Asche, Blut und Spiegel auf der Kadilnica of Death! (2015)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Jerneja Jerak
Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 23.04.2015
Besucherzahl: 150
Kartenpreis: 4,00€
Für alle, die an einem Mangel an Konzertbesuchen von Bands wie Nightwish, Epica, Delain, Edenbridge, Sirenia, Leave’s Eyes leiden – und die Liste endet hier noch lange nicht –, war das Programm des diesjährigen Ortofestes, das an einem Donnerstag gleich zwei Metal-Bands mit weiblichem Gesang in die Kadilnica of Death drückte, ein echtes Pflaster auf die Wunden. Erstere sind Brezno, die Ljubljaner Folk-Metaller, letztere die symphonischen Power-Metaller ShadowIcon aus Postojna und Umgebung. Beide Bands hatten Ende letzten Dezember neue Studioalben am Start. Brezno veröffentlichten nach einem kompletten Umbau der Besetzung in den Jahren 2010 und 2011 endlich ihr Studio-Debüt »Kri«, ShadowIcon hingegen, die ihr Debüt »Empire in Ruins« seit 2011 bereits in der Tasche haben, brachten die neue EP »Smoke And Mirrors« raus.
Beide Bands wurden von einem guten Publikum von rund 150 heißblütigen Köpfen empfangen, größtenteils Freunde und Bekannte der Bands, aber auch begeisterte Fans, die gekommen waren, um bei der pompösen Detonation der beliebten Metal-Hymnen die Hälse zu recken. Als erste betraten ShadowIcon die Bühne, in der Besetzung Ana Prijatelj Pelhan (Gesang), Peter Smrdel (Keyboards), Bojan Kostanjšek (Gitarre), Tomaž Lovšin (Gitarre), Matej Ravšelj (Bassgitarre) und Žiga Ravšelj (Schlagzeug). Die kleine Bühne im Obergeschoss des Orto bar erwies sich für sechs Leute als ganz schön eng – aber das muss man jetzt nicht überdramatisieren. Die Band legte ohne Zögern los und spielte Songs von der neuesten EP »Smoke And Mirros« sowie vom Langspiel-Debüt »Empire in Ruins« (2011). Was ShadowIcon besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass die Truppe für ihre starken Songwriter und Arrangeure bekannt ist, die Songs schreiben, die das richtige Maß an Punch, Pomp, verführerischer Melodie und Stimmungsgradation über den Verlauf der Stücke vereinen. Das bestätigt auch die neueste Single If I Was The One von der neuen EP, die ich leider vor diesem Konzert nicht vollständig gehört hatte. Die Band präsentierte ihr Material solide. Für ein gutes Klangbild musste man an der Bar stehen. Das einzige Manko war der zu leise weibliche Gesang im Mix. Der wirkte über den gesamten Auftritt ausdruckslos und ohne echte Dynamik. Eigentlich sehr schade, wenn man bedenkt, dass Ana eigentlich die zentrale Figur der Bühnenauftritte der Band ist. Ansonsten sind ShadowIcon eine Band, die der slowenischen Metal-Szene die nötige Abwechslung bringt – denn solche Bands, Vertreterinnen des symphonischen Power Metal mit weiblichem Gesang im Mittelpunkt, gibt es schlicht nicht.
Wer einen klaren Kopf bewahrt hatte, konnte danach auch Brezno lauschen. Das Ljubljaner Folk-Metal-Sextett in der Besetzung Sara Jeremič (Gesang), Mitja Usenik (Bassgitarre, Gesang), Katarina Snoj (Keyboards, Backing-Vocals), Luka Žnideršič (Gitarre, Backing-Vocals), Max Petač (Gitarre) und Matej Hrustek (Schlagzeug) lieferte im Vergleich zu ShadowIcon insgesamt die überzeugendere Vorstellung – das gilt vor allem für Saras Gesang, der angenehm durchdringend ist, das richtige Maß an Dynamik in der Melodiegestaltung der Verse besitzt und natürlich einen Mezzosopran mit beneidenswerter Charisma mitbringt. Geige und Flöte sind nicht mehr dabei, dafür sind die Gitarren um einiges fetter aufgepumpt, und der Bassist Mitja Usenik bringt noch mehr Growling ein, das den kompromisslos melodischen Frauengesang gekonnt ergänzt. Das Element, das Brezno auf angenehme Weise von Klischees abhebt, sind die Texte. Die sind komplett auf Slowenisch gesungen. Das gilt auch für die einzelnen harmonischen Verzierungen, die aus dem traditionellen slowenischen Volksmelos schöpfen, aber erfolgreich als »keltisches« Gewand daherkommen. Die Band traf auf eine begeisterte Publikumsreaktion. Viele in den vorderen Reihen kannten die Texte auswendig und wurden von den Bandmitgliedern von der Bühne aus die ganze Zeit angestachelt, sich aktiv einzubringen. Die Band spielte acht Songs vom Studio-Debüt, darunter hallten Žanjica, Krst, Solze und Glasnik besonders nach.
Ein rundum gelungener Abend im Rahmen des Programms der Kadilnica of Death. Und endlich mal ausnahmsweise auch mit vollem Haus! Beide Bands können optimistisch und unbeschwert in die Zukunft blicken, denn sie dürfen stolz auf ihre Studioalben sein – und diese öffnen ihnen angesichts der gezeigten Qualität die Türen dankbar weit auf dem Weg der natürlichen Evolution und künstlerischen Reifung.
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