Avtomobili beim Jubiläums-10. Ortofest (2009)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Orto bar / Ljubljana / Slowenien
Konzertdatum: 10.04.2009
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 10.00€
Avtomobili und ihr Auftritt beim diesjährigen Ortofest gehörten zu jenen so gut wie pflichtmäßigen Terminen. Ihr musikalisches Werk nimmt im slowenischen Rock und in der Popmusik nämlich einen ganz besonderen Platz ein. Die Besetzung von Avtomobili setzt sich heute aus folgenden Mitgliedern zusammen: Mirko Vuksanovič (Keyboards, Backgroundgesang), Marko Vuksanovič (Gesang), Boštjan Andrejc – Buši (Gitarre, Backgroundgesang), David Šuligoj (Bass) und Marko Lasič (Schlagzeug).
Am Veranstaltungsort hatte sich eine stattliche Zahl Neugieriger eingefunden – schätzungsweise rund 100 –, die die Band gleich mit einem Stück des Debütalbums begrüßte: „Mjesec je opet pun“ (1984) Ona nosi uniformo. Darauf folgte direkt eine Trilogie aus dem aktuellen Studioalbum „Mesta železniških postaj“ (April, Gorica, Prihaja moj dan), und die Menge erwachte lautstark beim ewig grünen, regelrecht ins Volkslied übergegangenen Drugačno nebo, das Skozi leta nur noch übertroffen hat. Die Band hat in ihrem Schaffen jedenfalls einige wirklich hervorragende Songs geschrieben, die mit einer ungemein leichten, rockigen Eingängigkeit punkten – mit diesem Konzertrepertoire können Avtomobili einfach nicht verleugnen, wer sie sind. Sie haben ihre eigene musikalische Nische besetzt, eine unverwechselbare Identität entwickelt und ihrem Werk einen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Dabei darf man das Wichtigste nicht übergehen: das warme, samtige, mitteltiefe bis tiefe Timbre von Marko Vuksanovičs Stimme, das mit seinem Ansatz auch heute noch gekonnt dem Klischee widerspricht, Leute aus dem Küstenland seien immer fröhlich und gut aufgelegt. Marko bringt eine echte Note von Enge und Traurigkeit mit – das Herz ist fast zwingend ein kleines bisschen angeschlagen… Und dieses Gefühl breitet sich über die gesamte Band aus. Für die Sonnen-verwöhnten Novagoraner doch ziemlich untypisch – oder doch nicht (klärt mich auf)?
Die Jungs wirken auf der Bühne absolut routiniert, hinter ihnen steckt eine enorme Kilometer-Zahl, kaum etwas kann sie aus der Bahn werfen oder überraschen. Dasselbe gilt umgekehrt: Sie werfen dich auch kaum aus der Bahn oder überraschen dich. Markos statisches Spiel am Mikrofon symbolisiert Avtomobili irgendwie schon fast, auch wenn man ihm gönnen würde, dass ihn ein kleines Schlückchen Muntermacher aufweckt und in einen Zustand höherer kinetischer Reaktivität vor dem Mikro versetzt. Der Sound während des Auftritts war solide, die einzelnen Instrumente harmonierten in mustergültigem Gleichgewicht. Ich hatte mir etwas mehr Lebendigkeit und Dynamik im Gitarrensound erhofft, der phasenweise „zu dünn“ und in der Gesamtmischung untergeordnet wirkte. Genau dieser „schlampige“ Gitarrensound war letztlich der Hauptschuldige dafür, dass ein Song wie Ljubezen ne stanuje tu nicht in vollem Glanz aufgegangen ist, den er als Komposition so souverän einnimmt. Im Refrain fehlte bei diesem Stück zum Beispiel der Sprung auf ein höheres atmosphärisches Niveau, den das Zusammenspiel zwischen Keyboards und Gitarren-Riff einfach nicht heraufbeschwören konnte. Ähnliche Probleme zum Beispiel bei Drugačno nebo oder Enkrat v življenju. Das ist auch einer der grundlegenden Belege dafür, wie schwer es ist, den charakteristischen Gitarrenstil von Alan Jakin zu ersetzen.
Ansonsten hat man keinen Grund zur Klage. Die Legenden des slowenischen Rocks – man kann sie ruhig zu einer der bedeutendsten Rockbands zählen, die Slowenien in den Achtzigern hervorgebracht hat – haben jenen einzigartigen Moment heraufbeschworen, der entsteht, wenn sie die Bühne betreten, und der sie signifikant von jeder anderen Band unterscheidet. Sie waren schlicht und ergreifend Avtomobili und boten den Anwesenden in anderthalb Stunden ein ausreichendes Maß an samstäglicher Befriedigung und Abschalten. Nostalgie und der Duft der sorglosen Achtziger durchströmten also wieder einmal gemeinsam den Orto Bar!
Bleibt zu hoffen, dass die Jungs nicht allzu tief in den Schlaf oder die Routine des Alltags abgedriftet sind – was angesichts ihrer EMŠO-Nummern zwar logisch und verständlich wäre, aber trotzdem. Weitere 6 Jahre auf ein neues Album zu warten wäre dann doch eine etwas zu lange Zeit.
Setliste
1. Ona nosi uniformu
2. April
3. Prihaja moj dan
4. Gorica
5. Drugačno nebo
6. Skozi leta
7. Pot domov
8. Enkrat v življenju
9. Proti luni
10. Gospodar
11. Navaden dan
12. Odpri oči
13. Sama
14. Nekaj let
15. Ljubezen ne stanuje tu
16. Argentina
17. Enakonočje
18. V mrzlih dvoranah
—Zugaben—
19. Legla je noč
20. Prljavi jezik
21. Hvala za pisma
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