Back to the Front
Autor: Rok Klemše
Künstler: Entombed A.D.
Label: Century Media
Erschienen: year_month
Laufzeit: 51:12
Bewertung: 3.5/5
Back to the Front könnte kein passenderer Titel für das neue Album der schwedischen Death-Metal-Veteranen Entombed sein. Nicht nur, weil ihr letztes Studioprodukt, Serpent Saints – The Ten Amendments, vor gut sieben Jahren erschienen ist, sondern auch wegen der Streitigkeiten um den Bandnamen, durch die sich das neue Album um ganze ein Jahr verzögerte. Die Originalmitglieder konnten sich nämlich nicht über die Namensrechte einigen, worüber am Ende natürlich ein Gericht entscheiden musste. Von den Originalmitgliedern ist derzeit nur noch Gitarrist Alex Hellid bei Entombed, während Sänger L.G. Petrov das vorliegende Album mit der eigentlichen Serpent Saints-Besetzung veröffentlicht hat.
Haben sich die legendären Schweden mit Back to the Front also auch wieder in die vordersten Reihen des Death Metals vorgearbeitet? Ja und nein. Obwohl das Album eigentlich das Debüt von Entombed A.D. ist, handelt es sich natürlich um die logische Fortsetzung von Entombed – angefangen beim kultigen Left Hand Path, der das Fundament des gesamten schwedischen Death Metals gelegt hat. Auch die Jungs unter Petrovs Führung bleiben trotz neuem Namen in den Bahnen, die die „originalen“ Entombed mit Left Hand Path, Clandestine und Wolverine Blues vorgezeichnet haben. Im Osten nichts Neues. Doch das Mid-Tempo-Gewalzere, von dem Back to the Front nur so strotzt, beschwört stellenweise auch die besten Momente der Entombed Death-’n‘-Roll-Ära herauf. Die Gitarren sind vernichtend, ihr Groove stampft wie ein Vorschlaghammer und röhrt wie eine Kreissäge – und auch wenn die Riffs simpel bleiben, sind sie abwechslungsreich und dynamisch. Das Staccato-Riffing wird immer wieder von melodischen Einschüben unterbrochen, in denen Petrov mit seinem unverwechselbaren, zornigen Gesang glänzt, der noch immer klingt, als hätte er sein Leben lang den Durst mit Benzin gelöscht – und dabei geraucht.
Das Tempo des Albums ist kohärent und konstant, aber genau das ist auch sein größtes Problem: Die Songs beginnen sich in ihrer spürbaren und allgegenwärtigen Mid-Tempo-Ausrichtung schnell zu wiederholen und zu ziehen. Trotz eines Sounds, der gnadenlos prügelt und drischt, fehlt Back to the Front als Death-Rock-Album schnellere Rhythmen und eine durchdachtere Dynamik. Die Jungs bleiben diesmal stur in ihrem Punk/D-Beat-Rhythmus verankert, und vom Bulldozer aufs schnellere Gewalzere mit Panzerketten schalten sie zum Beispiel nur in Vulture and the Traitor und vor allem im gerade mal zweieinhalb Minuten kurzen Schuss The Underminer um.
Old-School-Fans werden wohl nicht allzu begeistert sein, falls sie auf Left Hand Path 2 gehofft hatten – aber von Petrov und den Jungs so etwas zu erwarten wäre eigentlich unfair. Back to the Front ist nach siebenjähriger Studioabstinenz eine mehr als solide Platte, die lediglich an einem Mangel an abwechslungsreicheren Songs leidet, die nach dem Hören des Albums länger im Gedächtnis bleiben würden. Trotzdem navigiert Back to the Front recht erfolgreich zwischen der Death-Metal- und der Death-’n‘-Roll-Periode der Band, Entombed verstehen es noch immer, für einen nicht übermäßig überproduzierten Dreck zu sorgen, der vor allem Fans der Uprising/Morning Star/Inferno-Ära zufriedenstellen wird. Noch schöner ist, dass Entombed A.D. beweisen, dass man sie noch nicht abschreiben sollte und dass sie musikalisch noch immer relevant sind. Live sogar mehr als im Studio, was auch das kürzliche Konzert in Ljubljana bestätigt hat!
Besetzung
L.G. Petrov – Gesang
Victor Brandt – Bass
Nico Elgstrand – Gitarre
Olle Dahlstedt
Produktion
Roberto Laghi
Tracklist
1. Kill To Live
2. Bedlam Attack
3. Pandemic Rage
4. Second To None
5. Bait And Bleed
6. Waiting For Death
7. Eternal Woe
8. Digitus Medius
9. Vulture And Traitor
10. The Underminer
11. Soldier of No Fortune