünfte Album mindestens eine leichte Kurskorrektur in der musikalischen Ausrichtung bieten muss, damit The Killers die Gefahr der Selbstparodie bannen können.
Eine untypische Einleitung, die schnell überflüssig wird, sobald man erkennt, dass »Battle Born« bis dato das reifste, mit pedantischer Akribie klangtechnisch produzierte, arrangementtechnisch vollendete und damit rundum stimmig geschnittene Studioalbum der amerikanischen Alternativ-MTV-Lieblinge ist. Nicht zuletzt haben sich gleich fünf angesehene Produzentennamen mit dem Sound von »Battle Born« befasst, die für ihre Dienste keine gerade geldbeutelfreundlichen Rechnungen stellen. Doch für The Killers ist das kein Problem, denn in ihrer bisherigen Karriere haben sie ihre vier Studioalben weltweit über 16 Millionen Mal verkauft.
Es handelt sich um eine neue, gründlich erprobte musikalische Formel aus einer außergewöhnlich profilierten Kombination von melodischer Ausgefeiltheit, anthemischer Bombastik und der richtigen Dosis Rockintensität, die in der Summe beim ersten Hören hypnotisch packend wirkt. The Killers haben die vielen Tracks des neuen Albums farbenreich und abwechslungsreich dosiert. Angesichts der eng definierten musikalischen Spur, der sie folgen, ist das keine leichte Aufgabe mehr. Gerade die Reife und die Erfahrung der Musiker, gepaart mit dem erhaltenen ideellen Nährboden, treiben den Motor an, der den Wagen der Band vorwärts und aufwärts zieht, und The Killers behalten dabei in allen musikalischen Manövern ihre volle Glaubwürdigkeit.
Das feierliche Element eines hochansteckenden Arena-Pomps entfacht sich sofort mit dem Opener Flesh And Bone, der nach dem Muster hypnotischer, unmittelbarer Eingängigkeit geschrieben ist und den Hörer auf der Stelle in die Klangwelt der Band saugt. Diese Feierlichkeit hält Runaways aufrecht, das in sanften Nuancen aus der Rhetorik von U2 schöpft – natürlich mit dem entscheidenden Unterschied, dass U2 heute für solche Hookline-Ideen töten würden, wie sie Runaways generiert. Gerade Runaways ist der Track, der Brandon Flowers im Refrain breiten Raum bietet, sich voll zu entfalten und zum ersten Mal auf dem Album seine gesanglichen Talente entschlossen auszuspielen. Die Stimmung dreht sich anschließend mit dem organisch klingenden The Way It Was – ein nostalgischer Song (in dem der Klang der Akustikgitarren nach vorne drängt), mit einer Prise »New-Wave-Rustikalität« –, und die Band hält weiterhin ein hohes Niveau des graduellen Spannungsaufbaus zwischen Strophe und Refrain. Die packende Atmosphäre erreicht ihr Maximum im Refrain. The Killers sind Schlitzohren, die genau vorausberechnet haben, was beim Publikum auf Anhieb zündet. Sie wissen genau, was sie tun, wissen, was sie wollen, haben einen klaren Fokus – und das bestätigt das Album auch im weiteren Verlauf.
Die Songs brechen nämlich nicht ein. Qualitätsschwankungen gibt es keine. Besonders interessant ist die Erkenntnis, dass sich im weiteren Albumverlauf eine gehörige Portion Melodien im »Heartland Rock«-Stil einschleicht. Das ist das Melodieprinzip von Künstlern wie Bob Seger, Bruce Springsteen, The Eagles,… Nichts Neues für The Killers – nur dass dieses Element auf »Battle Born« noch etwas stärker in den Vordergrund gerückt ist als auf den früheren Werken der Band. Besonders betont wird dieses Element in den Refrain-Melodien A Matter Of Time, Miss Atomic Bomb, From Here On Out oder Heart Of A Girl.
