Bališ : 11°

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Label: Office 4 Music
Erscheinungsdatum: 09.01.2019
Produktion: Žarko Pak
Länge der EP: 27.32
Genre: Alternative Rock / Indie Rock
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Da ist er! Das neue Werk der österreichisch-kärntnerischen Band Bališ mit slowenischen Wurzeln — und es ist mehr als nur eine Single. Kein ausgedehntes neues Studioalbum, aber eine EP, bestückt mit sieben Songs und guten siebenundzwanzig Minuten waschechtem Rock. Sechs Tracks sind Eigenkompositionen, einer ist ein Cover.

Bališ sind eine langlebige Band. Sie sind seit über zwei Jahrzehnten aktiv, und ihren ursprünglichen Rock’n’Roll-Spott sowie ihre sarkastische Stacheligkeit haben sie im Laufe der Zeit gegen eine deutlich höhere Dosis musikalischer Ansteckungskraft eingetauscht — ausgestattet mit einer modernen Alter-Indie-Pop-Rock-Kontur. Sagen wir mal, sie haben sich mit der Zeit eine ästhetische Art-Reife angeeignet. Die konkrete musikalische Transformation hat das Album »Novnos« (2010) nachdrücklich bestätigt. Neun Jahre später verfolgt auch die brandneue EP »enajstih stopinj« (»11°«) diese musikalische Ausrichtung. Bališ bleiben auf »11°« ein musikalisches Kollektiv mit unverwechselbarem Rock-Charakter, das nach dem Prinzip engagierten und feinfühligen Komponierens mit leicht dosierten Schritten und Bewegungen (nach dem Prinzip »weniger ist mehr«) eine große musikalische Reizwirkung bzw. Anziehungskraft aus seinen elementaren Ideen schöpft. Diese künstlerische Reife knallt mit dem zusätzlichen Pop-Flair direkt in die Radiowellen. Die EP ist dem etwas angepasst: Bališ haben damit eine Mittelspur eingeschlagen und ein Produkt geliefert, das sich gleichermaßen bei slowenischen wie auch österreichischen und darüber hinaus bei Schweizer und deutschen Radiosendern »einschmeichelt«. Im Hinblick darauf hat sich die Band entschieden, den Hit der österreichischen Pop-Legende Georg Danzer mit dem Titel Daham bleibt Daham zu covern, der auf »11°« natürlich ins waschechte Bališ-Alphabet bzw. in die typische Arrangement-Rezeptur der Gruppe umgepackt wurde — und deshalb fast wie eine Eigenkomposition wirkt, obwohl er das nicht ist. So Einfach, das einen weiteren hocheinprägsamen und hyperansteckenden musikalischen Refrain liefert, bewahrt die enorme Radiokompatibilität dieses Produkts. Bemerkenswert ist die außerordentliche Flexibilität der Band im Umgang mit den möglichen Tücken des korrekten metrischen Einsatzes sowohl der slowenischen als auch der deutschen Sprache. Hier sind Bališ sehr geschickt, und die sprichwörtliche Starrheit beider Sprachen, die in der Musik besonders gerne zutage tritt, mindert den großen musikalischen Ertrag und die Kompaktheit ihrer Musik nicht. Interessant ist auch, dass die Klangfarbe des ausgesprochen angenehmen Gesangs von Norbert Bališ in beiden Sprachen nur einen Hauch anders klingt.

Obwohl das heimische Obirisch in den Texten konkret vom »Ljubljanaer« Slowenisch abgelöst wurde, greift die Band gerade im Opener Spal bomo če smo hin noch am deutlichsten auf ihr Obirisch zurück. Diese Pop-Kontur ist auch auf »11°« in die moderne Sprache der Produktionsmittel gehüllt, für die weiterhin höchst ansprechend der erfahrene Žarko Pak sorgt, der einst auch Siddharta beim Aufbau ihres Sounds geholfen hat. Im außergewöhnlichen musikalischen Ertrag der Refrainmelodien und durch die melancholisch sehnsüchtige vokale Kontur des Sängers Norbert Lipuš weckt auch das neue Bališ-Werk gelegentlich einige Assoziationen an die künstlerische Ausdrucksweise der größten slowenischen Rock-Band der letzten zwei Jahrzehnte (Siddharta).

»11°« liefert sieben außerordentlich detaillierte Songs, die Organik sowie eine lebendige und warme Produktion bewahren. Die Bausteine des Klangbildes sind effektiv kontrastreich hervorgehoben und koexistieren in dieser Klanglandschaft innerhalb einer wunderschön ausgewogenen Anordnung miteinander. Sie stehen also im Gleichgewicht. Das Klangbild ist außerordentlich raffiniert ausgefüllt. Žarko Pak-Produktion, eben. Der Meister weiß, was er tut — und wie. Die Band nähert sich mit einer zeitgemäßen Ästhetik dem Vokabular zwischen Art-Pop und Alternative Rock einer etwas in Vergessenheit geratenen MTV-Welle mit Bands wie Kaiser Chiefs oder auch Franz Ferdinand — aber das ist keine feste Regel. Nur ein flüchtiger »Orientierungspunkt«, gerade weil es die Grundtatsache gibt, dass Bališ es durch die Jahre geschafft haben, einen ganz eigenen, unverwechselbaren musikalischen Charakter zu entwickeln — und diese Erkennbarkeit und Einzigartigkeit auch nach der musikalischen Transformation bewahrt haben. Zwischen den sieben Songs gibt es klare und prägnante arrangementbezogene, kompositorische und damit auch ausdrucksmäßige Abweichungen. Das beweist nur, dass Bališ für dieses Werk aus dem Arsenal aller neu entstandenen Ideen schlicht das Beste vom Besten herausgepickt und das Ergebnis mit großem Engagement feingeschliffen haben.

Bališ (ver)bleiben mit »11°« Klang- und Arrangement-Ästheten. Die Songs besitzen Eingängigkeit und die richtige Note rockiger Herzlichkeit dieser seelenerfüllten Rock’n’Roll-Prediger, die mit dem Werk große evolutionäre Reife und ihren eigenen kreativen Zenit zum Ausdruck bringen. Hoffen wir, dass im Hintergrund und in absehbarer Zukunft auch ein vollwertiges Studio-Nachfolgealbum in Arbeit ist.

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9 / 10

Trackliste:
1. Spal bomo če smo hin
2. 11°
3. Ljubezen je bolezen
4. Jaz sem revolucija
5. Daham Bleibt Daham
6. Dokler plešeš si še živ
7. So Einfach

Besetzung:
Norbert – Gesang
Dani – Gitarre
Davorin – Gitarre
Rudi – Gitarre
Izi – Bassgitarre
Marko – Schlagzeug, Perkussion

GASTMUSIKER:
Nikolaj Efendi – Gesang auf Track 5
Katz Tamina, Rutar Lara, Sadnikar Irina, Smolnik Fabian, Urank Katarina, Marko Stern – Chor auf Track 5
Stern Rafael – Akustikgitarre auf Track 3

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