Avtomobili : Klub klubov
Label: ZKP RTV Slovenija
Erscheinungsjahr: 2008
Produktion: Avtomobili
Albumlänge: 68.35 min
Genre: Art Rock / Pop
Studio 14 lässt kaum einen slowenischen Künstler durch die Maschen, der in seiner Karriere auch nur ansatzweise Radiozeit gehabt hat, ohne ihm einen Auftritt anzubieten. Die aus Nova Gorica stammenden Avtomobili, eine der feinsten Art-Pop-Rock-Bands, die die slowenische Szene ihrer Ära hervorgebracht hat, lieferten dort im Frühjahr 2008 einen Auftritt, der in knapp 70 Minuten die gesamte musikalische Entwicklung der Gruppe in chronologischer Reihenfolge vorstellte. »Nicht mehr«, als eine unschuldige Radio-Übung mit fünfzehn Songs — so sagen sie selbst gerne und bescheiden.
Die Musik von Avtomobili gilt als zeitloses künstlerisches Werk — die außergewöhnliche kreative Reichweite des streng profilierten Art-Gespanns der Brüder Vuksanovič hat über die lange Karriere der Gruppe hinweg viele Evergreens auf die Radiowellen gebracht, die täglich in unseren Ohren nachhallen. Skozi leta, könnte man treffend sagen.
Die Alben zwischen 1984 und 2006 — kurz aufgezählt: »Mjesec je opet pun« (1984), Dugo toplo ljeto (1985), Krenimo (1987), Mraz (1992), Skozi leta (1994), Navaden dan (1997), Enakonočje (2000) und Mesta železniških postaj (2006) — werden mit den markantesten Momenten der Bandkarriere in knappe siebzig Minuten gepackt. Dabei ist es kaum zu fassen, wie weit Avtomobili ihre künstlerische Entwicklung vorangetrieben haben. Das zeigt sich am deutlichsten bei den ältesten Songs wie Ona nosi uniformu und Prljavi jezik. Letzterer bekommt echte Jazz-Konturen und stellt dem Publikum gleichzeitig den knackigen Charakter des neuen Gitarristen Boštjan Andrejc „Bushy“ vor, der als neues Dauermitglied der Band plötzlich in Schuhe schlüpfen musste, die vielen Gitarristen zu weit wären — die von Alan Jakin.
In kurzer Zeit nach dem Release von »Mesta železniških postaj« hat die Band „Bushy“ erfolgreich in die Besetzung integriert. Dazu beigetragen haben sicher die reichen Erfahrungen dieses Gitarristen, die aus seiner jahrelangen Arbeit innerhalb von Night Jump herrühren, wo er die vielschichtige Sprache des Gitarrenspiels aufbauen musste. Und genau so ein Gitarrist ist bei der Vielfalt gefragt, die das musikalische Erbe von Avtomobili auszeichnet. Mit „Bushy“ haben Avtomobili auch beim Arrangieren der Vokalharmonien gewonnen. „Bushy“ ist nämlich auch ein sehr guter Vokalist, was die Band natürlich geschickt nutzt, um den verfügbaren Raum zwischen Markos Versen zu füllen (Enakonočje, Drugačno nebo) — und Bushy „dubliert“ (lies: verdoppelt) Marko auch mehrmals bei den Refrainmelodien, was die Harmonie der einzelnen Bühnennummern verdichtet.
Viel strukturierter, wärmer und lebendiger wirken die erneuerten Avtomobili 2008 auf der Bühne. Der Wechsel von Marko Vuksanovič — ausschließlich — in die Gesangsrolle hat einen weiteren Platz im Team freigemacht. Den hat David Šuligoj übernommen. Der Zuwachs an Melodie in den Basslinien und die Dynamik sind mit Šuligojs Ankunft spürbarer als je zuvor, was zu einer noch imposanteren Hervorhebung des Art-Elements der Band beiträgt. Mit der geschickten Einbettung von „Bushys“ Gitarrensprache in den stets verlässlichen Dialog mit einem der Säulen von Avtomobili, Mirko Vuksanovič an den Keyboards, hat dieses Element der Art-Exposition in der Pop-Rock-Predigt der Band noch nie so weich, geschmeidig, verführerisch und sinnlich gewirkt. Die Ausdrucksstärke der erneuerten Avtomobili krönt die außergewöhnliche Ballade Hvala za pisma, die für sich allein einer der Höhepunkte des Konzerts ist. Die chemische Intensität der Bausteine der Aufnahme „Klub klubov“ würde nie so vollständig zünden ohne den einzigartigen Vokalansatz und die einzigartige Klangfarbe der Stimme von Marko Vuksanovič. Die warme, sanft-samtige Darbietung passt sich mit effektiver Geschmeidigkeit an und belebt meisterhaft den sensiblen Charakter der Botschaften in den Versen. Wieder sind wir bei Songs wie Hvala za pisma — dem steht Gorica kaum nach —, und genau in diesen besonders ausgefeilten Momenten kriecht Markos einzigartiger, durchgehend angenehm greifbarer Vokalcharakter mit seiner hoch ansteckenden Intensität tief unter die Haut.
Da sind die Evergreens Sama, Ljubezen, Skozi leta, Gospodar mit dem besonderen Gast des Abends Zoran Predin, der Avtomobili auf irgendeine Weise symbolisch seinen Gefallen zurückerweist, Enkrat v življenju,… Man kommt nicht zum Durchatmen — in all der Vibration, die dieses einzigartige Dokument der Clubszene entfaltet, ein vollgestopfter kleiner Raum mit 140 Köpfen.
Avtomobili haben vier Jahre nach dem Auftritt in Studio 14 das Album »Pozna pomlad« (2012) veröffentlicht und dieses Ereignis mit einem Konzert zum 30. Bandjubiläum in Cankarjev dom mit besonderen Gästen gefeiert — in einem ganz anderen Ambiente, dem wieder ausverkauften Linhartova dvorana. Hoffen wir, dass die Veröffentlichung von »Klub klubov« auch durch eine Aufnahme aus Cankarjev dom bereichert wird, denn es wäre spannend, das weitere Wachstum der Evergreens selbst zu vergleichen, ebenso wie die künstlerische Weiterentwicklung, die die Tracks des neuen Albums »Pozna pomlad« unter Beweis stellen.
Avtomobili sind also eine Band, die beim Radio groß geworden ist. Das Cover des Albums »Klub klubov« hat nämlich symbolischen Wert. Es veranschaulicht die Zusammenarbeit von Val 202 und der Band selbst. Im Covermotiv ist ein rustikales Radiogerät abgebildet, auf dem die Bandmitglieder in ihrer Bühnenleidenschaft posieren. Es geht um das gegenseitige Wachstum zweier Partner — einmal mehr, treffend gesagt: »Skozi leta«.
Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 8.0 / 10
Trackliste:
1. Mjesec je opet pun
2. Ona nosi uniformu
3. Prljvi jezik
4. Sama
5. Enkrat v življenju
6. Ljubezen
7. V mrzlih dvoranah
8. Gospodar
9. Skozi leta
10 Argenitna
11. Hvala za pisma
12. Navaden dan
13. Enakonočje
14. Gorica
15. Drugačno nebo
Besetzung:
Marko Vuksanovič – Gesang
Mirko Vuksanovič – Keyboards
Boštjan Andrejc „Bushy“ – Gitarre
David Šuligoj – Bassgitarre
Marko Lasič – Schlagzeug
GASTMUSIKER:
Zoran Predin – Gesang auf Track Nr. 8