Back For The Attack

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Künstler: Dokken
Label: Elektra Entertainment Records
Release: 1987
Bewertung: 5/5

1987 war für Amerika ein heroisches Jahr. Ronald Reagan forderte Gorbatschow in Berlin öffentlich dazu auf, die Mauer einzureißen, die Lakers mit Magic und Worthy an der Spitze schlugen in sechs epischen Spielen die amtierenden NBA-Champions Boston Celtics und in die Kinos kam der dritte Teil der Kult-Horrorreihe Nightmare on Elm street – Dream warriors. Der Film, in dem Freddy die blutjunge Patricia Arquette und ihre Clique durch eine Psychiatrie jagt, ist eine würdige Fortsetzung des ersten Teils, den drei Jahre zuvor der berühmte Horrormeister Wes Craven inszeniert hatte, heute vor allem für die Scream-Trilogie bekannt. Inhaltlich und schauspielerisch stellt der Streifen seinen ziemlich missglückten Vorgänger locker in den Schatten, und vom Vorgänger unterscheidet er sich auch durch den großartigen Soundtrack, für den Angelo Badalamenti und Dokken sorgten. Dass die Kombination aus Heavy Metal und Slasher-Film verdammt gut funktioniert, hatte davor schon Alice Cooper im sechsten Teil von Freitag der 13. bewiesen (The Man Behind The Mask, Teenage Frankenstein, die du auf dem Album Constrictor findest) und dann noch in Cravens Shocker, aber man kann wohl sagen, dass Dream Warriors das bekannteste Beispiel für so eine Symbiose ist. Das bestätigt auch das Video mit dickem Budget zum gleichnamigen Song, gedreht auf dem Set des Films, in dem George Lynch an der Seite von Don Dokken durch vernebelte Gänge streift und mit seiner Skull n’bones-Gitarre Amerikas beliebtesten Psychopathen nervt.

Mit dem Song Dream Warriors endet Back for the Attack, das vierte und letzte echte Album von Dokken. Dass es in der Truppe gewaltig krachte und Don und Lynch sich in den Haaren lagen, pfiffen die Spatzen längst von den Dächern, also war die Auflösung der Band nach dem Livealbum Beast from the East, mit dem das Label aus der Truppe noch die letzten Dollar herauspressen wollte, keine Überraschung. Sänger und Gitarrist sprachen schon lange nicht mehr miteinander und nahmen auch nicht mehr im selben Studio auf, und wegen der bitteren Streitereien drohte sogar ein Nachspiel vor Gericht. Auf dem Album ist davon aber nichts zu merken. Es ist wieder so ein technisch makelloses und ideenmäßig überraschend abwechslungsreiches Meisterwerk aus den Achtzigern, nur etwas düsterer als die bisherigen Dokken-Alben. War Under Lock and Key marktorientierter und hatte mehr radiotaugliche Hits, bietet uns Back for the Attack eine obskure Reise ins Land unheilvoller Rhythmen, ausgefeilter Soli und Gang-Vocals, die aber, wie typisch für die Zeit, in der sie entstand, von vorn bis hinten hörbar und spannend bleibt. Das energische Kiss of Death und das melodische Prisoner läuten das Album hervorragend ein, und mit dem wirkungsvollen Refrain von Night by Night, wo vor allem die oft kritisierten Gesangsfähigkeiten von Don Dokken zur Geltung kommen, erreicht es seinen ersten Höhepunkt. Natürlich ist der Hauptact der Band Lynch, dessen Gitarrenarsenal wir im Instrumental Mr Scary bewundern dürfen, wofür er sogar eine Grammy-Nominierung bekam. Noch mehr als seine Soli, geprägt von Supersonic-Legato und Double Stops, packen uns in Songs wie Stop Fighting Love und dem schon erwähnten Dream Warriors seine Rhythmen, bei denen kein langhaariger Kopf ruhig und gleichgültig bleiben kann. Es ist also vor allem ein Gitarrenalbum, eine Art Lynch-Antwort auf Satrianis Surfing with the Alien, mit ausgeprägter Power-Metal-Note und frenetischen Riffs, neben denen Satchs Geklimper wie ein steriles Spielzeug wirkt. Back for the Attack verkörpert damit die meistgeschätzten Aspekte seiner Ära, denn es vereint Gitarrenmeisterschaft, eine präzise, aber nicht überpolierte Produktion und beneidenswerte harmonische Geschmeidigkeit, und dazu gibt es auf dem Album keinen einzigen Song, den man als Füller bezeichnen könnte. Das lässt sich von den späteren Alben der Band leider nicht behaupten.

Nach Lynchs Abgang nimmt Don Dokken mit John Norum (ex Europe) und Peter Baltes (ex Accept) das Album Up from the Ashes auf, das versucht, die Tradition des erwähnten Albums fortzuführen, aber trotz einiger heller Momente wie Give It Up und Down in Flames nicht mal annähernd rankommt. Ähnliches gilt für Lynch, der mit seiner Band zur selben Zeit das durchaus vielversprechende Album Wicked Sensation veröffentlicht, mit dem er die Charts zurückerobern will, doch beide Projekte gehen im Licht der neuen Zeiten der Ziegenbärtchen und Flanellhemden sang- und klanglos unter. Der letzte verzweifelte Versuch, die Band auf die Pfade alten Ruhms zurückzuführen, folgte 1995 mit dem Album Dysfunctional und der begleitenden DVD Japan Live 95′, auf der der Zwist zwischen den Mitgliedern schon so offensichtlich ist, dass man ihn sogar in der Musik hört. Nach dem katastrophalen Shadowlife schnappt sich Lynch seine Kohle (so nannte er selbst die Arbeit in der Band, in der er sich immer eingeengt fühlte) und geht zum zweiten Mal, und Dokken fristen ihr Dasein mit Veröffentlichungen weiter, die in Sachen Ideen wie Technik Lichtjahre hinter ihren Meisterwerken aus den Achtzigern liegen.

An Dokken sollte man sich also wegen der mächtigen Alben der Vergangenheit erinnern, wie Tooth and Nail, Under Lock and Key und besonders Back for the Attack, in dem ihre wahre Größe steckt. Das Album klingt trotz des leicht historischen Gitarrensounds noch heute frisch, dynamisch und genauso hörbar wie vor zwanzig Jahren, als die Jungs die Weltcharts regierten. Das hat auch Don erkannt, der vor Kurzem das Livealbum From Conception mit ausschließlich altem Material herausgebracht hat, dazu eine DVD-Sammlung von Videoclips aus den Achtzigern namens Unchain the Night. Auf der DVD ist auch das Video zu Dream Warriors, an dessen Ende Freddy, den im Schlaf ein Albtraum plagt, schweißgebadet aufwacht, hochschießt und ruft: „What a nightmare! Who were those guys?“ Das, meine Damen und Herren, waren Dokken auf dem Gipfel ihres Ruhms.

Besetzung

Don Dokken – Gesang
George Lynch – Gitarre
Jeff Pilson – Bass
»Wild« Mick Brown – Schlagzeug

Produktion

Neil Kernon

Tracklist

1. Kiss Of Death
2. Prisoner
3. Night By Night
4. Standing In The Shadows
5. Heaven Sent
6. Mr Scary
7. So Many Tears
8. Burning Like A Flame
9. Lost Behind The Wall
10. Stop Fighting Love
11. Cry Of The Gypsy
12. Sleepless Nights
13. Dream Warriors

Spielzeit: 63.08

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