Interessant ist, dass die Band auch in den Balladen jene Feierlichkeit aufrechtzuerhalten weiß. In Here With Me etwa – einer Ballade mit einer durchaus flachen Naivität in den Strophen – trägt Brandons gesangliches Renommee die tragende Funktion, die kühne Arrangement-Glaubwürdigkeit des Songs zu erhalten. Die zentrale Vokal-Exposition wird dabei von den hinzugefügten Orchestrierungen wirkungsvoll kontrastiert. Der zweite solche Moment des Albums findet sich gegen dessen Ende. Die Ballade Be Still eignet sich als Untermalung für ein weihnachtliches Ambiente – knisternde Holzscheite im Kamin, während im Schein der Winternacht still die Schneeflocken fallen.
Deadlines And Commitments ist mit einem besonders ausgefeilten melodischen Zuschnitt geformt und würde mit seinem verdichteten melancholischen Sentiment in einem etwas anderen Arrangement- und Produktionsumfeld ein echtes West-Coast-AOR-Juwel abgeben. Das ist der Moment auf dem Album, an dem The Killers absichtlich in stärkeres Pop-Territorium vorstoßen. Ein größeres Gewicht beim Aufbau der Atmosphäre fällt auf den Einsatz von Programmsequenzen und hinzugefügte Keyboard-Ornamente, während die Gitarre etwas in den Hintergrund tritt. Der Aufbau dieses Songs beweist, dass The Killers sehr geschickte Musik-Arrangeure sind. Es handelt sich nämlich um einen Track, der als versteckter Hit-Single verbleiben wird, den die Band niemals veröffentlichen wird. Noch ein erhaben-feierlicher Höhepunkt beschließt dieses hochgradig kohärente Werk! Es ist der Titeltrack, in dem sich die Energie des Openers Flesh And Bone noch einmal manifestiert, und das Album bekommt mit dem ruhigen, ausklingenden U2-haften Sentiment von Brandons Vokal-Linie einen gewürzt wirkungsvollen Abschluss.
Als The Killers im Januar 2010 ihre Tour abschlossen, kündigten sie zwar eine längere Pause an – doch in dieser Zeit veröffentlichten Sänger Brandon Flowers und Bassist Mark Stoermer jeweils ihr eigenes Soloalbum, und Drummer Ronnie Vannucci war ebenfalls an einem Album seines Nebenprojekts Big Talk beteiligt. Von einer echten Pause konnte also keine Rede sein, und als The Killers im Juli 2011 mit einer offiziellen Ankündigung ihr kreatives Schaffen reaktivierten, hatte niemand erwartet, dass bereits im September desselben Jahres ein neues Studioalbum erscheinen würde. Und obendrein das bis dato reifste Werk der Band in ihrer gesamten Karriere.
Ganz einfach. The Killers haben die frisch gewonnenen, reichen Erfahrungen aus einer megalomanen Konzertkilometerzahl sowie aus der jüngsten Soloarbeit der einzelnen Quartetmitglieder in unterschiedlichem musikalischen Umfeld mutig auf dieses Album übertragen! Sie haben sich nicht einschläfern lassen und nicht auf den Lorbeeren der Erfolge von »Day And Age« ausgeruht – stattdessen haben sie die Geschichte des Vorgängeralbums meisterhaft weiterentwickelt!
Besetzung
Brandon Flowers – Gesang, Synthesizer
Dave Keuning – Gitarre, Hintergrundgesang
Mark Stoermer – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Ronnie Vannucci – Schlagzeug, Perkussion, Hintergrundgesang
Produktion
Stuart Price, Steve Lillywhite, Damian Taylor, Brendan O’Brien, Daniel Lanois & The Killers
Trackliste
01. Flesh and Bone
02. Runaways
03. The Way It Was
04. Here with Me
05. A Matter of Time
06. Deadlines and Commitments
07. Miss Atomic Bomb
08. The Rising Tide
09. Heart of a Girl
10. From Here on Out
11. Be Still
12. Battle Born